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      Georg Christoph Lichtenberg
geb. 1. Juli 1742 Oberramstadt bei Darmstadt
gest. 24. Februar 1799 Göttingen

Biographie
Georg Christoph Lichtenberg, jüngstes von achtzehn Kindern einer Pfarrersfamilie aus dem hessischen Oberramstadt, Physikprofessor an der Universität Göttingen, zeitlebens unter seinem Buckel leidend, ist als Verfasser geistreicher und tiefsinniger Aphorismen von größter sprachlicher Prägnanz bekannt. Die Zeitgenossen sahen in ihm den Naturwissenschaftler, nach dem die »Lichtenbergschen Figuren«, ein elektrostatisches Phänomen, benannt sind und der daneben in verschiedenen Zeitschriften sowohl naturwissenschaftliche und populärphilosophische wie satirische und polemische Abhandlungen über Gegenstände des Alltags veröffentlichte.

Ganz der Aufklärung verpflichtet, richtet er sich in den populärwissenschaftlichen Aufsätzen gegen religiöse Intoleranz und Schwärmerei, gegen Aberglaube und Dogmatismus; in der literarischen Diskussion seiner Zeit ergriff er Partei gegen den übertriebenen Genie-Kult des Sturm und Drang. Die literarische Produktion Lichtenbergs auf diesem Feld ist umfangreich. Seine Aufsätze erschienen vor allem in dem von ihm zwischen 1777 und 1799 redigierten »Göttinger Taschen-Kalender« sowie in dem mit Johann Georg Forster, dem ebenfalls literarisch tätigen Naturforscher, herausgegebenen »Göttingischen Magazin der Wissenschaften und Literatur« (1780-1785) und reichten thematisch von der Astronomie bis zur Physiognomik, von der Geschichte bis zur Staatenkunde, von der Literatur- und Kulturkritik bis zur Philosophie.

Lichtenbergs bedeutendstes Werk aber sind die, wie er sie selbst nannte, Sudelbücher, eine Anzahl von Notizheftchen und Schreibbüchern, in die er von 1765 bis zu seinem Tod unermüdlich Einfälle und Überlegungen, Themen und Fragmente, Bausteine für eigene geplante Werke und Zitate aus fremden Werken notierte. Hier finden sich jene Aphorismen, die Lichtenberg zum ersten großen Meister dieser literarischen Gattung in Deutschland gemacht haben. Charakteristisch für diese Denk- und Schreibform ist die Schärfe der Beobachtung, die Strenge des Gedankens und die Präzision der Formulierung. Der Aphorismus, der in dieser Ausprägung vorher in der deutschen Literatur nicht existierte, hat die aufklärerische, oft selbstkritische Wahrheits-Besessenheit zur Voraussetzung: Menschliches Leben in all seinen Außerungen und das eigene Ich werden unter dem Gesichtspunkt radikaler Ehrlichkeit beobachtet und analysiert.

Zeittafel:

17421.Juli Geburt in Oberramstadt bei Darmstadt. Vater: Johann Conrad Lichtenberg, Pfarrer. Mutter: Henrike Catherine Lichtenberg, geb. Eckhard.
1745Umzug nach Darmstadt.
1749Ernennung des Vaters zum Superintendenten.
1751Tod des Vaters
1752Besuch des Darmstädter Pädagogiums unter Christoph Martin Wenck.
1763Immatrikulation an der Georgia-Augusta-Universität in Göttingen. Studium der Mathematik. Astronomie, Naturgeschichte.
1764Tod der Mutter.
1766Von dem Nutzen, den die Mathematik einem Bel Esprit bringen kann im »Hannöverischen Magazin«.
1767Vorläufige Ernennung zum Professor der Mathematik und öffentlichen Lehrer der englischen Sprache in Gießen. Präzeptor englischer Studenten in Göttingen.
1770Englandreise. Professor für Philosophie in Göttingen.
1771Reise nach Gotha.
1772Reisen zur astronomischen Ortsbestimmung von Hannover, Osnabrück und Stade im Auftrag des englischen Königs.
1773Timorus. Seereise nach Helgoland.
1774Ernennung zum Mitglied der Göttinger Sozietät der Wlssenschaften. Zweite Englandreise.
1775Aufenthalt und Reisen in England. Ernennung zum ordentlichen Professor.
1776Wiederaufnahme der Vorlesungen.
1777Entdeckung der sogenannten Lichtenbergschen Figuren. Begegnung mit dem Blumenmädchen Maria Dorothea Stechard. Auseinandersetzung mit Johann Kaspar Lavater: Über Physiognomik; wider die Physiognomen. Herausgeber des »Göttinger Taschen-Kalenders«.
1778Untersuchung der Luftelektrizität mit Hilfe von Drachen.
1780Mit Johann Georg Forster Herausgeber des »Göttingischen Magazins der Wissenschaften und Literatur« (bis 1785). Errichtung des ersten Blitzableiters in Göttingen.
1781Beginn der Auseinandersetzung mit Johann Heinrich Voß.
1782Tod von Maria Dorothea Stechard.
1783Bekanntschaft mit Margarethe Kellner. Erste krankhafte Zustände.
1785Scheitern der Pläne zu einer italienischen Reise mit Jöns Mattias Ljungberg.
1786Geburt des Sohnes Georg Christoph Eckard.
1788Ernennung zum Hofrat.
1789Geburt der Tochter Luise Wilhelmine. Beginn der Krankheit. Eheschließung mit Margarethe Kellner.
1791Geburt des Sohnes Christian Wilhelm.
1793Geburt der Tochter Agnes Wilhelmine.
1794Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche (5 Bände bis 1799).
1795Ablehnung einer Berufung an die Universität Leiden. Geburt der Tochter Auguste Friederike.
1797Geburt des Sohnes Henri.
179924. Februar Tod in Göttingen. Begräbnis auf dem dortigen Bartholomäus-Friedhof.
1800Vermischte Schriften (9 Bände bis 1806).

Werke im Original

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