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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Lyrik
DU sehr-verachter Bauren-Stand [1668]
DU sehr-verachter Bauren-Stand/
Bist doch der beste in dem Land/
Kein Mann dich gnugsam preisen kan/
Wann er dich nur recht sihet an.
Wie stünd es jutzund umb die Welt/
Hätt Adam nicht gebaut das Feld/
Mit Hacken nährt sich anfangs der/
Von dem die Fürsten kommen her.
Es ist fast alles unter dir/
Ja was die Erd nur bringt herfür/
Worvon ernähret wird das Land/
Geht dir anfänglich durch die Hand.
Der Käiser/ den uns GOtt gegeben/
Uns zu beschützen/ muß doch leben
Von deiner Hand/ auch der Soldat/
Der dir doch zufügt manchen Schad.
Fleisch zu der Speiß zeugst auff allein/
Von dir wird auch gebaut der Wein/
Dein Pflug der Erden thut so noth/
Daß sie uns gibt genugsam Brot.
Die Erde wär gantz wild durchauß/
Wann du auff ihr nicht hieltest Hauß/
Gantz traurig auff der Welt es stünd/
Wenn man kein Bauersmann mehr fünd.
Drumb bist du billich hoch zu ehrn/
Weil du uns alle thust ernehrn/
Die Natur liebt dich selber auch/
GOtt segnet deinen Bauren-Brauch.
Vom bitter-bösen Podagram
Hört man nicht/ daß an Bauren kam/
Das doch den Adel bringt in Noth/
Und manchen Reichen gar in Todt.
Der Hoffarth bist du sehr befreyt/
Absonderlich zu dieser Zeit/
Und daß sie auch nicht sey dein Herr/
So gibt dir Gott deß Creutzes mehr.
Ja der Soldaten böser Brauch/
Dient gleichwol dir zum besten auch/
Daß Hochmut dich nicht nehme ein/
Sagt er: Dein Hab und Gut ist mein.
Worterklärungen:
durchaus: überall
billig: zu Recht
Podagra: Gicht
Hoffart: Stolz, Übermut
absonderlich: insbesondere
Kreuz: Mühsal, Leid, Qual
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