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      Quirinus Kuhlmann: Lyrik

Des 17 Kühlpsalmes I. HAUPTSCHLUS.

Als er seine 21 kleine Reisen aus dem Amsterdamschen gebite, im fünfftem mahle, inner 16 Monden mit den 31 Aug und 7 Septemb. 1685. vollendet, nach 7 mahl 7 Monden 7 tagen des Fatalschlusses, und den 8 September der befehl zur Reise nach Paris vorgefallen war; gesungen zu Amsterdam den 10 Sept. 1685. gleich 16 Monden nach seinem abfahren mit dem Passagieboot von Gravesan nach dem Bril.

1. Herr Jesu Christ! Ich glaube an dein Wort,
Das du verhischst, eh du von Uns geschiden;
Ich glaub an dich und fodre deine Werke
Di du auf Erden thast, das ich si gleichfals thu!
Ich glaube fest und bitte mehr,
Das ich nun thu di Werke, di noch groesser!
Dein Vater werde recht in seinem Sohn geehrt,
Darzu er dich gesand, das wir durch dich ihn kanten!
Drum bitte ich von dir das allergroest,
Das du zubitten mir, eh ich war, anbefohlen.

2. Ich libe dich, mein Heiland, unergründt,
Und wil dein wort nach deinem worte halten!
Dein Vater ward durch dich aufs neu mein Vater,
Das seine libe mich gantz unaussprechlich zeucht!
Weil ihr in mir zum Wunder kommt,
Wi solt ich nicht den Erdkreis überwinden?
Drum foder ich di macht, di du vom Vater hast,
Das ich di Heiden weid mit deiner eisern Rutte!
Drum bitte ich selbst um den Morgenstern,
Den Lucifer verlohr am Jesuelschem Morgen!

3. Es ist geschehn, was du geordnet hast,
Du A und Z, du Anfang und du Ende!
Lass schoepffen mich auf ewig lebend Wasser
Aus deinem Wundenfünff mit nichts durch dein Verdinst!
Du überwandst und überwindst,
Was du in mit auf ewig willt ererben!
Du bist mein Herr und Gott, und ich dein neuer Sohn,
Den du so wundertheur mit deinem blutt erloeset!
Mein Herr und Gott! Dein Knechtchen sinkt zu fus,
Und gibt dir seine Kron mit einem ewig geben.


II. HAUPTSCHLUS DES HAUPTSCHLUSSES

Nachdem 49 Monden alles an ihme selbsten erfüllet vom 31 lul. 1681 bis an 31 Aug. 1685. in dem 49 monatlichem Kotterischem Friderichswunder und er nun mit dem Sonnenengel den Sententz über alle Kaiser, Koenige und Fürsten der 70 Nationen aussprach zu Amsterdam des 21 Sept. 1685.

Kommt, Sibzig, kommt! Kommt auf das Babel zu!
Di grosse Stund Zum Abendmahl ist kommen!
Fall, Oesterreich, mit deinen zehn Gestalten!
Gott gibet meinem zehn auf ewig Caesars Sonn!
Fall, Türkscher Mond! Fall, ider Stern!
Gott gibt mir euch zum ewigem besitze!
Fresst, Sibtzig Voelker, fresst nun eure Koenige!
Gott gibt euch alle mir zum Jesu Kühlmannsthume!
Ost, West, Nord, Sud ist mein zwoelfeines Reich!
Auf, Kaiser, Koenige! Gebt her Kron, hutt und Zepter!

Die Welt eine Folter der Himmelsliebe

Was bist du, schnödes Nichts, das man die Welt benennt ?
Ein Reich, da Torheit herrscht, die ihr Altäre bauet,
Ein Diamant, darein Unliebe sich aushauet,
Ein Bild, das man bei Nacht und nicht bei Tage kennt;

Ein Schloss, mit welchem noch manch Weltling sich verbrennt,
Ein teurer Perlentrank, der uns der Gruft vertrauet,
Ein Molch, den man verdeckt in Rosenkindern schauet,
Ein Schlund, in den man mehr als nach der Anfurt rennt.

Ein köstlich Marmelad, vermengt mit Colokynthen,
Ein Mondenstein, der noch nicht seinen Ursprung weist,
Ein Land der Höllischen, voll teufelreichen Finten,

Ein Lockschiff, voll Musik, bis nur der Mensch anbeißt,
Ein güldnes Gift-Napell, beschämend Anemonen:
Wer dieses Irrlicht hasst, erlangt die Liebeskronen.

Der Wechsel menschlicher Plagen

Auf Nacht, Dunst, Schlacht, Frost, Wind, See, Hitz,
Süd, Ost, West, Nord, Sonn, Feur und Plagen.
Folgt Tag, Glanz, Blut, Schnee, Still, Land, Blitz,
Wärm, Hitz, Lust, Kält, Licht, Brand und Not:
Auf Leid, Pein, Schmach, Angst, Krieg, Ach, Kreuz,
Streit, Hohn, Schmerz, Qual, Tück, Schimpf als Spott
Will Freud, Zier, Ehr, Trost, Sieg, Rat, Nutz,
Fried, Lohn, Scherz, Ruh, Glück, Glimpf stets tagen.
Der Mond, Gunst, Rauch, Gems, Fisch, Gold, Perl,
Baum, Flamm, Storch, Frosch, Lamm, Ochs und Magen
Liebt Schein, Stroh, Dampf, Berg, Flut, Glut, Schaum,
Frucht, Asch, Dach, Teich, Feld, Wies und Brot:
Der Schütz, Mensch, Fleiß, Müh, Kunst, Spiel, Schiff,
Mund, Prinz, Rach, Sorg, Geiz, Treu und Gott
Sucht's Ziel, Schlaf, Preis, Lob, Gunst, Zank, Port,
Kuss, Thron, Mord, Sarg, Geld, Hold, Danksagen.
Was gut, stark, schwer, recht, lang, groß, weiß,
Eins, ja, Luft, Feur, hoch, weit genennt,
Pflegt bös, schwach, leicht, krumm, breit, klein, schwarz,
Drei, neun, Erd, Flut, tief, nah zu meiden.
Auch Mut, Lieb, Klug, Witz, Geist, Seel, Freund,
Lust, Zier, Ruhm, Fried, Scherz, Lob muss scheiden,
Wo Furcht, Hass, Trug, Wein, Fleisch, Leib, Feind,
Weh, Schmach, Angst, Streit, Schmerz, Hohn schon rennt.
Alles wechselt, alles liebt,
Alles scheinet was zu hassen:
Wer aus diesem nach wird denken,
Muss der Menschen Weisheit fassen.


     
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