Diedrich von Cappeln ...
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| Ansicht Wildeshausens von Osten in Merians Topographia Westphaliae von 1647 |
... war Bürgermeister von Wildeshausen in den Jahren 1631-1633. Aus der Ehe mit seiner Frau Margaretha Poppe ging Johan von Cappeln hervor. Sein Vater starb 1632 in schwedischer Gefangenschaft, nachdem Wildeshausen im 30-jährigen Krieg vom protestantischen schwedischen Heer belagert und eingenommen worden war. Diedrichs Vater war höchstwahrscheinlich Johan von Cappeln, Mitglied des Wildeshauser Stadtrats ebenso wie wie dessen Vater, Gerdt von Cappeln. Eine verwandtschaftliche Beziehung zum 1485 erwähnten Hinric von Cappeln ist anzunehmen. Die Familie lebte in der Kirchstraße 364, die zum "Langen Viertel" Wildeshausens gehörte (siehe Karte "Wildeshausen im Mittelalter")..
Dieses Haus blieb bis ins 18. Jahrhundert in Familienbesitz und wurde dann von Diederich Muhle (geb. 1735, Bürger und Schuhmacher) gekauft. Um diese Zeit stirbt auch die Familie von Cappeln in Wildeshausen aus.
Als Diedrich 1632 stirbt, ist sein Sohn Johan erst 2 1/2 Jahre alt. Als junger Mann flieht er vor den Verwüstungen, die der Dreißigjährige Krieg hinterlassen hat. Er hält sich zunächst für einige Jahre in Bremen auf, wandert dann aber 1653 nach Norwegen aus. Seine neue Wahlheimat verfügt über eine expandierende Wirtschaft und die Behörden heißen Ausländer mit Know-how und Kapital willkommen. Johan heiratet bald eine junge Norwegerin, Bodil (Boel) Ottesdatter. Drei ihrer Söhne überleben sie und gründen Familienzweige, die bis heute bestehen (s.u.). Johan selbst macht eine berufliche Kariere, die auch für nachfolgende Generationen beispielhaft bleibt: Er ist zunächst in Industrie und Handel tätig, dann als Gerichtsherr (Vogt) von Lier in der Nähe von Drammen, und er erwirbt Lehnsgüter in Drammen und auf dem Lande.
Seine drei Söhne benutzen seit 1683 ein Familienwappen. Der Schild ist zweigeteilt und zeigt im oberen Teil eine Pelikan-Mutter, die ihre Jungen mit ihrem eigenen Blut füttert. Das untere Feld enthält drei blühende Rosen mit Blättern und Stängeln. Dieser Teil des Wappens wurde bereits vom Auswanderer Johan von Cappeln benutzt und deutet auf dessen Wildeshauser Vergangenheit hin (s.u.). Der obere Teil des Wappens ist als Rittelhelm mit Aufsatz gestaltet: Zwei Stierhörner rahmen die Symbolfigur der Fortuna ein, die auf einer Weltkugel steht und ein Schiffssegel in ihren Händen hält. In leichten Abwandlungen ist dieses Familienwappen auch heute noch in der Familie Cappeln gebräuchlich.
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| Das Wappen der Familie von Cappeln (links). - Der Motivvergleich zeigt sehr deutlich den Einfluss der Wildeshauser Herkunft: Sowohl das Siegel des Grafen Burchard von Oldenburg-Wildeshausen (1233, Mitte) als auch das heutige Stadtwappen Wildeshausens (rechts) weisen die fünfblättrige Hallermunder Rose auf. | ||
Die Nachkommen Johans geben (außer in Dänemark), den Namenszusatz "von" auf und nennen sich fortan nur noch "Cappeln" oder "Cappelen". Die Entwicklung der drei Familienzweige in Kurzform:
Die drei Söhne von Johan und Bodil waren: Johann junior (Zweig I), der ihm als Vogt nachfolgte, Ulrich Friederich (Zweig II), der sich als Händler in Skien niederließ, und Gabriel (Zweig III), der Händler in Drammen war.
Zweig I umfasst Militär-Offiziere, Priester, Staatsbeamte, Ärzte etc. Johann juniors Enkel Andreas (gest. 1786) war Priester in Dänemark und Begründer der dänischen Linie. Aus dieser Linie gingen mehrere Händler in Kopenhagen und in anderen dänischen Städten hervor. Aus dieser Linie stammen auch viele Cappelens in den USA ab (insbesondere in Kenosha, Wisconsin, und in Florida). Einer der Priester des Zweigs I war Peter Andreas C. (gest. 1800), der ein berühmter Missionar in Grönland wurde. Ein anderes Mitglied was der bekannte Aufseher der Parlamentsverwaltung, Johan H. C.
Der Skien-Zweig (Zweig II) umfasst immer noch viele Mitglieder und ist in verschiedene Familien-Linien unterteilt. Ulrich Friederichs Sohn Dietrich (Diderik) kaufte mehrere Wälder, die seitdem in den Besitz der direkten männlichen Nachkommen gleichen Namens übergingen. Sie leben auf Gut Holden und sind Besitzer der Ulefoss Eisenwerke (die "Ulefoss-Linie"). Der bekannte Maler August C. (gest. 1852) gehörte dieser Linie an und verbrachte seine Kindheit in Ulefoss.
Der zweite Diderik (gest. 1794) in Skien war der größte Schiffsreeder in Norwegen. Viele seiner Nachkommen waren Besitzer von Landgütern, Industrielle, Reeder, Politiker etc. ("Ulefoss-Linie", "Gjemsø kloster-Linie" und "Borgestad-Linie"). Sein Sohn Diderik (gest. 1828) war ein bedeutender Landbesitzer (Güter Mæla, Gjemsø kloster, Bratsberg, Borgestad, Rising, Frydendal und viele Wälder in der Grafschaft Telemark etc.). Dieser Diderik war der Abgeordnete von Skien in der Verfassunggebenden Versammlung in Eidsvoll 1814.
Eine andere Familienlinie des Skien-Zweigs ist die "Verleger-Linie". Sie stammt ab von Jørgen W. C. (gest. 1878), der das Verlagshaus gleichen Namens in Christiania (Oslo) gründete, das bis vor kurzem in Familienbesitz war. Der erste Verleger Jørgen heiratete eine gefeierte Schauspielerin, Fredrikke Helene Schwirtz, vom Christiania Theater. Der Autor Peder W. C. (gest. 1992) gehörte dieser Linie an.
Andere Linien des Skien-Zweigs sind die "jüngere Drammen-Linien" mit mehreren Händlern (Cappelen building in Drammen), Industriellen (Eidsfoss und Kongsberg Eisenwerke), Landbesitzern (Güter in Austad und Vivelstad) etc. Eine zentrale Person in Drammen war Peder v. C. (gest. 1837), der den Bau der ersten Brücke in Drammen organisierte. Der Komponist Christian C. gehörte einer anderen dieser Drammen-Linien an.
Zweig III beginnt bei Gabriel v. C., der das große "Adelsgut" Fossesholm in Vestfossen erwarb; daher wird dieser Zweig oftmals der Fossesholm-Zweig der Cappelen-Familie genannt. Das Gutshaus Fossesholm ist heute ein Museum und ansprechend renoviert in Stil und Zeit von Gabriels Sohn, dem wohlhabenden Holzhändler und Gutsherr, Jørgen v. C. (gest. 1785). Er und andere Verwandte wurden mumifiziert und liegen in ihren Särgen in einer privaten und separaten Grabkammer der Haug-Kirche.
Männliche Nachkommen dieses Zweigs waren Händler, Bauern, Schiffskapitäne, Staatsbeamte etc. in der Grafschaft Vesthold, in Bordeaux (Frankreich), ebenso wie in den USA. Der berühmte Ingenieur Fredrik C., der die Cappelen Bridge in Minneapolis konstruierte, gehörte diesem Familienzweig an.
Die Frauen all dieser Cappelens kamen aus ganz unterschiedlichen Familien: einige waren norwegischer und andere ausländischer Herkunft, einige waren Töchter von Landarbeitern und Bauern, andere von Handwerkern oder reichen Händlern und Landbesitzern.
Die Cappelen-Töchter heirateten in Familien ein, die ebenso unterschiedlich wie die ihrer Mütter waren. Recht oft waren es Heiraten zwischen Verwandten - mehr oder weniger eng -, und waren die Eltern der Brautleute miteinander befreundet, Geschäftsfreunde und dergleichen.