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Erstausgabe Biedermann
Titelblatt der ersten Ausgabe des Biedermann
vom 1.Mai 1727

Johann Christoph Gottsched
DER BIEDERMANN

Erstes Blatt 1727. den 1. May
Der Herausgeber, Ernst Wahrlieb Biedermann, begründet das Erscheinen einer neuen moralischen Wochenschrift: Sie soll künftig die Leser in ihrem Streben nach Vollkommenheit und Glückseligkeit unterstützen und will ihnen Richtschnur sein in dem Bemühen, Gutes zu tun. Nach einem Blick auf seinen Familiennamen, Biedermann, der gleichzeitig moralisches Programm sein soll, kündigt der Herausgeber Themen und Inhalte folgender Nummern an.

Anderes Blatt 1727. den 8. May
Im Mittelpunkt dieser Ausgabe steht ein Porträt von Sophroniscus, dem Freund und Nachbarn Biedermanns, dessen Hauswesen und Familienleben ganz nach den Prinzipien der Schlichtheit, Natürlichkeit und Gottesfurcht geordnet sind. Der Umgang mit diesem vernünftigen, in allen Stücken maßvollen und gebildeten Menschen ist für Biedermann ein stetiger Quell der Freude und moralischen Bereicherung.

Drittes Blatt 1727. den 15. May
Mit Euphrosyne, der Gattin seines Freundes Sophroniscus, stellt Biedermann das Musterexemplar einer tugendhaften Ehefrau dar. Neben ihren Verdiensten, derentwegen Sophroniscus sie zur Frau nahm, werden dabei vor allem ihre Hausmutter-Pflichten geschildert. Im zweiten Teil beginnt Euphrosyne mit einer Geschichte, die die Untreue einer Ehefrau und die grausame Reaktion ihres Ehemannes darauf thematisiert.

Vierdtes Blatt 1727. den 22. May
Die im dritten Blatt begonnene Geschichte findet im Akt des männlichen Erbarmens über die ungetreue Ehefrau ihren krönenden und versöhnlichen Abschluss. In der daran sich anschließenden Aussprache unterstreicht Euphrosyne gegenüber Biedermann allerdings ihre Vorstellungen von unbedingter ehelicher Treue der Frau.

Fünfftes Blatt 1727. den 29. May
Sophroniscus hat zwei Söhne, Philaletes und Euphrastus. Diese beiden Kinder werden, entsprechend ihren sehr unterschiedlichen Anlagen und Neigungen, von den Eltern - insbesondere vom Vater - gefördert und gefordert. Biedermann schildert und lobt die dabei angewandten erzieherischen Grundsätze.

Sechstes Blatt 1727. den 9. Junii
Das schon im fünften Blatt angeschnittene Thema der Jungenerziehung wird hier weitergeführt. Am Beispiel des Aristides, dem Hauslehrer von Philaletes und Euphrastus, widmet sich diese Ausgabe ganz den erforderlichen Tugenden und Fähigkeiten eines aufgeklärten Pädagogen.

Siebendes Blatt 1727. den 16. Junii
Mit einem Blick auf die Erziehung der beiden Töchter des Sophroniscus, nämlich Sophonisbe und Aretine, schließt der Herausgeber seine Überlegungen zur Pädagogik ab. Auch die Töchter sind, ähnlich den beiden Söhnen, grundverschieden und werden ihrem Naturell entsprechend (von der Mutter) erzogen. Eine große Rolle spielt hierbei der Einfluß von Büchern, so dass Biedermann in diesem Zusammenhang eine Reihe von Leseempfehlungen für Mädchen ausspricht.

Achtes Blatt 1727. den 23. Junii
Der Herausgeber druckt eine Leserzuschrift in vollem Wortlaut ab, in welcher ein gewisser Gotthold Redlich um die Freundschaft und Liebe Biedermanns wirbt. Als Beweis dafür, dass er dieser Freundschaft würdig sei, entwirft Redlich von sich ein moralisches Porträt, das den ungeteilten Beifall Biedermanns findet.

Neuntes Blatt 1727. den 30. Junii
Die im achten Blatt eher beiläufig aufgeworfene Frage, auf welche Weise dem Menschen Vergnügen und Glückseligkeit zu finden möglich sei, unterzieht Biedermann hier einer systematischen Betrachtung. Der Weg zur Glückseligkeit führt demnach nur über das Vergnügen an Vollkommenheit, nämlich menschlicher, natürlicher und - als höchster Stufe - göttlicher Vollkommenheit.

Zehntes Blatt 1727. den 7. Julii
Der Herausgeber erzählt die Geschichte des Bürgermädchens Charlotte, in die sich der Prinz verliebt, in dessen Residenz sie sich aufhält. Da der Standesunterschied eine ehrliche Heirat jedoch nicht zuläßt, widersteht das Mädchen tugendhaft allen Anträgen und Annäherungsversuchen des jungen adligen Liebhabers.

Zwölfftes Blatt 1727. den 21. Julii
Fortsetzung der im zehnten Blatt begonnenen Geschichte: Die Zudringlichkeiten des Prinzen steigern sich, ohne dass dies an Charlottes Haltung etwas ändern würde. Kurz vor einem möglicherweise tragischen Ausgang der Geschichte flieht das Mädchen aufs Land und heiratet glücklich einen ehemaligen Bediensteten des Prinzen, der von Charlottes Tugendhaftigkeit beeindruckt ist.


     
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