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Die Entwicklung des Dramas in der DDR seit 1945
Zusatztexte: Formalismusdebatte Wolf - Brecht

Übersicht:

Die Ausgangslage

Die politische Zweiteilung des Deutschen Reiches als Konsequenz des Zweiten Weltkriegs zog, gewiss unbeabsichtigt, auch eine literarische Zweiteilung nach sich:

  • In der BRD beherrschte weiterhin ein bürgerlicher Pluralismus das Bild, der es erlaubte, dass virtuose Sprechstücke, Parabel-, Dokumentar- und andere Spieltypen zugleich nebeneinander bestanden. Der Warencharakter, der sich in dieser Skalenbreite spiegelt, vermittelt gleichzeitig ein Bild von der Unverbindlichkeit der Stücke, die dessen unmittelbare Folge sein muss.
  • In der DDR dagegen erfordert die Dramenkonzeption im Rahmen der beginnenden Entwicklung des Sozialismus Parteilichkeit und Pflicht zur Tendenz. Die Dramatik steht ganz im Dienste eines sozialpolitischen Anliegens, dem des Vorstoßes vom subjektiven zum kollektiven Bewusstsein. Die Dramatik ist also gesellschaftspolitischen Kriterien untergeordnet und insofern einheitlicher als in Westdeutschland. Ihre selbstverständliche Verbindlichkeit gründet u.a. in ihrer öffentlichen Funktion, die auch eine Einbeziehung des Publikums in Planungsarbeit und Regie vorsieht. Zu untersuchen wäre nun diese Spannung zwischen politischer Intention und deren künstlerischer Umsetzung. Oft genug nämlich beinhalten DDR-Stücke keine Auseinandersetzung, sondern bloße Affirmation des sozialistischen Alltags. Analytischer Arbeit stehen kleinkarierte Malerei und dogmatische Engstirnigkeit gegenüber, die es beispielsweise jahrelang erfolgreich verhinderten, dass bestimmte Stücke von Hacks und Braun in der DDR aufgeführt wurden. Zu untersuchen wäre freilich auch, warum in der BRD nur bestimmte Stücke von DDR-Autoren gespielt wurden.

Die Kunstproduktion in der DDR, zumindest theoretisch verstanden als Aufforderung zur öffentlichen Mitarbeit, steht stellvertretend für die gesamte auf dem Anrechtssystem basierende Kulturpolitik der DDR (dies zeigt sich u.a. in den niedrigen Preisen für Theater und Bücher). Das Theater muss so als eine von mehreren kulturpolitischen Institutionen zur Schaffung eines gemeinsamen Bewusstseins verstanden werden. Die Erziehung zur Bejahung der sozialistischen Weltanschauung durch das Theater wird demzufolge entsprechend intensiv vom Staat gefördert. Der Akzent liegt dabei wie gesagt auf dem gesellschaftlichen Nutzeffekt, dergestalt, dass sich gesellschaftliche, d.h. kulturpolitische Änderungen sofort und direkt auf die Kunstproduktion auswirken.

Die 40-er Jahre

Bereits einen Monat nach der bedingungslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands gab es in der damaligen SBZ wieder Anfänge eines Theaterbetriebs (Juni 1945). Die Theater waren ihrer Struktur nach demokratisch-humanistische Nationaltheater, wurden jedoch - im Gegensatz zu den Westzonen - wesentlich von zahlreichen zurückkehrenden Emigranten geprägt. Die damit eingebrachte Widerstandsliteratur, die es im Westen Deutschlands zu diesem Zeitpunkt nicht gab, knüpfte an die Tradition des proletarischen Schriftstellers der 1920-er und 1930-er Jahre an und ermöglichte so in relativ kurzer Zeit einen kulturellen Neubeginn, insbesondere eine kulturelle Neuorientierung, in der Westdeutschland noch bis in die 50-er Jahre hinein begriffen war. Die DDR-Dramatik gewann neues Gewicht durch den 1948 zurückkehrenden Bertolt Brecht und die 1949 von ihm initiierte Arbeit des Berliner Ensembles. In der Auseinandersetzung Brechts mit Friedrich Wolf (Formalismus-Debatte) wurde erstmals der Weg gewiesen weg von der aristotelischen Dramaturgie Stanislawskis (deren Anhänger Wolf war) hin zur epischen Form des Theaters.

Die 50-er Jahre

Dieses Jahrzehnt war anfangs wesentlich geprägt von der Auseinandersetzung Brecht versus Wolf, wobei man von offizieller Seite eher der Position von Stanislawski/Wolf anhing. Dies änderte sich erst nach dem Tode Brechts 1956.

Das neue DDR-Nachkriegstheater formierte sich zunächst in Form langweiliger Aufbaustücke, in denen sich vielfach wohl der Produktions-, nicht aber der Menschenalltag im Sozialismus spiegelte. Erst langsam, etwa seit der Übersiedlung von Peter Hacks von München in die DDR (1955) und mit Beginn der Dramenproduktion Heiner Müllers und Helmut Langes (beide keine Emigranten) begann die Darstellung der sozialistischen Realität in der DDR an Boden zu gewinnen.

Seit den 60-er Jahren

Der Mauerbau am 13.8.1961 bedeutete auch für die Literatur der DDR eine Entwicklungsnormalisierung und -stabilisierung. Vom Westen nunmehr unbeeinflusst trat eine neue DDR-Nachkriegsgeneration in Erscheinung, die bereits Produkt der Erziehung in ihrem Lande war. Es zeichneten sich nun 4 wesentliche Tendenzen in der Dramatik ab:

  • Affirmationsdramatik: positive, zur Bejahung auffordernde Schilderung der Situation in der DDR; von der Partei ausdrücklich unterstützt
  • Versuch, die Schwierigkeiten beim Aufbau des Sozialismus vorzuführen; systemimmanente Kritik
  • Ausweichen vor der unmittelbaren DDR-Wirklichkeit; mythisch orientierte sozialistische Utopien. Beispiele: Peter Hacks, Heiner Müller
  • Schilderungen des Subjektiven im Kollektivismus: normwidrig oder neue Form? Beispiel: Ulrich Plenzdorf

 
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