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Gotthold Ephraim Lessing
geb. 22. Januar 1729 Kamenz (Sachsen)
gest. 15. Februar 1781 Braunschweig
Biographie
Gotthold Ephraim Lessing, ältester Sohn einer nicht sehr begüterten Pfarrersfamilie in der Kleinstadt Kamenz in der sächsischen Lausitz, ist der bedeutendste Autor der Literatur der deutschen Aufklärung. Man hat ihn, der als einer der ersten versucht hat, sich ohne Rückhalt eines Amtes oder Förderung durch einen Gönner als freier Schriftsteller durchzuschlagen, einen »aufklärerischen Schriftsteller par excellence« genannt. Doch ist diese Kennzeichnung nur dann zutreffend, wenn man darunter weit mehr versteht als nur den poetischen Dichter. Lessing war Autor von Tragödien, Komödien, Fabeln und Gedichten; er war Kritiker und Literaturtheoretiker, Philologe und Literaturhistoriker in Antike und Mittelalter; er war Kunstgeschichtler und Kirchenhistoriker, theologischer und philosophischer Denker.
Sein literarisches Werk reicht von den Fabeln (1759), in denen eine praktische Moral verrnittelt wird (Der Affe und der Fuchs; Das Roß und der Stier) über das zeitübliche Typenlustspiel Der junge Gelehrte (1754), in dem ein lächerliches Verhalten wie der Gelehrtendünkel bloßgestellt wird, das erste bürgerliche Trauerspiel Miß Sara Sampson (1755), in dem durch »Furcht und Mitleid« im Gegensatz zur heroischen (französischen) Tragödie der Zuschauer zum mitfühlenden Betrachter gemacht werden soll, das Charakterlustspiel Minna von Barnhelm (1767), das Gefühl und verabsolutiertes soziales Gesetz (»Ehre«) kontrastierend gegeneinander stellt, und der Tragödie um Ehre und Moral Emilia Galotti (1772) bis zur dichterischen Gestaltung des Toleranzideals im »dramatischen Gedicht« Nathan der Weise (1779), einem weltanschaulichen Ideendrama, das mit seiner konkreten Utopie des Humanitätsideals unmittelbar die Literatur der Klassik vorbereitet. Mit Lessings großen Dramen beginnt das neuere deutsche Drama; noch heute sind sie vielgespielte Stücke.
Unter den ästhetischen Schriften sind die Briefe, die neueste Literatur betreffend (1759-1765), Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie (1766) sowie die Hamburgische Dramaturgie (1767-1769) die wichtigsten. Dort bereitet Lessing die Shakespeare-Rezeption durch den Sturm und Drang vor, stellt das »Genie« des englischen Dramatikers den »Regeln« der klassizistischen französischen Tragödien gegenüber; dort legt er in einer systematischen ästhetischen Untersuchung den Unterschied zwischen Literatur und bildender Kunst dar; dort formuliert er, ausgehend von einzelnen Inszenierungen, eine Poetik des Dramas, in der Grundeinsichten über das Wesen von Tragödie und Komödie wie über ihre Wirkungsweise formuliert sind.
Der Journalist Lessing hat vor allem in den frühen Berliner Jahren in seinen Buchkritiken eine breite Vielfalt des thematischen Interesses gezeigt. Er war immer ein unbestechlicher, zuweilen polemischer, immer klar und schlagkräftig formulierender Kritiker.
Dieser unbequeme Autor hat in seinen theologischen Schriften den Kampf gegen die protestantische Orthodoxie geführt (Anti-Goeze, 1778) und dabei im Umgang mit der christlichen Offenbarung den Sinn für die geschichtliche Bestimmung des Menschen schulen helfen: Seine eigenwillige Verknüpfung der Philosophie Spinozas mit der von Leibniz bereitet auch auf dem Feld der Moralphilosophie die deutsche Klassik vor.
Zeittafel:
| 1729 | 22. Januar Geburt in Kamenz/Sachsen. Vater: Johann Gottfried Lessing, Pfarrer. Mutter: Justine Salome Lessing, geb. Feller. |
| 1741 | Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen. |
| 1744 | Privatlektüre von Homer, Plautus, Terenz, Theophrast. |
| 1746 | Studium der Theologie und Philologie in Leipzig. |
| 1747 | Erste Gedichte und Erzählungen in den von Christlob Mylius herausgegebenen Zeitschriften »Naturforscher« und »Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüts«. Freundschaft mit Christian Felix Weiße. |
| 1748 | Kurzes Medizinstudium in Leipzig; dann in Wittenberg. Entschluss, freier Schriftsteller zu werden. Übersiedlung nach Berlin. Kritiken in der »Berlinischen Privilegierten Zeitung« (bis 1755). |
| 1749 | Die alte Jungfer. |
| 1750 | Gedanken über die Herrnhuter. Bekanntschaft mit Voltaire. |
| 1751 | Übersiedlung nach Wittenberg. Kleinigkeiten (Gedichtsammlung). |
| 1752 | Magisterexamen. Rückkehr nach Berlin. Bekanntschaft mit Karl Wilhelm Ramler. Übersetzung Voltaires und Friedrichs des Großen. |
| 1753 | Schriften (Teil 1 und 2). |
| 1754 | Vademecum für den Herrn Samuel Gotthold Lange, Pastor in Laublingen. Schriften (Teil 3 und 4). Theatralische Bibliothek (Teil 1 und 2). Freundschaft mit Moses Mendelssohn und Christoph Friedrich Nicolai. |
| 1755 | Besuche in Potsdam und Frankfurt a.d. Oder. Übersiedlung nach Leipzig. Freundschaft mit Ewald von Kleist. Schriften (Teil 5 und 6). Theatralische Bibliothek (Teil 3). Pope, ein Metaphysiker (zusammen mit Moses Mendelssohn). Miß Sara Sampson. |
| 1756 | Besuch in Dresden. Reise mit Johann Gottfried Winkler nach England. Abbruch wegen Kriegsausbruchs in Amsterdam. Zusammentreffen mit Johann Wilhelm Gleim in Halberstadt. Besuch der Bibliothek Wolfenbüttel. Begegnung mit Klopstock und dem Schauspieler Konrad Ekhof in Hamburg. |
| 1758 | Übersiedlung nach Berlin. Bekanntschaft mit General von Tauentzien. |
| 1759 | Briefe, die neueste Literatur betreffend (bis 1765). Fabeln. Philotas. |
| 1760 | Wahl zum auswärtigen Mitglied der Berliner Akademie der Wlssenschaften. Sekretär des Generals von Tauentzien in Breslau. |
| 1764 | Schwere Erkrankung. |
| 1765 | Rückkehr nach Berlin. |
| 1766 | Reise nach Pyrmont. Bekanntschaft mit Justus Möser. Besuch in Göttingen und Kassel. Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie. |
| 1767 | Dramaturg in Hamburg. Minna von Barnhelm. Hamburgische Dramaturgie (Band 1). Kontakte zu Ekhof, Friedrich Ludwig Schröder, Philipp Emanuel Bach und dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze. Verkehr in den Familien Reimarus und König. Treffen mit Klopstock. |
| 1768 | Briefe antiquarischen Inhalts (Band 1). Wie die Alten den Tod gebildet. |
| 1769 | Briefe antiquarischen Inhalts (Band 2). Hamburgische Dramaturgie (Band 2). |
| 1770 | Bibliothekar in Wolfenbüttel. Freundschaft mit Johann Arnold Ebert und Johann Joachim Eschenburg. |
| 1771 | Verlobung mit Eva König. Mitglied der Hamburger Loge zu den drei Rosen. |
| 1772 | Emilia Galotti. |
| 1774 | Herausgabe der Fragmente eines Ungenannten von Reimarus (bis 1778). |
| 1775 | Reise nach Leipzig, Berlin, Dresden, Wien. Audienz bei Kaiser Joseph II. Zusammentreffen mit Eva König. Weiterreise nach Italien als Begleiter des Prinzen Leopold von Braunschweig. |
| 1776 | Verleihung des Hofratstitels. Heirat mit Eva König. |
| 1777 | Reise nach Mannheim. Ablehnung, das dortige Theater zu leiten. Geburt eines Sohnes, der jedoch unmittelbar nach der Geburt stirbt. |
| 1778 | Tod der Gattin. Anti-Goeze. Ernst und Falk (Teil 1). |
| 1779 | Nathan der Weise. |
| 1780 | Ernst und Falk (Teil 2). Die Erziehung des Menschengeschlechts. Doktor Faust. Zusammentreffen mit Friedrich Heinrich Jacobi. Besuch Gleims in Halberstadt. |
| 1781 | 15. Februar Tod in Braunschweig. Begräbnis auf dem Friedhof der dortigen Gemeinde St. Magni. |
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