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Frauenlob:
Owê herzelîcher leide
Owê herzelîcher leide
Jâ mein ich den munt sô lôsen
Minne, kanstu vreude borgen,
Minne, wiltu solchen jâmer
Ach sold ich den apfel teilen
Übertragung ins Neuhochdeutsche:
Oweh dem Herzeleid, das ich Verliebter tragen muss. Oweh, Blick aus hellen Augen, wann wird meinem Kummer abgeholfen? Wann wird dein roter Mund mich anlachen und sprechen: »Glücklicher Mann, alles, was du willst, das soll geschehen.«
Fürwahr, ich liebe den übermütigen Mund, bei dem mein ganzer Trost liegt. Sprecht, rote Rosen, alle, dass das Rot eines Mundes den Sieg davonträgt. Besser stünde dem Munde ein lilienweißes Ja an als ein Nein, vor Jammer blau. Das Wort lässt mich jungen Mann ergrauen.
Minne, wenn du auch vorübergehend Freude geben kannst, so rechne ich dir das doch nie zu deinen Gunsten an: Wenn du einem gegen Morgen zulachst, den trifft gewiss ein heimtückischer Schlag von dir. Die Rosen deiner Freude bergen scharfe Dornen. Leid ist der Liebe von Natur aus zugesellt: Solche Frucht trägt dein Ährenfeld.
Minne, willst du solches Herzeleid mir für die Zeit meines Lebens aufbürden? Der Duft des Glücks deiner Lust kann mir nicht helfen. Dem Herrn Iwein spielte keine Frau so übel mit, dass ihm nicht die schöne Lunete geholfen hätte, bei der er freundlichen Trost fand.
O, hätte ich den Apfel zuzuteilen, den Paris der Minne gab, fürwahr, du solltest Leid erfahren, und müsste ich deswegen auch ins Grab. Pallas oder Juno müssten mir ihren Gegeneinsatz bieten: So rächte ich mein Leid an dir, das du mir hinterlassen hast.
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