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Hartmann von Aue: Manger grüezet
mich alsô
Manger grüezet mich alsô
(der gruoz tuot mich ze mâze frô),
»Hartmann, gên wir schouwen
ritterlîche frouwen.«
mac er mich mit gemache lân
und île er zuo den frowen gân!
bî frouwen triuwe ich niht vervân,
wan daz ich müede vor in stân.
Ze frowen habe ich einen sin:
als sî mir sint als bin ich in;
wand ich mac baz vertrîben
die zît mit armen wîben.
swar ich kum dâ ist ir vil,
dâ vinde ich die diu mich dâ wil;
diu ist ouch mînes herzen spil:
waz touc mir ein ze hôhez zil?
In mîner tôrheit mir geschach
daz ich zuo zeiner frowen sprach
»frow, ich hân mîne sinne
gewant an iuwer minne.«
dô wart ich twerhes an gesehen.
des wil ich, des sî iu bejehen,
mir wîp in solher mâze spehen
diu mir des niht enlânt geschehen.
Übertragung ins Neuhochdeutsche:
Mancher grüßt mich so (der Gruß macht mir
nur mäßig Freude): »Hartmann, lass uns ritterbürtige
Frauen besuchen gehen.« Soll er mich in Ruhe lassen und schleunigst
zu den Damen gehen! Bei vornehmen Damen getraue ich mich nicht mehr zu
erreichen, als dass ich vor ihnen eine unglückliche Figur mache.
In Bezug auf Damen der Gesellschaft vertrete ich folgende
Ansicht: Wie sie zu mir sind, so bin ich zu ihnen. Denn ich kann mir besser
die Zeit mit Frauen aus geringem Stande vertreiben. Überall wo ich
hinkomme, gibt es viele von ihnen. Dort finde ich die, die mich auch will;
die ist dann auch meines Herzens Gefährtin. Was nützt mir ein
zu hohes Ziel?
In meiner Naivität ist es mir passiert, dass ich
zu einer Dame sagte: »Herrin, ich habe meine Gedanken auf Eure Liebe
gerichtet«. Da wurde ich schief angesehen. Darum will ich, das lasst
euch gesagt sein, mir solche Frauen aussuchen, bei denen mir so etwas nicht
widerfährt.
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