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      Daniel Caspar von Lohenstein: Lyrik

Umschrift eines Sarges

Irdisches und sterblich Volk, lebend-tote Erdengäste,
Ihr Verwürflinge des Himmels, ihr Gespenste dieser Welt,
Denen nichts als falsche Ware, nichts als Rauch und Wind gefällt,
Närr'sche, klettert und besteigt die bepalmten Ehren-Äste,

Setzt euch Säulen von Porphyr, mauert euch aus Gold Paläste,
Festigt Tempel euch aus Marmel, der die Zeit die Waage hält,
Rafft zu euch mit gicht'gen Klauen den verdammten Klumpen Geld,
Macht euch euer stolzes Lob durch gelehrte Schriften feste.

Aber wißt, wann das Verhängnüs euer Lebensgarn reißt ab,
Schwindet Wissenschaft und Kunst, Schätze, Reichtum, Ehr und Titel,
Und ihr nehmet nichts mit euch als den nackten Sterbekittel:

Wo ihr anders aus dem allen noch erschwitzet Sarg und Grab.
Tausend, tausend sind gewest, die mich nicht erlangt noch haben,
Die die Lüfte, die die Glut, die der blaue Schaum begraben.

Aufschrift eines Labyrinths

Wie irrt ihr Sterblichen, die ihr den Irrbau seht
Für einen Irrgang an, der euch nur soll verführen.
Ein gleicher Fußpfad scheint dem Blinden auch verdreht,
Ein Weiser aber kann die Spur hier nicht verlieren.

Der Magnet ist Schönheit

Das Meer ist unser Leben,
die Liebeswellen sind die Angst, in der wir schweben,
die Segel, wo hinein bläst der Begierden Wind,
ist der Gedanken Tuch. Verlangen, Hoffnung sind
die Anker. Der Magnet ist Schönheit. Unser Strudel
sind Bathseben. Der Wein und Überfluß die Rudel.
Der Stern, nach welchem man die steifen Segel lenkt,
ist ein benelkter Mund.

Satz der Schäfer

Wie selig sind / di den Schmaragd der Auen /
Für der Paläste Gold erwehln !
Di nicht auf's Eiß der glatten Ehrsucht bauen /
Und sich mit eig'nen Lastern quäln !
Di in den Kummer-freien Wiesen /
Umb einen Kristallinen Fluß /
Di Hürden für den Thron erkiesen /
Ein frey Gemütte für Verdruß;
Di ausser schönen Schäferinnen /
Sonst keinen Ab-gott libgewinnen.

(Aus: Cleopatra. Di vierdte Abhandlung)


     
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