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Das Parabelstück
Inhaltsangabe Die Handlung spielt zur Zeit der Pariser Commune (1871). Träger der Handlung sind fiktionale Durchschnittsmenschen, die rund um ein Café im Stadtteil Montmartre wohnen, sowie historische Persönlichkeiten. Diese Durchschnittsmenschen widerstehen dem Versuch Thiers', die Nationalgarde zu entwaffnen, und verfolgen mit Sympathie, wie ihr Zentralkomitee im Rathaus die Macht ergreift. Die liberalen Vorurteile und überkommenen Rechtsvorstellungen der Führer der Commune führen in der Folge allerdings dazu, dass sie entscheidende Fehler machen. Statt einen radikal-revolutionären Weg einzuschlagen, halten sie die Massen zurück, respektieren die Unantastbarkeit der Bank von Frankreich und scheitern bei dem Versuch, die militärische Disziplin in ihren eigenen Reihen aufrecht zu erhalten. Die militärisch und finanziell neu gestärkte Reaktion schlägt zurück und greift Paris an. Das zu allem entschlossene Pariser Proletariat errichtet Barrikaden, auf denen es kämpft und stirbt. Intention
Nachdem Brecht 1948 aus seinem amerikanischen Exil zurückgekehrt war, hielt er sich zunächst für eine Weile in Zürich auf, die er zur Neuorientierung benutzte, um schließlich definitiv in die damalige SBZ zu übersiedeln. Die "Commune" entstand als Gegenentwurf zu dem von dem Norweger Nordahl Grieg verfassten Stück "Die Niederlage", das Brecht wegen seiner aristotelischen Dramenkonzeption notwendig verwarf. Die Hauptarbeit am Stück leistete er im Jahre 1948/49 in der Hoffnung, es zum 80. Jahrestag der Pariser Commune 1951 zu inszenieren und damit zum Aufbau des Sozialismus in der DDR beizutragen. Diese Pläne scheiterten jedoch am Widerstand der SED, die dem Stück "subjektivistische und defaitistische Tendenzen" vorwarf. Erst 1956 kam es in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) zu einer ersten Probeinszenierung, verschwand aber nach 4-5 Aufführungen wieder vom Spielplan. Am 7.10.1962 wurde die "Commune" vom Berliner Ensemble unter der Regie Wekwerths zum ersten Mal in einer Modellaufführung in größerem Rahmen gespielt 2) . Eine solche Aufführung fand in der BRD erst 1970 unter der Regie von Peter Palitzsch am Staatstheater Stuttgart statt. Historische Quellen Brecht verwertet, zum Teil sogar wörtlich, Passagen bzw. Berichte aus den beiden Büchern
Zur Konzeption des Stücks Die "Commune" setzt sich aus 14 Szenen mit insgesamt 22 Bildern (Songs mit eingeschlossen) zusammen, die insgesamt so etwas wie einen chronikartigen Bilderbogen der Ereignisse in Paris 1871 ergeben. Die Fehler und Größen der Commune spiegeln sich dabei in der Schilderung des Verhaltens und Lebens der Familie Cabet; diese erlebt stellvertretend für alle daran Beteiligten den historischen Ablauf eines Übergangs vom Volkskrieg zum praktizierten Klassenkampf, der im Stück in seinen verschiedenen Tendenzen nachgezeichnet wird. Das Problem und gleichzeitig das Anliegen des Stücks liegt darin, aufzuzeigen, wie und ob sich Volksherrschaft unter gegebenen Bedingungen durchsetzt. Dieser Fragestellung entsprechen im Stück zwei Aktionsmuster, nämlich
In der Parabel von der Machtübernahme durch das Volk wird eine konkrete Utopie, die der klassenlosen Gesellschaft, in einen historischen Augenblick projiziert. Diese Utopie erlebbar zu machen und dadurch humane Prozesse auszulösen - konkret: in der DDR diese Utopie in den Alltag überführen zu helfen - das ist hier das eine Anliegen Brechts. Die Parabel von der Niederlage des Volkes ist eine "dramaturgische Sammlung großer, fehlerhafter Verhaltensweisen" (Brecht). In ihr wird die Frage nach dem notwendigen Terror gestellt, mit der man die errungene Macht behauptet. Sie schließt die Kritik am konsequenzlosen Verhalten der Kommunarden von 1871 notwendig mit ein, die zwar "Brüderlichkeit" proklamieren, sie aber mit den falschen Partnern praktizieren (z.B. dem Präsidenten der Bank von Frankreich). Einen notwendigen politischen Prozess, den der nicht zu umgehenden Diktatur der bisher Unterdrückten, einsichtig zu propagieren, das ist das andere Anliegen Brechts. Die beiden Absichten und also die beiden Parabeln sind durch die Antinomien 'Geschichte - Utopie' und 'Freiheit - Diktatur' charakterisiert, die im Stück eine dialektische Struktur entwerfen. Sie werden dergestalt in Abhängigkeiten voneinander gebracht, d.h. die Fehler werden so dargestellt, die Utopie so transponiert, dass Nutzanwendungen für den heutigen Betrachter möglich sind. Das Stück ist also ein Stück für die Gegenwart, keine Geschichtstragödie, wie einige Literaturkritiker meinen. Revolutionäres Gewissen, revolutionäres Bewusstsein und das Verhältnis, in dem beide zueinander stehen, das ist die Problematik der "Commune". Da diese Problematik keine individuelle, sondern eine übergreifende Größe ist, kommt auch als Handlungsträger nicht mehr der große Einzelne, sondern eine mehr oder minder anonyme Masse in Betracht. Dieser neue "dramatische Held", somit vom Objekt zum gestaltenden Subjekt der Geschichte erhoben, kann nicht mehr durchgestaltet, sondern muss typisiert werden. Der von Brecht geprägte Begriff des "sozialen Gestus" wird hier auf eine ganze soziale Gruppe angewandt, in der sich der Gestus des Überpersönlichen (Kollektiven) spiegelt. Die Demonstration sozialistischer Lebensweisen im Alltag (s. Sz. 6) soll so zur Verwirklichung praktischer Menschlichkeit beitragen. Zur Struktur des Stücks Brecht entwickelt in den einzelnen Szenen der "Comune" die Stadien der Pariser Kommune. Er treibt den historischen Fortgang quasi schrittweise voran, indem er zunächst die Unzufriedenheit und deren Gründe bei der Arbeiterschaft, dann die Verwirklichung der sozialistischen Idee, aber auch die Fehler beim Vorgehen der Initiatoren, den nicht mehr aufzuhaltenden Verfall und schließlich das Scheitern der Kommune demonstriert. Die Szenen werden im Folgenden nur kurz auf ihren Aussagegehalt, d. h. auf ihre Stellung im Stück hin skizziert:
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