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Martin Opitz: Lyrik
Ach Liebste laß uns eilen
Ach Liebste laß uns eilen
Wir haben Zeit
Es schadet uns Verweilen
Uns beiderseit.
Der Edlen Schönheit Gaben
Fliehen Fuß für Fuß:
Daß alles was wir haben
Verschwinden muß.
Der Wangen Zier verbleichet
Das Haar wird greis
Der Augen Feuer weichet
Die Brunst wird Eis.
Das Mündlein von Korallen
Wird ungestalt
Die Händ' als Schnee verfallen
Und du wirst alt.
Drumb laß uns jetzt genießen
Der Jugend Frucht
Eh' wir folgen müssen
Der Jahre Flucht.
Wo du dich selber liebest
So liebe mich
Gib mir das wann du gibest
Verlier auch ich.
Sonett
Ihr Himmel, Luft und Wind, ihr Hügel voll von Schatten,
ihr Hainen, ihr Gebüsch und du, du edler Wein,
ihr frischen Brunnen ihr, so reich an Wasser sein,
ihr Wüsten, die ihr stets müßt an der Sonnen braten,
ihr durch den weißen Tau bereiften schönen Saaten,
ihr Höhlen voller Moos, ihr aufgeritzten Stein',
ihr Felder, welche ziert der zarten Blumen Schein,
ihr Felsen, wo die Reim' am besten mir geraten -
weil ich ja Flavien, das ich noch nie tun können,
muß geben gute Nacht und gleichwohl Mut und Sinnen
sich fürchten allezeit und weichen hinter sich,
so bitt ich, Himmel, Lüft, Wind, Hügel, Hainen, Wälder,
Wein, Brunnen, Wüstenei, Saat, Höhlen, Steine, Felder
und Felsen: sagt es ihr, sagt es ihr für mich!
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