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      Abraham Gotthelf Kästner
geb. 27.9.1719 Leipzig
gest. 20.6.1800 Göttingen

Biographie

Kästner wurde 1719 in Leipzig als Sohn eines Professors der Juristischen Fakultät an der Leipziger Universität geboren. In dem selbst für damalige Begriffe frühen Alter von 12 Jahren wurde Kästner an der Juristischen Fakultät immatrikuliert und konnte sich schon zwei Jahre später zu den Notaren zählen. Dank seiner außergewöhnlichen Auffassungsgabe, großem Studienfleiß und Liebe zur Wissenschaft trat er weitere zwei Jahre später, also 1735, als Baccalaureus der Philosophie in Erscheinung, und schon 1737 hatte er den Rang eines Magisters der Philosophie. Er interessierte sich frühzeitig für Physik, Chemie, Botanik, Medizin, Philosophie, Geschichte und Literatur. 1736 veröffentlichte er seine erste Schrift: "De theoria radicum in aequationibus" (über mathematische Gleichungswurzeln), mit der er sich 1739 habilitierte. Im Jahre 1741 finden wir ihn als Mitglied der Deutschen Gesellschaft Leipzig verzeichnet. Zu dieser Zeit hatte er auch schon einen Namen in der deutschen Wissenschaft.

1746 wurde er zum außerordentlichen Professor der Mathematik in Leipzig ernannt. Er las über Mathematik, Logik und Naturrecht; 1746-48 besuchte Lessing sein Colloquium über philosophische Streitfragen; Lessing hielt ihn trotz mancher Differenzen für einen genialen Menschen. 1743 veröffentlichte Kästner "Aequationium speciosarum resolutio Newtoniana per series", eine Abhandlung, die er später in seine "Anfangsgründe der Analysis endlicher Größen" einfügte. Daneben übersetzte er zahlreiche Schriften aus den Bereichen der Philosophie, Literatur und Physik ins Deutsche. Verdienstvoll ist seine "Geschichte der Mathematik" (4 Bde., 1796-1800). Er hätte die außerordentliche Professur in Leipzig gewiss länger als nur bis 1756 bekleidet, wenn nicht wirtschaftliche Not die Veranlassung für eine Übersiedlung nach Göttingen gegeben hätte. Er wirkte in Göttingen noch nahezu ein halbes Jahrhundert und starb im Range eines Hofrats als Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Akademien im Jahre 1800.

Zu den zahlreichen Professoren der Universität, denen Kästner seine Ausbildung verdankte, gehörte auch Gottsched selbst. Der junge Kästner war offenkundig von Gottscheds Standpunkt sehr eingenommen, Vernunft und Regelmäßigkeit von der Dichtung zu fordern. Der scharfe Verstand Kästners trat auch sofort für Gottsched ein, als es galt, die "Schweizer" (Bodmer und Breitinger) zu bekämpfen. Kästner begann eine rege Mitarbeit an den periodischen Organen Gottscheds. Kästner hatte sich als Verfasser philosophischer Abhandlungen, ferner naturwissenschaftlicher, ästhetischer und historischer Aufsätze, die ab 1741 in der von J.J.Schwabe geleiteten Zeitschrift "Belustigungen des Verstandes und Witzes" erschienen, weitgehend hervorgetan. Später, in den 50er Jahren, nahm Kästner an der Arbeit der "Gesellschaft der freyen Künste" in Leipzig, Gottscheds Altersgründung, teil. Es ist wohl nur aus der wissenschaftlichen Vielseitigkeit und bemerkenswerten Regsamkeit Kästners zu erklären, dass er nebenher an den "Göttingischen Gelehrten Anzeigen" und der "Allgemeinen Deutschen Bibliothek" mitarbeitete. Auch der "Vertrauten Rednergesellschaft" Gottscheds gehörte Kästner bald an. Dann trat in den 40er Jahren eine vorübergehende Entfremdung zwischen den beiden Gelehrten ein, als Kästner sich Gottscheds negativem Urteil über Albrecht Haller nicht anschließen konnte. Kästner schätzte Haller sehr und betrachtete ihn als seinen Lieblingsdichter. Aber schon 1756 scheinen die Differenzen in Vergessenheit geraten zu sein; beide befinden sich wieder in freundschaftlichem Briefwechsel. Nach Gottscheds Tod (1766) war Kästner der erste "Gottschedianer", der in der Öffentlichkeit das Wort nahm zu einer breit angelegten Rechtfertigung des Lehrmeisters.

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