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      Quirinus Kuhlmann
geb. 25.2.1651 Breslau
gest. 4.10.1689 Moskau

Biographie

Quirinus Kuhlmann war Sohn eines Breslauer Kaufmanns, verlor früh den Vater und hatte eine kränkliche Kindheit. Er besuchte das Magdalenen-Gymnasium, wo er bereits mit Veröffentlichungen hervortrat (Unsterbliche Sterblichkeit / das ist / Hundert Spielersinnliche Grabeschriften, 1668).

1670 begann er ein Jurastudium in Jena. Dieses vernachlässigte er allerdings zugunsten poetischer (und historischer) Interessen, die sich in mehreren Werken, darunter der Sonettsammlung Himmlische Libes-küsse (1671), niederschlugen. Sein Studium setzte er 1673 in Leiden fort. Dort vertiefte er sich in die Schriften Jakob Böhmes und machte die Bekanntschaft des religiösen Schwärmers Johann Rothe und seiner Anhänger.

Nachdem er 1674 die Universität verlassen hatte, begann ein ruheloses Wanderleben mit Stationen in Lübeck, England, Frankreich, der Schweiz und Holland. Er bewegte sich hierbei im Dunstkreis von Böhme-Anhängern und anderen religiös inspirierten Sektierern und fand häufig Unterstützung (auch geldliche) bei Gleichgesinnten, die seine Projekte finanzierten, so lange, bis das Geld ausging. Auch privat verlief sein Leben eher glücklos: Er ging dreimal eine Ehe bzw. eheähnliche Beziehung ein. Aus religiösem Bekehrungseifer unternahm er zwei größere Reisen, deren erste (1678/79 nach Konstantinopel) völlig erfolglos blieb (Kuhlmann hatte den Sultan bekehren wollen).

Als Kuhlmann mit seiner Russlandreise 1689 den zweiten und letzten Versuch machte, für seine »Kühlmonarchie« zu werben, wurde er in Moskau auf Veranlassung der dortigen deutschen lutherischen Geistlichkeit verhaftet und schließlich wegen Ketzerei, Verschwörung und Gotteslästerung zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt:

»Man hat ihn aber zuvorher im gefängnuß auff das allergrausamste gepeiniget ... Worauff sie ihn in etwas wieder genesen lassen / und hernach auff einen grossen Platz der stadt geführet, da sie ihn in einem dazu gemachten häußlein ... lebendig verbrant« (aus einer zeitgenössischen Ketzerchronik).

Im Kühlpsalter (1684-1686, erste Teilveröffentlichung 1677) interpretiert Kuhlmann sein Leben in herausfordernder, ja größenwahnsinniger Weise. Das Werk ist als heiliges Buch entworfen, als dritter Teil der Bibel nach Altem und Neuen Testament; der Verfasser versteht sich als Prophet. Er begründet hier seine Berufung und seine Auserwähltheit mit Denkfiguren, die er Böhme und den Weltuntergangs- Bewegungen seiner Zeit entlehnt hat; er sieht sich als den schon von Böhme erwarteten Jüngling, der den Antichrist stürzen und zum Tausendjährigen Reich überleiten werde. Trotz expressiven und ekstatischen Stils einiger Gedichte zeichnen sie sich durch Beachtung strenger formaler und rationaler Regelhaftigkeit aus.

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