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Sebastian Franck
Theologe, Schriftsteller, Drucker geb. um 1500 Donauwörth gest. 1542 oder 1543 Basel. Biographie Aus einer Weberfamilie stammend, studierte Franck in Ingolstadt (seit 1515) und am Ordensstudium der Dominikaner in Heidelberg (seit 1518), geriet unter den Einfluss der lutherischen Reformation und war zunächst in der Umgebung Augsburgs, dann Nürnbergs in geistlichen Ämtern tätig. Wohl durch seine Heirat (1527) mit Ottilie Behaim, der Schwester der "gottlosen Maler", kam er in Kontakt mit täuferischen und spiritualistischen Kreisen, gab sein geistliches Amt auf und lebte von seiner schriftstellerischen Tätigkeit, zuerst in Nürnberg (1528), dann in Straßburg (1531). Dort geriet er nach Publikation seiner Geschichtbibel (1531) wegen seiner radikalen Kritik an Kaiser und Adel in Konflikt mit der Obrigkeit, wurde eingekerkert, dann ausgewiesen. Nachdem er sich in Eßlingen mit Seifensieden durchgebracht hatte, zog er 1534 nach Ulm, wo er als Buchdrucker wirkte. Als Dissident war er weiter den Angriffen der Straßburger und Wittenberger Reformatoren ausgesetzt, die im Ulmer Münsterpfarrer Martin Frecht einen einflussreichen Helfer fanden. Franck musste schließlich 1539 nach Basel fliehen. Dort kam er als Drucker zu Wohlstand, starb jedoch schon bald an der Pest. Franck war stark vom Humanismus bestimmt (Kronbüchlein, 1534, mit Übersetzungen aus Erasmus von Rotterdam und Agrippa von Nettesheim). Theologisch knüpfte er an den frühen Luther an. Franck wollte nicht lehren, sondern "Zeuge" des lebendigen Gottesworts sein, in dessen Zeugnis sich andere wiedererkennen können, so wie er sich im Zeugnis anderer wiedererkannte. Mit seinem Verständnis vom Glauben als reiner Innerlichkeit und seiner Ablehnung menschlichen Wissens als eitle Anmaßung (Kronbüchlein) stellte sich Franck in die Tradition der Mystik. Adäquate Form des Sprechens ist ihm das Paradox, dessen Unauflösbarkeit eine Bewegung auslösen soll, die das Ich "in den Geist treibt" (Paradoxa, 1534). Diese Bewegung kann durch Konfrontation einander widersprechender Zitate oder Paraphrasen von Bibelstellen oder fremder Autoren ausgelöst werden (Guldin Arch, 1538; Verbütschiert Buch, 1539), ein Verfahren, das Franck auch in seinen übrigen, stets seiner theologischen Absicht dienenden Schriften, den historischen (Geschichtbibel, 1531, 1534; Weltbuch, 1534; Germaniae Chronicon, 1538) wie den politischen (Kriegbüchlein des frides, 1539), anwandte. Die Ablehnung dogmatischer Verfestigung schließt die Forderung religiöser Toleranz, selbst gegenüber Heiden und Muslimen ein (Brief an Johannes Campanus, 1531). Trotz radikaler Kritik kirchlicher und staatlicher Institutionen ("Vorrede vom Adler", Geschichtbibel, 1531) blieb Franck in Distanz zu revolutionären Bewegungen wie Bauernkrieg und Täufertum. In seinen Spruchwörtern (1541) suchte er, in der Nachfolge des Erasmus, eine ursprüngliche, nicht durch den toten Buchstaben der Gelehrsamkeit pervertierte, auf den Geist Gottes zurückgehende Weisheit der Völker zu sammeln. Franck vermittelte gelehrtes Wissen in die Volkssprache. Der Autor im WWW
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