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Dietmar von Aist: Zwei Tagelieder
- Slâfest du, friedel ziere?
- Ûf der linden obene
Slâfest du, friedel ziere?
| Mittelhochdeutsche Version
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Neuhochdeutsche Übersetzung
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"Slâfest du, friedel ziere?
man weckt uns leider schiere:
ein vogellîn sô wol getân
daz ist der linden an daz zwî gegân."
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"Schläfst du noch, mein schöner
Geliebter?
Man wird uns leider sehr bald wecken:
ein buntes Vöglein ist
bereits auf einen Lindenzweig geflogen."
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"Ich was vil sanfte entslâfen:
nu rüefestu kint Wâfen.
liep âne leit mac niht gesîn.
swaz du gebiutst,daz leiste ich, friuindin mîn."
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"Ich war sehr sanft eingeschlafen:
Jetzt rufst du Mädchen: 'O weh'.
Liebe ohne Leid kann es nicht geben.
Was du gebietest, das leiste ich, meine Geliebte."
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Diu frouwe begunde weinen.
"du rîtst und lâst mich eine.
wenne wilt du wider her zuo mir?
owê du füerst mîn fröide sament dir!"
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Die Herrin begann zu weinen.
"Du reitest fort und lässt mich allein.
Wann wirst du wieder zu mir kommen?
O weh, du nimmst meine Freude mir dir fort!"
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Ûf der linden obene
Ûf der linden obene dâ
sanc ein kleinez vogellîn.
vor dem walde wart ez lût: dô
huop sich aber daz herze mîn
an eine stat da'z ê dâ was.
ich sach die rôsebluomen stân:
die manent mich der gedanke vil die
ich hin zeiner frouwen hân.
"Es dunket mich wol tûsent jâr
daz ich an liebes arme lac.
sunder âne mîne schulde
fremdet er mich mangen tac.
sît ich bluomen niht ensach noch
hôrte kleiner vogele sanc,
sît was mir mîn fröide kurz
und ouch der jâmer alzelanc."
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