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Justus Möser
geb. 14.12.1720 Osnabrück gest. 8.1.1794 ebenda Biographie Möser entstammte einer der führenden bürgerlichen Familien der Stadt Osnabrück. Schon früh entwickelte er literarische und philosophische Interessen und studierte in Jena und Göttingen Jura. Obwohl er sein Studium mit keinem Examen abschloss, erhielt er 1744 mit Hilfe seines Vaters das Amt eines Sekretärs der Ritterschaft in Osnabrück, 1756 wurde er deren Syndikus. Damit begann sein Einfluss auf das Fürstbistum Osnabrück, in dem der Absolutismus schwach ausgeprägt, das Bürgertum fast machtlos und der Adel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bestimmend war. Bereits 1747 war er nach der Eheschließung mit der Tochter einer angesehenen alteingesessenen Familie zum Advocatus Patriae, zum Vertreter des Landesherren in Rechtsstreitigkeiten, ernannt worden. 1762 wurde er Rat und Justitiar am Kriminalgericht (bis 1768), 1764 Konsulent ohne Stimmrecht bei den Regierungsräten, 1768 Regierungsreferendar, 1783 Geh. Referendar und Geheimer Justizrat. Seit ca. 1765 war Möser de facto Leiter der Verwaltung und einflussreichster Berater der Regierungsräte, die bis 1783 die Regierung für den minderjährigen Fürstbischof von Osnabrück, den englischen Prinzen Friedrich, Herzog von York, führten. Gleichzeitig behielt Möser die leitende Funktion als Syndikus der Ritterschaft. Da das Domkapitel während der Minderjährigkeitsregierung den Ständeversammlungen fernblieb und die Stadt Osnabrück dort wenig Einfluss ausübte, beriet Möser die maßgebenden Entscheidungsträger des kleinen Staates, nämlich die bischöfliche Regierung einerseits und den politisch aktivsten Stand, die Ritterschaft, andererseits. Möser nutzte seinen Einfluss auf die gegeneinander wirkenden Kräfte zur Vermittlung und effektiven Arbeit. Als besondere Aufgabe stand der geistige und materielle Wiederaufbau nach den Verwüstungen des Siebenjährigen Krieges an. Mösers Theorien über Staat und Gesellschaft, seine Geschichtsdeutung und Lebensphilosophie, haben ihre Wurzeln in seinen vielseitigen Erfahrungen und in seinem Wirken als Staatsmann. In seinen Schriften verfolgte er erzieherische, politische und bewusstseinsändernde Ziele und lieferte Beiträge zum kritischen Geist der Aufklärung, zur Entwicklung bürgerlicher Mündigkeit und zu einer nationalen Identität. Wie nur wenige Zeitgenossen erkannte er die Bedeutung der öffentlichen Meinung und die Wirkung des gedruckten Wortes. Obwohl die schriftstellerische Tätigkeit mehr Liebhaberei als Beruf für ihn war, verfasste er zahlreiche Arbeiten, die ihn zu einem der angesehensten Autoren in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jhd. werden ließen. Mösers erste bedeutende Schrift ist die "Osnabrückische Geschichte" (1768). Die kurze Einleitung dazu, die Herder in "Von deutscher Art und Kunst" (1773) aufnahm, enthält die grundlegenden Gedanken seiner Geschichtsauffassung und Weltanschauung. Mit seiner historischen Methode bereitete Möser den "Historismus" vor, mit der Wahl seines Stoffes die Sozial- und Wirtschaftsgeschichtsschreibung. Nach seiner Auffassung sind es vor allem Wirtschaftsfaktoren, aus denen Rechtswesen, Sitten, politische Werte und Institutionen erwachsen. In den Mittelpunkt seiner Darstellung stellt er nicht Fürsten, Dynastien, Generäle und Kriege, sondern die gemeinen Landeigentümer oder Siedler, und zwar als soziale Gruppe, nicht als Individuen. Er wertet damit die staatspolitische Bedeutung der Bauern und Bürger auf, deren ursprüngliche Rechte Kaiser, Könige. Fürsten und Adlige nur usurpiert hätten. Mit dieser revolutionären Bewertung richtete Möser sich gegen absolutistische Tendenzen und außerordentliche Privilegien der Adligen; er beabsichtigte, Machthaber seiner Zeit politisch aufzuklären. Sein Gedanke einer genossenschaftlichen Selbstverwaltung wurde von späteren Staatstheoretikern ebenso aufgegriffen wie seine Kritik an der Übermacht staatlicher Apparate. An Mösers Begriff der Nation, als deren Grundpfeiler er die freien Landeigentümer sah, knüpfte das entstehende Nationalgefühl in Deutschland an; Herder nannte die "Osnabrückische Geschichte" die "erste deutsche Geschichte mit deutschem Kopf und Herzen". Die Schrift, die Möser in ganz Deutschland als Publizisten und Essayisten bekannt machte, sind die "Patriotischen Phantasien" (4 Bände, 1774-86). Lebendig, bildhaft und doch präzise, gehören sie zu den Glanzstücken deutscher Prosa. Möser geht darin jeweils von einer konkreten Zustandsbeschreibung aus, bevor er das Ideal der Familie, der Sitten, der Obrigkeit zeichnet. Diese Sammlung enthält hauptsächlich seine Beiträge für den von ihm 1766 gegründeten "Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeiger", den Goethe pries und Herder "das vollkommenste Deutsche Nationalblatt" nannte. Die Aufsätze entstanden meist aus aktuellem Anlass und enthielten Lösungsvorschläge zu konkreten Problemen. Sie sollten den Bürgern und Bauern zu mehr Selbstachtung und gesellschaftlicher Hochschätzung, zu mehr Rechten und zur Verbesserung ihrer Lebensumstände verhelfen. Zugleich erinnerte Möser die Regenten und den Adel an ihre politische Verantwortung. Sie sollten Staatsbürger werden, indem sie das Interesse des ganzen Staatswesens über Standesinteressen stellten. Ihre Hauptaufgabe müsse die Sorge um das Wohl der steuerzahlenden Bauern werden; sie müssten sich aber auch um Handel und Gewerbe kümmern, um den neuzeitlichen Forderungen gerecht zu werden. "Hariequin, oder die Vertheidigung des Groteske-Komischen" (1761) - positiv besprochen von Lessing - und "Über die deutsche Sprache und Litteratur" (1781) - eine der besten Entgegnungen auf den Angriff Friedrichs des Großen auf die deutsche Literatur ("De la littérature allemande") - sind Mösers bekannteste Schriften zu diesem Gegenstand. Er setzt sich in ihnen mit der verbreiteten Orientierung an Frankreich auseinander und zeigt in der Schrift von 1781 die Eigenständigkeit der deutschen Literatur auf. Im "Harlequin" verteidigt er eine sehr deutsche Figur, die in der Literatur nicht fehlen dürfe. Möser unterstreicht neben den kommunikativen und ästhetischen Funktionen von Literatur deren politische und moralische Bedeutung für das Selbstverständnis einer Nation: Nationale Identität brauche ein nationales Schrifttum und eine in der Muttersprache verfasste Geschichtsschreibung. Wenn Möser auch den zeitgenössischen Sozial- und Machtstrukturen gegenüber kritisch war, so konnte er sie in seiner Position nicht umstoßen, sondern nur in einzelnen Punkten reformieren; z.B. vertrat er die Ansicht, dass aus den eigenhörigen Bauern Erbpächter werden sollten, eine These, die er auch in einem einzelnen Fall demonstrierte. Ideologisch extreme Forderungen der Aufklärung - Gleichheit, sofortige Aufhebung der Leibeigenschaft, Materialismus, Deismus, Atheismus - lehnte er ebenso ab wie die Machtkonzentration des Absolutismus. Obwohl Möser viele Forderungen der Aufklärung kritisierte, kann man ihn doch dieser Geistesrichtung zurechnen, und zwar als Vertreter einer "ständischen Aufklärung" oder einer "konservativen Aufklärung". Mit seiner Staats- und Gesellschaftstheorie, die eine organische Entwicklung an Stelle einer Revolution und Staatsbürger an Stelle von Standesvertretern vorsah, wies Möser einen Weg zur Überwindung des Feudalismus, ohne sich den naturrechtlichen Theorien oder dem Absolutismus anzuschließen. Die Französische Revolution und Napoleon, der Nationalismus und die zunehmende Industrialisierung unter kapitalistischen Bedingungen hatten jedoch Auswirkungen auf Deutschland, die Mösers Staats- und Gesellschaftsauffassung überholten. Werke im Original
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