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Theater in der DDR
Die Formalismusdebatte zwischen Bertolt Brecht und Friedrich Wolf
Entzündete sich 1949 an einer Inszenierung von Brechts "Mutter Courage".
1. Kontrastierung
Friedrich Wolf (1888-1953)
- Hängt einem realistischen dramatischen Prinzip an (Verwirklichung des Stanislawski-Prinzips).
- Die Wirklichkeit realisiert sich in Identifikation des Schauspielers mit der Figur.
- Das Stück weist dramatische Spannung auf; es enthält emotionale Höhepunkte.
- Nicht der Zuschauer,sondern die Figur lernt aus der Handlung.
- Eine widerspruchsfreie Lösung wird angeboten.
Bertolt Brecht (1898-1956)
- Begründet die Neuform des episch-dialektischen Theaters.
- Der Schauspieler identifiziert sich nicht mit, sondern distanziert sich von der Figur.
- Erkenntnis schließt Emotion nicht aus.
- Erzeugt werden soll eine kritische Haltung beim Zuschauer.
- Lösung der Widersprüche,auch in Form von widersprüchlichen Lösungen sind das Resultat.
Beispiel: Mutter Courage eignet sich nicht zur Identifikation. Sie ist kein Vor-, sondern ein Schreckbild.
2. So sind die Folgen bei beiden Autoren infolge der verschiedenen dramatischen Grundkonzeptionen auch andere:
- Bei Wolf dominieren Psychologisierungsvorgänge in der Handlung nach Art des Schiller'schen Heroendramas.
- Bei Brecht hingegen werden Denkvorgänge ausgelöst,werden zumindest von ihm durch die episch-distanzierte Spielweise intendiert.
3. Auch die Art der Erkenntnis differiert bei beiden Konzeptionen:
- Wolf
erhebt Anspruch auf Objektivität, stülpt aber der Handlung eine ideelle Konstruktion über. Der Anschein wird erweckt, nur einzelne Personen machten Geschichte. Die Realität wird so ideell verzerrt.
- Brecht
dagegen entwirft eine 'Dramaturgie mit Fußnoten', ein Spielschema, in dem die Schritte der Handlung gleichzeitig erklärt werden. Der Identifikation zieht er die Verfremdung vor und versucht Realität in Form sozialer Gesten zu erklären.
Ein Vergleich beider Positionen bietet sich an in der Gegenüberstellung der Dramen
- Professor Mamlock (Wolf)
- Furcht und Elend des Dritten Reiches (Brecht),
da beide vom Thema Hitler-Deutschland her aufeinander beziehbar sind.
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