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      Johann Rist: Lyrik

Als er einsmalen bei gar schönem Wetter auf seinem Parnaß
sitzend von ganzem Herzen bekümmert war

Wie bin ich itzt auf dir so traurig, mein Parnaß ?
Das Wetter ist ja gut, es machet gleichsam lachen
Die Wiesen, welche stehn geziert mit tausend Sachen.
Dich selber schmückt ein lichtgrüner Rock von Gras.
Der Acker nah hiebei wird nicht für Hitze blass,
Der Himmel ist fein klar. Was soll ich gleichwohl machen ?
Ich fühle ja mein Herz für Angst und Trauren krachen.
Mir schmecket gar kein Brot, auch wünsch ich mir kein Glas.
Wie? schöner Elbe-Strom, dass ich auch dich muss scheuen
Wie? leichtes Feder-Volk, kannst du mich nicht erfreuen?
Ach nein! Noch Kastalis, noch das begrünte Feld,
Noch dieser schöne Fluss, den Dafnis oft gepriesen,
Noch du Parnassus selbst mit deinen bunten Wiesen
Gefallen mir. Warum? Ich hass itzt gar die Welt.


Schleswig-Holsteins Lob im Jahre 1640

O Holstein, deine Städt' und Schlösser sind gestiegen
Auf Berg und Thal herfür, da tausend andre liegen
  Mit Aschen zugedeckt. Gott gönne dir dein Glück,
  Du STADT des GLÜCKES du, der Städte Meisterstück.
Und du, o schönstes Schloss, du GOTTORF, an den Hügeln,
Das Fama hat gebracht auf seinen schnellen Flügeln
  Bis gar in Perserland, der Höchste steh' dir bei,
  Dass lauter Fried' und Ruh' in, um und auf dir sei.
Gott Lob. es stehen fest und jauchzen gleich für Freuden
Die Flecken, Schlösser, Städt', als die des Krieges Leiden
  Dießmal empfunden nicht; die Elb' ist unbeschwert,
  Wie auch der Eiderstrom, die Mancher zwar begehrt
Mit einer fremden Fluth in seine Macht zu bringen,
Dadurch dieß edle Land von HOLSTEIN zu bezwingen;
  Noch stehet Gott für uns, und sind die Flüsse frei.
  O Friede, du verknüpfst; Krieg, Krieg, du brichst entzwei.
Ihr Städte, preiset Gott, so viel in unsern Landen
Bei dieser Sicherheit und Frieden sein vorhanden.
  Du HAMBURG sonderlich, das du durch Müh' und Macht
  Den Handel bis sogar in China hast gebracht;
Und du, o neue Pracht des Flusses, der uns schicket
Von Ost- und Westen her, was unsern Leib erquicket,
  Der guten GLÜCKES STADT, erkenne diesen Schatz
  Des Friedens, der in dir und uns behält den Platz.
Sei dankbar, FRIEDRICHSTADT, du TÖNNINGEN daneben,
Bedenket, was für Ruh' euch allen ist gegeben
  Durch Gottes große Güt'. O FLENSBURG merke doch,
  Wie du entgangen bist dem schweren Krieges Joch.
O SCHLESWIG, HUSUM, KIEL, ihr Fackeln der Holsaten,
Bedenket, wie im Fried' euch Allen ist gerathen.
  Du RENDSBURG, ITZEHOE, du CREMPE, die du fest
  Von Wall und Wasser bist, Fried' ist nur allerbest.
Du altes OLDENBURG, für mehr denn tausend Jahre
Berühmt in aller Welt, Fried' ist dir wiederfahren.
  Du stilles ECKLENFÖRD' an Schwanzen, nimm in Acht
  Den Nutzen, den auch dir der Fried hat wiederbracht.
In dir, O Holstein, soll des Herrn Lob vermehren
Dein ANGELN, SCHWANZEN, STRAND; den Frieden soll verehren
  Das fruchtbar' EIDERSTEDT, das schier im Wasser lebt
  Zusammt den STAPELHOLM, wo gegenüber schwebt
DITHMARSEN, meine Lust, das ehemals mich ernähret
Und wohl gehalten hat. Hört wie euch Rist beschwöret:
  Ihr Länder, danket ja bei dieser bösen Zeit
  Dem Höchsten für eur Glück, für Fried' und Einigkeit.
Wo bleibt denn Wagerland sammt LÜBECK an der Traven,
Wo diese edle Stadt mit ihrem schönen Haven
  Sich prächtig schauen lässt? Fried' ist ihr höchstes Gut,
  Fried' ist allein die Mau'r, so sie beschirmen thut.
Stormaren kommt zuletzt, ein Ländlein auserkoren,
Und du, mein PINNENBERG, worunter ich geboren,
  In dir ist Fried' und Glück, Fried' ist am Elbestrand,
  Fried' auf den Dörfern, Fried' (hilf Herr!) durchs ganze Land.


     
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