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Gottlieb Konrad Pfeffel
geb. 28.6.1736 Colmar gest. 1.5.1809 ebenda Biographie Gottlieb Konrad Pfeffel wurde in Colmar (Elsass) geboren. Erziehung und Ausbildung waren von Beginn an auf die diplomatische Laufbahn hin angelegt. Das entsprach der Familientradition; der aus der Markgrafschaft Baden stammende Vater hatte durch juristischen Sachverstand die Gunst der Minister Ludwigs XV. von Frankreich erworben, war als Rechtskonsulent im auswärtigen Departement der französischen Krone in Versailles gewesen und hatte sich danach in Colmar, dem Sitz des Conseil Souverain, der obersten Rechtsbehörde des Elsass, zur Ruhe gesetzt. Der ältere Bruder, Christian Friedrich Pfeffel (1726-1807), folgte den Spuren des Vaters und wurde zum renommierten Staatsrechtler, den man gleichfalls in die Regierung in Versailles zu ziehen wusste. Er war es, der stellvertretend für den sehr früh, 1738, gestorbenen Vater über die Studien des Jüngeren wachte und dafür sorgte, dass dieser nach der humanistischen Studienzeit am Colmarer Gymnasium mit fünfzehn Jahren 1751die Universität Halle bezog, um dort gleichfalls vor allem öffentliches Recht und Staatsrecht zu studieren. Noch als er Student war, stellte sich beim jungen Pfeffel eine Trübung der Augenlinsen ein. Die letzte von verschiedenen Operationen, nach dem Abbruch der Studien in Halle 1758 in Straßburg vorgenommen, führte zur fast völligen Erblindung. Trotz dieser gravierenden Behinderung verband sich mit dem Namen Pfeffels für seine Zeitgenossen die Vorstellung eines rastlos Tätigen, der sich schreibend in pädagogischer, literarischer, auch politischer Hinsicht engagierte. Er gründete z.B. 1773 die Ecole Militaire, eine protestantische Erziehungsanstalt, die bald europäischen Ruf erlangte. Nachdem diese Anstalt im Gefolge der Französischen Revolution zugrunde gegangen war, ernannte ihn Napoleon 1803 zum Präsidenten eines in Colmar neu errichteten evangelischen Konsistoriums. Neben der Übertragung von wissenschaftlichen Werken, die am Anfang stand, befasste sich Pfeffel auch schon mit der Übersetzung schöngeistiger Schriften aus dem und in das Französische. Die Dichtkunst lag in den ersten dreieinhalb Jahrzehnten nach seiner Erblindung, zwischen 1755 und 1790 also, eher am Rand der Tätigkeitsfelder Pfeffels. Vor 1754 allerdings hatte er schon Kontakte mit Christian Fürchtegott Gellert geknüpft, dessen Fabeln ihn sehr beeindruckten. Die nach 1790 rasch folgenden Publikationen in Almanachen und Zeitschriften waren durch materielle Not verursacht. Pfeffel hatte in der Revolution den größten Teil seines ererbten Vermögens verloren. Er musste daran denken, durch literarische Lohnarbeit seine Familie zu versorgen, und wählte dazu jenes Feld, in dem er sich wie wenige deutsche Literaten auskannte: die Vermittlung aktueller französischer Literatur an das deutsche Lesepublikum. Eigene moralische Erzählungen und kurze Briefromane vor dem Hintergrund der Revolutionswirren folgten. Schließlich sammelte sein Verleger Cotta dieses alles in den zehnbändigen Prosaischen Versuchen (1810-12), als Gegenstück zu den vorausgegangenen 10 Bänden der Poetischen Versuche (1802-10). So lag in 20 Bänden ein eindrucksvolles Gesamtwerk vor. Kurz vor seinem Tod am l. Mai 1809 erfuhr Pfeffel noch außergewöhnliche Ehrungen. Die Münchner Akademie der Wissenschaften unter ihrem Präsidenten Friedrich Heinrich Jacobi nahm ihn als Ehrenmitglied auf. Der bayrische Kronprinz entsandte sogar einen Bildhauer nach Colmar, damit Pfeffel ihm für eine Kolossalbüste Modell stehe, die neben klassischen Schriftstellern Deutschlands ihren Platz im königlichen Museum finden sollte. Auch wenn Pfeffels Nachruhm und Wirkung diesem an ihn herangetragenen Anspruch nicht gerecht werden konnten - den Ruf eines rastlos wirkenden Schriftstellers und eines aufrechten Charakters muss man ihm lassen. Werke im Original
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