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Walther von der Vogelweide, Politische Lieder
und dahte bein mit beine: dar ûf satzt ich den ellenbogen: ich hete in mîne hant gesmogen daz kinne und ein mîn wange. dô dâhte ich mir vil ange, wie man zer welte solte leben: deheinen rât kond ich gegeben, wie man driu dinc erwurbe, der keinez niht verdurbe. diu zwei sint êre und varnde guot, daz dicke ein ander schaden tuot: daz dritte ist gotes hulde, der zweier übergulde. die wolte ich gerne in einen schrîn. jâ leider desn mac niht gesîn, daz guot und weltlich êre und gotes hulde mêre zesamene in ein herze komen. stîg unde wege sint in benomen: untriuwe ist in der sâze, gewalt vert ûf der strâze: fride unde reht sint sêre wunt. diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt. Neuhochdeutsche Übersetzung: Ich saß auf einem Felsen und schlug ein Bein über das andere; darauf stützte ich den Ellenbogen. Das Kinn und meine eine Wange hatte ich in meine Hand geschmiegt. In dieser Stellung überlegte ich mir eindringlich, wie man auf Erden zu leben habe. Ich wusste mir nicht zu raten, wie man drei Schätze erwerben könne, ohne dass einer von ihnen verloren ginge. Die beiden ersten, die einander oft nachteilig beeinträchtigen, sind Ansehen und irdischer Besitz. Die Gnade Gottes, noch wertvoller als die beiden andern, ist das dritte. Gern wollte ich diese drei in einen Schrein bekommen. Doch leider: es ist unmöglich, dass Besitz, Ansehen vor der Welt und dazu Gottes Gnade jemals wieder in ein Herz kommen. Stege und Wege sind ihnen verlegt: Verrat lauert im Hinterhalt, Gewalttätigkeit zieht auf der Straße; Friede und Recht sind auf den Tod wund. Die drei haben keinen Schutz, eh diese beiden nicht gesunden.
dâ mugent ir alle schouwen wol ein wunder bî, wie si ime der smit sô ebene habe gemachet. sîn keiserlîchez houbet zimt ir alsô wol, daz si ze rehte nieman guoter scheiden sol: ir dewederz daz ander niht enswachet. si liuhtent beide ein ander an, daz edel gesteine wider den jungen süezen man: die ougenweide sehent die fürsten gerne. swer nû des rîches irre gê, der schouwe wem der weise ob sîme nacke stê: der stein ist aller fürsten leitesterne Neuhochdeutsche Übertragung: Die Krone ist älter als der König Philippus! Daß der Schmied sie ihm trotzdem so genau angepaßt hat, dieser Umstand rechtfertigt es, daß ihr alle ein Wunder daraus ablesen könnt. Sein kaiserliches Haupt paßt so gut zu ihr, daß niemand sie von Rechts wegen trennen darf. Keines von beiden macht dem andern Schande. Sie lachen strahlend einander an, das edle Gestein und der junge gütige Herr. Eines solchen Anblicks erfreuen sich die Fürsten. Wer jetzt noch nicht weiß, wen er als König anerkennen soll, der schaue sich um, über wessen Nacken der Waise steht. Dieser Stein ist aller Fürsten Leitstern. |
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