Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

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Als 1914 ...

der Erste Weltkrieg ausbrach, meldeten sich auch viele junge jüdische Männer begeistert freiwillig zum Militär. Teilweise patriotischer noch als ihre christliche Umwelt eingestellt, waren sie oftmals der Überzeugung, an der Front beweisen zu können, dass auch sie vollwertige Deutsche waren. Ab 1916 aber, als die militärische Wende einsetzte und erkennbar wurde, dass der Krieg für Deutschland kaum noch zu gewinnen war, mussten die Juden neben Sozialdemokraten und Kommunisten wieder als Sündenböcke herhalten. Man warf ihnen vor, sie würden sich vor dem Kriegsdienst drücken und sich stattdessen fernab der Front auf Kosten der ‚wahren Deutschen' bereichern. - Wie sah die Situation in Wildeshausen aus?

Es ist also nicht erkennbar, dass jüdische Wildeshauser Geschäftsleute von den Kriegsereignissen profitiert hätten. Sie blieben hier auch von öffentlichen Anpöbelungen und Schändungen des Friedhofs und des Bethauses verschont. Dennoch ist unverkennbar, dass antisemitische Strömungen und das langsame Erstarken der NSDAP ab den 1920-er Jahren eine größere Rolle zu spielen begannen.

In dieser Zeit verließen zwei einflussreiche und bis dahin geschäftlich erfolgreiche jüdische Familie, Schwabe (1919 und 1921) und Rennberg (1921/22) Wildeshausen und siedelten sich in größeren Städten an (München, Bremen). Ivan de Haas kehrte nach dem Krieg nicht in seine Geburtsstadt zurück, sondern zog mit Frau und Kindern nach Delmenhorst. Eine Reihe jüdischer Familien geriet nach dem Krieg in private oder geschäftliche Turbulenzen, verarmte oder stieg gesellschaftlich ab. Zu den wenigen, geschäftlich weiterhin erfolgreichen in Wildeshausen verbliebenen jüdischen Familien zählten die von Moritz de Haas (Viehhändler und Notschlachter) und Alfred Heinemann (Kaufmann), die auch finanziell maßgeblich für das Weiterbestehen der jüdischen Glaubensgemeinde sorgten. Die kleine Gemeinde schrumpfte in den Folgejahren so stark, dass das Bethaus in der Huntestraße im Oktober 1938 verkauft wurde.