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Kaspar Stieler: Lyrik und Geharnschte Venus
Der Haß küsset ja nicht
Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,
die quälende Seele wird einsten gesund.
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.
Die Dornen entweichen,
die Lippen verbleichen,
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt!
Ihr klagende Plagen steht jetzo von fernen,
es fliehe der ächzende, krächzende Neid!
Mein Gang ist gegründet auch über die Sternen,
ich fühle der Seligen spielende Freud.
Es flammen die Lippen,
die röslichte Klippen,
die blühen und ziehen mich lieblich an sich.
Was acht ich dich, Honig, was, Nektar-Wein, dich!
Durch dieses erwies es ihr süßes Gemüte,
sie wolle, sie solle die Meinige sein.
Nu höhn ich der Könige Zepter und Blüte,
mich nimmet der Vorrat Eufrates' nicht ein.
Kann ich sie nur haben,
was acht ich der Gaben,
der siegenden Krieger im Kapitolin,
die durch die bekränzeten Pforten einziehn!
Ich habe die Schöne mit nichten gewonnen
mit Solde von Golde, mit perlenem Wert
und scheinenden Steinen, in Bergen geronnen,
den Tyrischen Purpur hat sie nie begehrt.
Die Zeilen, die süßen,
aus Pegasus' Flüssen,
die haben ihr härtliches Herze gerührt:
Nu stehet mein Lorbeer mit Myrthen geziert.
| Titelblatt des von Kaspar Stieler 1660 unter dem Pseudonym Filidor der Dorfferer erschienenen Gedichtbands Geharnschte Venus | Text des Titelblatts |
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Die
Geharnschte Venus
oder
Liebes=Lieder im Kriege gedich=
tet mit neuen Gesang=Weisen zu
singen und zu spielen gesezzet
nebenst
ettlichen Sinnreden der
Liebe
Verfertiget
und
lustigen Gemüthern zu Gefallen
herausgegeben
von
Filidor dem Dorfferer.
HAMBURG /
Gedrukkt bey Michael Pfeiffern.
In Verlegung Christian Guht / Buchhän=
lers in Tuhra / Im Jahr 1660
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