Zur Seite Deutsche Literatur       Mittelalter
     
Startseite
Mittelalter
Renaissance
Barock
Aufklaerung
      Johann Gottfried Schnabel
geb. 7.11.1692 Sandersdorf bei Bitterfeld
gest. 1752 Stolberg (?)

Biographie

Johann Gottfried Schnabel wurde in Sandersdorf nahe Bitterfeld geboren. Den Vater, Pfarrer Johann Georg Schnabel, und auch die Mutter Sophie, eine Tochter des Amtsvorgängers im Sandersdorfer Pfarramt, verlor er in frühen Jahren. Er wurde von Verwandten in Halle erzogen und besuchte seit 1702 die dortige Lateinschule. Ein Studium Schnabels ist nicht nachzuweisen, doch liegt die Vermutung nahe, dass er sich in Leipzig aufhielt und sich aus materieller Notlage heraus auf den Besuch privater Kollegs bei Medizinprofessoren beschränken musste. Die Erlebnisse der Romangestalt Kramer in Leipzig scheinen mit den Erfahrungen und Erlebnissen Schnabels identisch zu sein. Materielle Not mag ihn auch gezwungen haben, sich in Kriegsdienste zu begeben. 1708 bis 1712, in der Zeit des spanischen Erbfolgekrieges, nahm er als Feldscher an den Kämpfen in den Niederlanden teil und befand sich in unmittelbarer Nähe des Prinzen Eugen. In dieser Zeit führte er zum Zeichen schriftstellerischen Interesses ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse aufzeichnete. Die Zeit nach dem spanischen Erbfolgekrieg verbrachte er zunächst in einem unsteten Wanderleben im Südwesten Deutschlands. 1720 hatte er geheiratet. Das Jahr 1724 bedeutete für ihn der Schritt in ein geordnetes Leben: Er erhielt das Bürgerrecht in Stolberg, wo er sich mit seiner Frau Johanna Sophie und seinem Sohn Friedrich niederließ. Erlebnisse in den Niederlanden und in seiner Vagantenzeit in Deutschland wurden wesentliche Stoffquellen für seine "Insel Felsenburg". In Stolberg ließ er sich als Hofbarbier nieder und erhielt später Titel wie Hofagent (1737) und Hof- und Stadtchirurgus. Nach dem Tode seiner Frau (1733) widmete er sich vorwiegend dem Journalismus und der Fortsetzung des erfolgreichen ersten Bandes seiner "Insel Felsenburg". Von 1731 bis 1741 gab er die Zeitschrift "Stolbergische Sammlung neuer und merkwürdiger Weltgeschichte" heraus, die zunächst einmal, später zweimal wöchentlich erschien. Sie enthielt neben politischen und Hofnachrichten kirchliche Mitteilungen, poetische Beiträge und Informationen über "Gelehrtes". In der letzten Abteilung fanden sich Anzeigen und Rezensionen zur zeitgenössischen, vorwiegend theologischen Literatur. Aber auch juristische, medizinische Literatur und literarische Ereignisse wurden besprochen und angezeigt. Den Schriftstellernamen Gisander behielt Schnabel auch in der "Sammlung" bei. Sein Sohn Johann Friedrich, der sechzehnjährig 1737 am Russisch-Österreichischen Kriege teilnahm, berichtete für die "Sammlung" vom Kriegsgeschehen. Die Zeitschrift erschien im eigenen Verlag, dem Schnabel später das Unternehmen eines Bücherkommissionsgeschäfts hinzufügte. Dennoch scheint dieses Unternehmen nicht den gewünschten geschäftlichen Erfolg gebracht zu haben. Auch als Lotteriekollekteur hatte Schnabel kein Glück. Hinzu kam ein Zerwürfnis mit dem Stolbergischen Hof, das 1736 durch das Fehlen des gräflichen Wappens auf der Zeitschrift dokumentiert wird, die Schnabel mit gräflicher Protektion gegründet hatte. Da sich seit 1738 nur noch wenige Exemplare der "Sammlung" nachweisen lassen, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Publikation des Schnabelschen Schlüsselromans "Der im Irrgarten der Liebe herumtaumelnde Cavalier" (1738), der seinen Helden aus dem sächsischen Adel wählte, amtlich-offizielle Hemmnisse seitens des Konsistoriums und der gräflichen Regierung herbeiführte.

Neben der "Sammlung" und den beiden Romanen sind aus den dreißiger Jahren ein "Gregoriusspiel, bei Gelegenheit der Polnischen Conjunkturen" (1734) und eine Reihe von Gedichten und Epigrammen überliefert. Dennoch hat Schnabel als Lyriker keine Bedeutung erlangt. Nennenswert ist allein eine "Ode auf den Kummervollen Zustand der saltzburgischen Protestantischen Emigranten" aus dem Jahre 1732, in der er das Schicksal der 1732 von Graf Leopold Anton von Firmian, Erzbischof von Salzburg, vertriebenen Protestanten bedauert. Aus den letzten Lebensjahren Schnabels ist nichts überliefert. 1741 scheint er Stolberg verlassen zu haben und nach Nordhausen gegangen zu sein. In den vierziger Jahren ist Schnabel noch einmal als Romanautor hervorgetreten. Sein letztes Werk "Der aus dem Mond gefallene und nachhero zur Sonne des Glücks gestiegene Printz" erschien 1750. Kurz danach wird er gestorben sein.

Werke im Original

Weiteres zum Autor im WWW
     
© Wolfgang Pohl       [Deutsche Literatur] [Startseite] [Mittelalter] [Renaissance] [Barock] [Aufklärung]