Interpretation von Gedichten

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Übersicht:

12.1. Die schriftliche Gedichtinterpretation
12.1.1. Die Vorarbeiten
12.1.2. Die schriftliche Fassung
12.1.3. Die häufigsten Mängel bei Gedichtinterpretationen
12.2. Grundbegriffe der Gedichtinterpretation
12.2.1. Strophe
12.2.2 Vers
12.2.2.1 Versmaß
12.2.2.2. Rhythmus
12.2.2.3. Enjambement
12.2.3. Reim
12.2.4 Bildsprache

12.1. Die schriftliche Gedichtinterpretation

12.1.1. Die Vorarbeiten

12.1.2. Die schriftliche Fassung

Es gibt zwei Wege der Interpretation:

die induktive Methode:
Sie geht von den kleinsten Beobachtungen aus und schreitet zum Großen und Ganzen fort. Vorteil: Man vergisst nichts. Gefahr: Man übersieht vor lauter Einzelheiten die Gesamtheit nicht mehr.
die deduktive Methode:
Sie geht von Behauptungen, Vermutungen und Thesen über das Ganze aus und belegt oder widerlegt diese dann am Beispielen. Vorteil: Der Blick für das Ganze bleibt gewahrt. Gefahr: Man lässt sich von ersten Eindrücken leiten, verrennt sich und ist für Gegenteiliges blind: Sich selbst widerlegen ist schwierig.
Beide Methoden sind daher gleich geeignet oder ungeeignet, wie man will. Oft ist daher die Vorarbeit am Text (s.o.) entscheidend für die Qualität der Gedankenführung. Hierbei sollte man zusätzlich noch Folgendes bedenken: 12.1.3. Die häufigsten Mängel bei Gedichtinterpretationen 12.2. Grundbegriffe der Gedichtinterpretation

12.2.1 Strophe
 

Sonett Gedicht, das aus 2 vierversigen (Quartett) und 2 dreiversigen (Terzett) Strophen besteht

12.2.2 Vers

12.2.2.1. 
Versmaß
ein bestimmter, regelmäßiger Wechsel von betonten und unbetonten Silben
Jambus v / gelehrt, Verbot, hinweg
Trochäus / v Leben, Rose, Liebe
Anapäst v v / Paradies, Malerei
Daktylus / v v Königin, Heilige, Neulinge
Alexandriner v/v/v/ | v/v/v/ | (v) 
|: Sprechpause im Vers (Zäsur)
Der schnelle Tag ist hin, 
Die Nacht schwingt ihre Fahn... 
Wer groß im Kleinen ist, 
wird größer sein im Großen
Hexameter /vv/vv/vv/vv/vv/v
für vv auch /
Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes
12.2.2.2. 
Rhythmus
der dem Sinn entsprechende Wechsel von betonter und unbetonter Silbe; kann oft zum Versmaß im Widerspruch stehen Es wallt das Korn weit in die Runde, 
und wie ein Meer dehnt es sich aus 
Versmaß: 
v/v/v/v/v 
v/v/v/v/ 
Rhythmus: 
vvv/ /vv/vv 
vvv/ /vv/
12.2.2.3. 
Enjambement
Der Satz geht über das Versende hinaus Aufsteigt der Strahl und fallend gießt 
Er voll der Marmorschale Rund

12.2.3. Reim

reine Reime Gleichklang von Wörtern von dem letzten betonten Vokal an Hérz - Schmérz
Líebe - Tríebe
unreine Reime ungenauer oder unvollkommener Gleichklang Gemüt - Lied, 
Geläute - Weite
männliche (stumpfe, starke) Reime einsilbige Reime (Vers endet mit betonter Silbe) Nacht - Wacht, 
Aar - Paar
weibliche (klingende, schwache) Reime zweisilbige Reime (Vers endet mit unbetonter Silbe) Blume - Ruhme, 
Feuer - teuer
Paarreim


b
... Herz 
... Schmerz 
... Liebe 
... Triebe
Wechselreim


b
... Herz 
... Liebe 
... Schmerz 
... Triebe
Umfassreim


a
... Herz 
... Liebe 
... Triebe 
... Schmerz
Schweifreim




b
... Herz 
... Schmerz 
... Sonne 
... Liebe 
... Triebe 
... Wonne
Alliteration 
(Binnenreim)
gleich lautender Anlaut benachbarten Stammsilben bei Wind und Wetter 
mit Mann und Maus

12.2.4. Bildsprache

Bild in diesem Zusammenhang: 
allgemeiner Ausdruck für den Gebrauch von Wörtern in übertragener Bedeutung; sie haben die Funktion, etwas eindringlich und unmittelbar (ohne rationale Brücken) zu vermitteln
Vergleich Eine Sache wird mit einer anderen gleichgesetzt; beide haben etwas gemeinsam. Sie hat Augen wie zwei Sternelein, und einen Mund, rot wie Kirschen
Metapher ein Vergleich, bei dem das "wie" wegfällt (verkürzter Vergleich), wobei die Vergleichsvorstellung selten bewusst wird Sternaugen, Kirschenmund, Flussarm, Redefluss, Licht der Wahrheit
Chiffre (auch Montage) verschlüsselte Metapher, bei der das Gemeinsame des Vergleichspaares nicht ohne weiteres einsichtig ist (v.a. in der modernen Lyrik) Schwarze Milch der Frühe
Personifikation Ein Ding oder ein Begriff wird wie ein Lebewesen dargestellt Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Synästhesie Zwei oder mehrere Sinnesgebiete werden gemischt Golden wehn die Töne nieder
Allegorie systematisch aufgebautes Bild, das nicht als Ganzes wirkt, sondern durch Nachdenken in seinen Einzelheiten erschlossen (übersetzt) werden muss Eine Frau, die die Augen verbunden hat und eine Waage hält = Gerechtigkeit
Symbol anschauliches Zeichen für etwas Unanschauliches Das Symbol der Sonne für Königsmacht