![]() |
![]() |
||||
|
Das Straßentheater
Die unten erwähnten Beispiele finden sich abgedruckt in:
Das in den Jahren 1968/69 aufgeführte Stück greift hauptsächlich drei aktuelle Geschehnisse auf:
Die Gruppe macht sich zur Aufgabe, die gegenwärtige Wirtschaftskrise als ein Phänomen des Kapitalismus, genauer, dessen planloser Produktion (Absatzkrise) und eines aufgeblähten Rüstungshaushalts darzustellen:
Die Funktion und Position des Arbeiters in dieser Maschinerie wird gleich zu Beginn der Szene deutlich gemacht: kniend und also unterdrückt bildet er doch die Achse des Wirtschafts'karussells'. Ganz klar bezieht die Gruppe Position für die Arbeiterschaft, worauf sich fast von selbst versteht, dass das Stück u.a. einen Stoßkeil gegen die von Gewerkschaften und Kapital ins Leben gerufene, gegen die Interessen der Arbeiter agitierende 'konzertierte Aktion' darstellen soll. Die Funktion des Chors, der, wie auch der Agitator, eine aufklärende und kommentierende Funktion innehat, besteht darin, die szenische Prosa durch Chansons zu unterbrechen, dabei gleichzeitig das Vorherige zusammenzufassen und somit, auch mitten im Spiel, einen Einsatz zur Diskussion zu ermöglichen:
oder
Die Intention dieser Gruppe dürfte der der 'Wirtschaftskonjunktur' recht nahe kommen (vgl. unter 1.), jedoch wird hier die Situation weltweit dargestellt, wobei sich die Wirtschaft als Triebfeder sozialer und internationaler Ungerechtigkeiten und Verbrechen (z.B. Vietnamkrieg; faschistische Diktaturen in Griechenland und Spanien; von der NATO unterstützter Kolonialismus Portugals u.a.) erweist. Wirtschaftliche und soziale Krisen im Inland und weltweite politische Repression und ökonomische Ausbeutung sind also alle auf den gleichen Nenner rückführbar, den die Kapitalisten aber mit phrasenhaften 'Idealen' wie
kaschieren. Es kommt der Gruppe offensichtlich darauf an, diese Widersprüchlichkeiten (also das Auseinanderklaffen von beobachtbaren Fakten und ideologischer, ja demagogischer Verschleierung) aufzuzeigen.
Dem Anspruch des Straßentheaters, mit dem Arbeiter in direkten Kontakt zu treten, wird dies Beispiel wohl am ehesten gerecht. Mit konkreten Zahlen und Fakten aus einem durchschnittlichen Arbeiterhaushalt - die jeder Zuschauer aus eigener Erfahrung kennt und also bestätigen kann - wird mit dem Klischee des 'zufriedenen Lohnarbeiters' aufgeräumt. Man könnte sagen, es handele sich in doppelter Hinsicht um eine 'Abrechnung' mit der bestehenden Auffassung, den Arbeitern gehe es doch eigentlich ganz gut, die in Form von Zitaten aus der Presse mit den Realitäten konfrontiert wird:
Die Verhältnisse in der Bundesrepublik werden in Lohnstreifenmanier analysiert und aufgearbeitet, so dass sich eine Diskussion mit den Zuschauern anschließen kann, die dadurch "begünstigt wird, dass das Faktenmaterial jedermann aus ureigenster Erfahrung "bekannt ist: der Diskussionshintergrund ist also besonders groß. |
|||||
|
|
|||||
| © Wolfgang Pohl | [Deutsche Literatur] [Startseite Theater] [Parabel] [Absurdes Theater] [Dokumentarstück] [Neuer Realismus] [Sprechstück] [Straßentheater] [DDR-Theater] [Tendenzen] [Links] |