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Heinrich von Morungen: Ich hôrt ûf der heide
Ich hôrt ûf der heide
Ich vant si verborgen
Ich vants an der zinnen,
Übertragung ins Neuhochdeutsche:
Ich hörte auf der Heide helle Stimme und süßen Klang. Davon wurde ich beides, reich an Freude und frei von Schwermut. Zu der mein Gemüt so sehr strebte und hinflog, die fand ich beim Tanze, wo sie sang. Ohne Kummer sprang auch ich da.
Ich fand sie in einem Versteck alleine und ihre Wangen nass, als sie am selben Morgen sich fest entschlossen hatte, mich zu töten. Die feindliche Gesinnung der heiß Geliebten empfinde ich wohltuender als das Erlebnis, wie ich vor ihr kniete, wo sie saß und ihren Kummer völlig vergaß.
Ich fand sie auf der Zinne alleine, und sie hatte mich holen lassen. Dort hätte ich ihr geschickt ein Pfand ihrer Liebe abnehmen können. Da glaubte ich, dass die Erde auf der Stelle in Flammen aufging, doch hat mir nur das süße Band ihrer Liebe die Sinne geblendet. |
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