Auswanderer-Familien: Familie Meyer

Sie befinden sich hier: Homepage > Vor Ort > Auswanderung aus Wildeshausen > Auswanderer-Familien... > Familie Meyer

Aus den Informationen, ...


Johann Dietrich Meyer

... die wir über die Familie Meyer erhielten, ließ sich entnehmen, dass vier der Kinder aus der Ehe von Johann Dietrich Meyer und Anna Catharine Margarethe Osterthun nach Amerika auswanderten. Erst reiste der einzige Sohn Johann Heinrich nach Cincinnati/Ohio. Die älteste Tochter, Meta Johanna, auch Minna genannt, ging nach Amerika, um für einen J. F. Siems in Columbus/ Nebraska zu arbeiten. Ihren Platz nahm dann später Marie Eliese ein, über die uns die meisten Informationen vorlagen. Nach wenigen Jahren reiste Marie nach Deutschland, um nach einem Besuch bei ihrer Familie mit ihrer Schwester Anna Catherine Henrietta nach Amerika zurückzukehren.

Johann Heinrich Meyer (Foto rechts) wanderte Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus. Er ließ sich in der Stadt Cincinnati in Ohio nieder. Marie schrieb ihm viele Briefe sowohl aus Deutschland als auch späterhin aus Columbus/Nebraska. Als älteste Tochter verließ Meta Johanna, Minna, ihr Elternhaus auch als Erste und arbeitete auf einer Farm nahe der Stadt Columbus in Nebraska. Diese Farm gehörte einem Mann namens J. F. Siems. Als Minna plante Heinrich Fittje zu heiraten und damit auf der Farm ihres Mannes arbeiten würde, reiste J. F. Siems nach Deutschland, um eines der Meyer-Mädchen nach Amerika zu holen. Eine der Schwestern sollte dann Minnas Platz einnehmen. Obwohl Marie sich noch gar nicht sicher war, wo und was sie arbeiten wollte, - derzeit überlegte sie in die Stadt zu gehen, um mehr Geld zu verdienen - , also noch überhaupt nicht bereit nach Amerika zu gehen, tat sie es doch. Ihre Überfahrt wurde von Siems bezahlt und sie musste diese Kosten auf der Farm abarbeiten. In Nebraska angekommen schrieb Marie, dass sie anfänglich große Probleme mit der Hitze hatte. Aber sie musste dort nicht so hart arbeiten wie in Deutschland. Marie schrieb im Juli 1900, dass sie alle Sorten an Korn, Hafer, Roggen und Weizen ernten und dass die Männer diese Arbeit in Amerika allein tun könnten. Was ihr sehr viel Freude zu bereiten schien, war, dass sie keine Hausarbeit verrichten musste.

Marie lebte sich schnell ein und verdiente bald eine Menge Geld. Im September 1900 war sie schon fast ein Jahr in Amerika und im nächsten Jahr verdiente sie dann $3.00 die Woche. Marie Eliese rechnete ihren Eltern ihren verdienst immer Genau vor. $3.00 waren zu der Zeit etwa 13 Mark, sie verdiente also etwas 650 Mark im Jahr.

Reich zu werden: "Das ist alles woran ich denke", schrieb Marie. "Wenn man reich ist, kann man tun was man will." Marie wollte nicht nach Deutschland zurückkehren, ehe sie nicht 3000 Mark verdient hatte. Sie glaubte, dann nicht mehr arbeiten zu müssen. Da Marie nur ans Geldverdienen dachte, hatte sie auch kein Ohr für Heiratspläne. Doch schrieb sie ihren Eltern, dass sie bereits Verehrer hatte.

Auf Feste ging sie trotzdem gern. Überwältigend waren für sie die feiernden Massen von Leuten am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Zu dieser Zeit fasste Marie den Plan, ihre Schwester Anna, Annchen, nach Amerika zu holen.

Marie macht schnell Fortschritte in der englischen Sprache. Es macht ihr Spaß, in Briefen an ihren Bruder hier und da englische Wörter einzufügen. Auch ihren Namen Marie Eliese musste sie in "Mary" umändern lassen, da er nicht amerikanisch genug war. Damit hatte sie eine neue Adresse, die sie gleich ihren Eltern mitteilte:

Miss Mary Meyer
c/o J. F. Siems
Columbus, Nebraska
North Amerika

Verlebte Marie bisher eine glückliche Zeit, gab es nun einen Rückschlag. Ihr Vater wurde krank und Marie war sehr traurig, dass sie diese Nachricht von jemand anderem hören musste und nicht von ihren Eltern. Sie schrieb, dass ihre Eltern gut auf sich Acht geben sollten, da man nur einmal lebt. Auch gab sie zu, dass sie in Deutschland nie über ihre Gesundheit nachgedacht hätte, aber sie würde sich nun bald Medizinbücher anschaffen, um sich selbst behandeln zu können. Marie hatte wirklich Angst um ihren Vater und bat ihre Geschwister ihn gut zu behandeln, damit er wieder gesund werde. Nichts machte sie mehr unglücklich, als wenn ein Familienmitglied krank war und sie nicht auf Besuch kommen könnte.

Der zweite Unglücksfall zeigte sich im Abrennen zweier Scheunen am 13. Oktober 1900. Der Schaden betrug $2000 und da es bald Winter werden würde, musste sofort eine neue Scheune gebaut werden.

Man sieht, nicht immer war die Zeit in Amerika leicht. Im Winter musste Tag und Nacht gearbeitet werden, auch Sonntags. Neben der Farmarbeit gab es für Marie noch Arbeit in der Druckerei. Mit drei anderen Mädchen teilte sie diese Arbeit.

Inzwischen hatte sie 600 Mark verdient und konnte sich endlich neue Kleidung leisten. Marie schrieb, dass sie sich nun wohl fühle zwischen all den verschiedenen Menschen, ihre Fortschritte im Sprechen und Lesen von Englisch kämen voran und die Farmer erlebten eine "goldene Zeit".

Im Juli 1902 erhielt Marie nach langer Zeit einen Brief von ihrem Bruder Johann. Eine Zeit lang wusste niemand, wo er war und ob er noch lebte. Von einem Freund namens Karl Meier erfuhr Marie, dass Johann sehr krank gewesen war (Nervenfieber) und im Krankenhaus lag. Johann hatte sich nun wieder in Cincinnati niedergelassen. Marie teilte ihm mit, dass sie $ 300 bis $ 400 gespart hatte und nun nach Deutschland wolle. Sie setzte auch bald ihren Plan in die Tat um:

Vom 1. Juni bis zum 15. Juli 1903 besuchte sie ihre Schwester Minna. Am 18. Juli brach sie dann nach Deutschland auf, sie reiste mit dem Schiff "Patricia" nach Hamburg. Die Reise kostete $ 44.00

Die Zeit in Deutschland war sehr schön für Marie, sie ging auf viele Feste und Tanzveranstaltungen. Auf ihrer Rückreise würde sie nun nicht mehr allein sein, denn ihre Schwester Anna begleitete sie. Die beiden reisten mit dem "double propeller mailsteamer" vom Bremerhafen nach Baltimore. In Baltimore wollten sie ein Ticket nach Cincinnati kaufen, um Johann zu besuchen. Am 27 Januar 1904 war sie dann schon wieder in Nebraska und hoffte auf den Besuch ihres Bruders.

Kalifornien

Marie hatte auf dem Schiff nach Deutschland einen jungen Mann namens Franz kennen gelernt. Dieser besaß eine Farm in Kalifornien. Marie plante, zu Franz nach Kalifornien zu ziehen. Am 21.04.1904 reiste sie ab, nachdem sie acht Tage zuvor aufgehört hatte zu arbeiten. Marie freute sich auf ein sorgenloses Leben, denn Kalifornien sollte wunderschön sein. Am 11.06.1904 schreibt Marie ihren ersten Brief aus Dixon, California. Obwohl Marie in der Hoffnung gekommen war, Franz zu heiraten, wurde dieser Wunsch doch nicht erfüllt, da Franz schon seit drei Jahren verheiratet war. Doch seine Frau wurde geistesgestört und in eine Anstalt eingeliefert. Marie war sehr verliebt in Franz und dieser wollte sich auch von seiner Frau scheiden lassen. Da Franz sehr reich war, wollten die beiden in die Stadt ziehen.

Siems verkaufte seine Farm an Heinrich Fittje, der der Ehemann von Minna war. Schwester Anna folgte Siems in die Stadt, da ihr die Arbeit bei ihnen gut gefiel. Johann Dietrich schrieb, dass er nach Amerika käme, um Farmer zu werden. Marie riet ihm dazu, nach Kalifornien zu kommen, da das Land hier billig und die Maschinen besser seien. Ihr Cousin Johann wollte im Herbst kommen. Noch hoffte Marie auf eine baldige Hochzeit mit Franz.

Doch daraus wurde nichts, die Gründe sind unbekannt. In ihrem Brief vom 08.11. scheint noch alles in Ordnung zu sein, aber in dem Brief vom 10.11. war sie froh, dass sie ihn nicht geheiratet hat.

Marie hatte zu der Zeit keine Arbeit, ihr gefiel das Leben in der Stadt und sie wohnte in einem Hotel. Bald hatte sie auch einen neuen Freund, John Witgen, ebenfalls reich und auch hier dachte sie an Heirat.

Ihr Bruder Johann wollte nach Kalifornien oder Alaska kommen, um nach Gold zu suchen.

Am 24. November kam Marie in Chicago Park/ California an. Sie schrieb, dass es eine sehr schöne Gegend sei, mit reichlich Land. Sie bot ihrem Cousin an, ihm Land zu verschaffen, sie hatte ihm sogar etwas Land zurückbehalten, dass er bis Neujahr kaufen könnte.

Doch erst am 07.01.1905 konnte sie ihrem Bruder mitteilen, das John entweder am 03. oder 24.01. mit der "Crownprince Wilhem" nach Amerika kommen würde. Er würde dann voraussichtlich nach Nebraska gehen und Marie hoffte, dass wenigstens Johann zu ihr komme. Wenn John nicht kommen würde, sollte er seinen Freund Karl mitbringen. Marie machte gute Geschäfte mit ihrem Land. Sie lockte ihren Bruder mit allen Vorzügen, die Kalifornien zu bieten hat, aber der war unentschlossen und wusste nicht, was er tun sollte. Am 31.03.1905 schrieb Marie, dass sie mit Hilfe von Siems noch mehr Land gekauft habe, aber noch keine Nachricht von Johann D. erhalten hätte, ob er nun das Land auch kaufen würde. Die Ernte war gut dieses Jahr und Marie träumte davon, dass alle ihre Geschwister nach Kalifornien kämen, um mit ihnen eine "Meyerei" zu gründen. Am 23.04.1905 schrieb Marie ihren ersten englischen Brief an ihren Bruder. Sie möchte mit ihm Ackerland kaufen. John D. kam im Herbst nach Kalifornien. Marie bietet ihrem Bruder an, in ihr Haus einzuziehen. Sie schwärmte ihm von dem Land, das sie für ihn kaufen wollte, vor, dass es in ein paar Jahren 10-mal so viel wert sei wie jetzt, dass Haus und Scheune schon bereit seien und dass er sogar Gold finden könnte.

Siems besaß nun schon eine Menge Land und ein Hotel. Marie musste eine Zeit lang auf seinen Besitz aufpassen, so lange Familie Siems verreist war. Maries eigene Einnahmen waren aber auch nicht schlecht, im Gegenteil, sie war ständig in der Lage, ihren Verwandten Land zu beschaffen und konferierte auch häufig mit den Agenten.

Die letzten Jahre

1905 schrieb Marie, dass die Ernte dieses Jahres gut ausfallen könnte, wenn das Wetter dementsprechend bleibe. Mr. Siems kaufte ein großes Grundstück mit reichlich Platz. Daraufhin fragte Marie ihren Bruder, ob er es nicht in Erwägung ziehen wolle, auch etwas Land zu erwerben, da zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Land vorhanden war. Außerdem hätte sich Marie über eine Meyerei in Chicago Park gefreut. Seit dem 1. März gab es für sie eine Menge zu tun, als dies wiederum abnahm, wollte sie nicht mehr alleine in ihrem Hause wohnen und schlief deshalb nachts bei ihren Nachbarn. Wenn keiner bei ihr eingezogen wäre, hätte sie das Haus vermietet.

Als Marie und John, den sie geheiratet hatte, 1908 von H. Hoopmann hörten, dass Vater Meyer gestorben war, empfanden sie tiefe Trauer. Innerhalb dieses Jahres kam es noch zu einer Hochzeit von Anna.

Das Jahr verlief gut. Sie hatten gutes Geld erwirtschaftet, doch wäre dies in Deutschland leichter gewesen, denn für Marie war Amerika nicht ihr Vaterland, trotzdem fand sie es schön.

Am 22. August bekamen Marie und John die Nachricht, dass ihr Vater gestorben war; als daraufhin noch Maries Baby Otto starb, wurde das folgende Leben sehr schwer. Zu dieser Zeit arbeiteten viele Leute in Goldminen, es passierte nicht selten, dass sie dabei getötet wurden oder spurlos verschwanden.

1920 herrschte ein heißer Sommer und es fiel nur wenig Regen. John und Marie wollten Kalifornien für eine Weile verlassen und, wenn sich die Möglichkeit eröffnen würde, ihren Verwandten in Deutschland einen Besuch abstatten. Außerdem beabsichtigten sie, sich zwei Häuser in Oldenburg zu kaufen. Am 23. März starb Gesines Mann und im Dezember 1931 schrieb Maria, dass zwei ihrer Kinder nun zur Schule gehen und ihre Tochter Paula bald die High School beenden würde. In jenem Jahr erhielten sie gute Preise für ihr Obst, doch in diesem Jahr gab es viele Arbeitslose und viele Einwanderer.

Seitdem ihr Mann gestorben war, fühlte sich Marie sehr einsam und verlassen, da auch ihre Kinder ausgezogen waren. Viel hatte sich geändert und auch Amerika war teuer geworden. Marie hatte für einen neuen Traktor 1.600 $ (7000 Mark) bezahlt. Mittlerweile spielte sie mit dem Gedanken alles zu verkaufen und nach Deutschland zurück zu kehren.

1950 gab es viel Regen und ganze Landstriche wurden überschwemmt, doch Marie musste sich keine Sorgen machen, da sie durch Hügel geschützt wurde. Im Tal gab es Schäden von insgesamt 20 Millionen $. Die Folge war, dass die Steuern angehoben wurden und die Zeiten sich verschlechterten. Marie wollte wieder in Wildeshausen in ihrem Haus wohnen, doch sie blieb in den Vereinigten Staaten und starb am 7. Dezember des Jahres 1968.