Im amerikanischen Bürgerkrieg

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Rekrutierung

Was J.F.W. Wellmann, dem in Westfalen wegen Desertion aus der preußischen Armee in Abwesenheit der Prozess gemacht wurde - was diesen jungen Mann nur zwei Jahre später in den USA dazu bringt, sich freiwillig bei Ausbruch des Bürgerkriegs zu den Waffen zu melden, ist schwer nachvollziehbar. Ist es übertriebener Patriotismus, der gerade neu Eingewanderte große Opfer bringen lässt, um sich dadurch in den Augen der Alteingesessenen aufzuwerten? Ist es politische Überzeugung, die ihn für die Ideale der Nordstaaten sympathisieren lässt? Oder sind es Abenteuerlust und die Aussicht, als Kriegsfreiwilliger ein schönes Stück Geld zu verdienen? - Ich persönlich neige am ehesten zur letzten Erklärung, denn nirgendwo in Wellmanns Tagebuch ist von politischen Motiven oder patriotischen Gefühlen die Rede; hingegen verzeichnet er sorgfältig die Male, an denen der Truppe ihr Sold ausgezahlt wird...

J.F.W. Wellmanns Traum von Amerika scheint frühzeitig geplatzt zu sein. Offenbar reichten die Erwerbsmöglichkeiten, die die USA jungen, tatkräftigen Einwanderern boten, nicht hin, um ihm die schnelle Erfüllung seiner Träume zu ermöglichen. Was mögen das für Träume gewesen sein? Land zu erwerben? Eine Familie zu gründen? Es schnell zu etwas zu bringen in diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten? - Bei seinem Tod hinterlässt er hingegen keine Familie und auch kein Vermögen.

Als im Dezember 1860 / Januar 1861 sieben Bundesstaaten die USA verlassen und im Süden einen eigenen Staatenbund gründen ("Confederate States of America", CSA), wird die amerikanische Nation zum ersten Mal seit ihrem Bestehen vor die Existenzfrage gestellt. Es wird sich im Lauf dieses mörderischen Bruderkriegs herausstellen, dass beide Seiten die jeweils andere in Kraft und Entschiedenheit unterschätzt hatten, was ihren leichtfertigen Umgang mit Menschen und Material gerade in der Anfangsphase der Auseinandersetzung erklärt. Auf beiden Seiten gibt es keine Militärpflicht - für die USA ein Relikt europäischer Despotenstaaten. Trotzdem halten beide den Krieg für schnell gewinnbar - in spätestens 90 Tagen sollte der Gegner bezwungen sein. Mit angeworbenen Kriegsfreiwilligen werden Nord- und Südstaatenarmee auf Kampfstärke gebracht.

Rekrutierungs-PlakatUm Anreize zu schaffen, werden im Bundesstaat Ohio, wo J.F.W. Wellmann nun zu Hause ist, an Kriegsfreiwillige Werbeprämien gezahlt:

Jeder Soldat erhält einen Monatssold von $ 13, die er aber bei freier Kost und Logis kaum ausgeben kann. Der Sold ist also theoretisch Reingewinn. Als Zivilist lassen sich zu dieser Zeit hingegen pro Tag zwar etwa 50 Cents verdienen, von denen aber alle Lebenshaltungskosten bestritten werden müssen.

Zusammen mit vielen anderen verpflichtet sich J.F.W. Wellmann im nahe gelegenen Camp Harrison bei Cincinnati am 22. April 1861 als Kriegsfreiwilliger bei der 10th Ohio Infantry zu einem zunächst dreimonatigen Einsatz. Als sich später abzeichnet, dass der Bürgerkrieg wohl länger als 90 Tage dauert, wird das Regiment für eine Dienstzeit von 3 Jahren im Juni 1861 neu zusammengesetzt. So wie Wellmann bleiben fast alle Freiwilligen dabei und verlängern ihren Vertrag.

Wellmann wird der Kompanie B zugeteilt, in der fast ausschließlich deutschstämmige junge Männer aus Cincinnati ihren Dienst tun. In Camp Dennison findet ihre militärische Grundausbildung statt, die etwa zwei Monate dauert. Dieses Ausbildungslager für 12 Regimenter liegt etwa 15 Meilen östlich von Cincinnati an den Gleisen der Little Miami Railroad. Als Wellmann hier am 17. Mai 1861 eintrifft, dürfte er das Lager so erlebt haben, wie es in zeitgenössischen Berichten geschildert wird:

Nach einer chaotischen Instandsetzungsphase Anfang Mai, in der die ersten Truppenteile zusätzliche Zelte zu den schon vorhandenen Baracken auf einem vom Regen vollkommen aufgeweichten Boden errichten, beginnt ein etwas geordneteres Lagerleben. Dazu gehören vormittags und nachmittags je zwei Stunden Drill auf dem Gelände und etwas theoretischer Unterricht in Schulungsbaracken. Die Verpflegung mit Essen klappt offenbar ganz gut, obwohl berichtet wird, dass einzelne Bewohner umliegender Ortschaften Viehdiebstähle begehen. Schlecht steht es hingegen mit der medizinischen Versorgung und mit Bekleidung und Bewaffnung, die erst nach und nach eintrifft und zu dem Zeitpunkt an bereits zerlumpte, barfüßige Soldaten ausgegeben wird. Wellmann erwähnt in seinem ersten Tagebucheintrag eher beiläufig, dass sie "dann auch zuletzt Kleidung kriegten".

Als Wellmanns kurze Grundausbildung zu Ende ist, erhält sein Regiment den Befehl zum Einmarsch in den benachbarten Bundesstaat West Virginia.

Die Besetzung von West Virginia (1861)

Staatsrechtlich gesehen gibt es zu diesem Zeitpunkt einen Bundesstaat "West Virginia" eigentlich gar nicht; erst am 20.4.1863, also zwei Jahre später, wird seine Existenz von Präsident Lincoln bestätigt. Als im April 1861 der Bürgerkrieg ausbricht und Lincoln 75.000 Freiwillige zu den Waffen ruft, gibt es nur Virginia, und dieser Bundesstaat gehört zu denjenigen, die aus den USA austreten und den südlichen Staatenbund CSA gründen. Mehr noch: Hauptstadt dieses neuen Staatenbundes, Richmond, ist die Hauptstadt von Virginia!

Im Westen allerdings weigern sich 34 Countys, sich von der Union zu trennen; sie spalten sich 1861 ab und bilden einen eigenen Bundesstaat, West Virginia. Traditionelle wirtschaftliche und politische Differenzen mit den östlichen Landesteilen sind für diesen in der Geschichte der USA einzigartigen Vorgang bestimmend. Hauptstadt von West Virginia wird Charleston.

Strategisch ist West Virginia für beide Kontrahenten im Bürgerkrieg sehr interessant, und beide bemühen sich von Anfang an, diesen Landesteil unter ihre Kontrolle zu bringen. Anders als sonst im Bürgerkrieg müssen hier auch die Südstaaten angreifen, um ihre Ziele zu erreichen, wobei ihnen die bessere Kenntnis des Geländes anfangs zugute kommt. Alle Haupt-Transportwege, die West Virginia mit Ohio und damit dem Norden verbinden, sind 1861 umkämpft; dann hat der Norden die Schlacht zu seinen Gunsten entschieden.

In den Monaten Juni - September 1861 gehört J.F.W. Wellmanns Regiment (Kommandeur: Colonel William H. Lytle) zur Besatzungsarmee, die unter dem Befehl von General McClellan West Virginia unter ihre Kontrolle bringen und eingefallene Südstaaten-Verbände zurückdrängen soll. Neben Regimentern aus Ohio gehören dieser "Army of Occupation of Western Virginia, Department of the Ohio" auch Verbände aus Indiana, Kentucky und loyale Regimenter aus West Virginia selbst an.

Zunächst geschieht außer weiterer Ausbildung und Trainingsmärschen nichts Entscheidendes. Scharmützel und wichtige Schlachten spielen sich woanders ab. Als einzige Besonderheit verzeichnet Wellmanns Militär-Stammrolle für den 31. August 1861 einen - offensichtlich auf wenige Tage beschränkten - Krankenhausaufenthalt in Weston. Genau an dieser Stelle klafft im Tagebuch auch eine Lücke von einer guten Woche. Dann aber, am 10.9.1861, stößt die 10th Ohio Volunteer Infantry erstmals auf Truppen der Südstaaten - es kommt zur blutigen Schlacht bei Karnifex Ferry am Gauley River. Inzwischen hat General Rosecrans das Kommando über die Besatzungsarmee übernommen. Ihm stehen die Truppenverbände General Floyds gegenüber. Nach verlustreichen Kämpfen gewinnen Rosecrans' Truppen die Oberhand und werfen die Einheiten Floyds über den Gauley River nach Süden zurück. Wellmanns Regiment folgt ihnen die nächsten beiden Monate, verwickelt sie in Gefechte und sorgt dafür, dass die Rebellen immer weiter zurückgedrängt werden. Gegen Ende November wird die 10th Ohio Volunteer Infantry nach Kentucky verlegt. Sie macht vorher ein paar Tage in ihrer Heimatstadt Cincinnati Halt, wo den Soldaten als den "Helden von Karnifex" ein begeisterter Empfang zuteil wird. Danach marschieren sie über Louisville und Elisabethtown KY zum Bakon Creek, wo sie bis Februar 1862 ihr Winterlager aufschlagen.

Die Invasion von Kentucky und Tennessee (1862)

Die ersten aktiven Monate des Jahres 1862 nach dem Winterlager sind geprägt von weiterem Vorrücken in Kentucky, Tennessee und Alabama, die mit wechselhaftem Glück zumindest teilweise von Unions-Truppen besetzt werden. Von Februar bis April 1862 nimmt Wellmanns Regiment an der Belagerung von Bowling Green, Nashville, Murfreesboro, Shelbyville, Fayetteville und Huntsville teil. Vor Bowling Green KY (Februar) und Murfreesboro TN (März) hilft er mit beim Wiederaufbau von Brücken, die der Gegner beim Rückzug zerstört hat. Im April ist es umgekehrt: Sein Regiment zieht sich bei Decatur AL zurück und brennt die dortige Brücke über den Tennessee River ab.

Von Mai bis August ist Wellmanns Einheit im eroberten Huntsville AL als Besatzungstruppe stationiert und versieht dort einen effizienten, aber wohl wenig aufregenden Ordnungsdienst. Seine Tagebucheintragungen kreisen wiederholt um "Expeditionen", wohl Erkundungsfahrten, zu Fuß und mit der Eisenbahn in das Umland, bei welch letzterer Gelegenheit auch gleich Verpflegung und Gefangene mit transportiert werden. Daneben registriert er Veränderungen in der militärischen Führung, aber auch militärische Niederlagen von Nordstaaten-Truppen wie des Generals Crittenden in Murfreesboro TN am 13. Juli 1862, dessen Soldaten dort in Gefangenschaft geraten. Immerhin hatte sein eigenes Regiment bis vor drei Monaten selbst noch dort gelegen...

Im August 1862 wird Divisions-General Mitchel nach Washington beordert. An seine Stelle tritt General Rousseau, und unter seinem Befehl beginnt Colonel Lytles Regiment die lange Verfolgung von Südstaatentruppen unter dem Befehl von Major-General Braxton Bragg bis nach Kentucky hinein. Zu diesem Zeitpunkt gehört das 10th Ohio Infantry Regiment zur Army of the Ohio (Don Carlos Buell), First Corps (Alexander McD. Cook), Third Division (Lovell H. Rousseau), Seventeenth Brigade (William H. Lytle).

Am 2. Oktober 1862 erhält Wellmanns Regiment 60 Rekruten und marschiert mit ihnen Braggs Armee entgegen: Über Bloomfield, Chaplin und Macksville bewegt sich das First Corps auf Perryville zu, wo es am 8. Oktober 1862 zu einer heftigen Schlacht kommt. Die Schützen des 10th Ohio Infantry Regiment werden hierbei anfangs als taktische Unterstützung der Batterie eingesetzt und rücken, als diese ihre Munition verschossen hat und sich zurückzieht, auf den Hügelkamm vor. Es gelingt ihnen im Sturmangriff den Gegner zurückzuwerfen, müssen sich dann allerdings selbst unter blutigen Verlusten zurückziehen: Die Hälfte des Regiments bleibt tot auf dem Schlachtfeld zurück; der beliebte Brigadeoberst William H. Lytle wird schwer verwundet. Mit Mühe gelingt es seinem Stellvertreter, Colonel Joseph W. Burke, die aufgelösten Reihen neu zu ordnen und mit den Überlebenden die neuen Reihen zu erreichen. Auch Wellmann kommt mit dem Leben davon - er weiß wohl, um welche Haaresbreite, wenn er in seinem Tagebuch unter dem 8.10.1862 an die "blutige Mörderei bei Perryville" zurückdenkt...

Von Perryville aus marschiert nun die Army of the Ohio in kleineren Tagesmärschen Richtung Tennessee - offenbar ohne Kampfeinsätze, denn Wellmanns Tagebuch vermerkt einen ganzen Monat lang nur Truppenbewegungen und einmal eine Schlechtwetterperiode.

Gleich nach der Schlacht bei Perryville wird die im Westen eingesetzte Armee der Nordstaaten neu gegliedert. Ab dem 24.10.1862 nennt sie sich nun "Army of the Cumberland", entspricht aber im Wesentlichen der vorherigen "Army of the Ohio". Das Kommando geht von General Buell an General Rosecrans über - und damit beginnt für das 10th Ohio Infantry Regiment eine bessere Zeit.

General Rosecrans trifft in Bowling Green KY am 1. November 1862 bei seinen Truppen ein, die am 7. November vor ihrem neuen Befehlshaber paradieren. Rosecrans schlägt sein Hauptquartier in Nashville TN auf, verstärkt dort sofort die Truppen und lässt die beschädigte Strecke der Louisville und Nashville Railroad reparieren und bewachen, eine wichtige Nachschublinie der Armee mit dem Norden.

Schon bald geht das Gerücht, dass die 10th Ohio Infantry unter seinem Kommando eine besondere Rolle spielen soll. Schon im September 1861 hatte er sie ja bei Karnifex Ferry WV als kampfstarke Truppe kennen gelernt. Bei der Besatzung von Huntsville AL wurde sie von General Mitchel in den höchsten Tönen für ihre Tüchtigkeit und Disziplin gelobt. Rosecrans plant sie in den Rang einer Head-quarters and provost guard of the Army of the Cumberland zu erheben, einer Art Schutz- und Militärpolizeitruppe unter seinem persönlichen Kommando, womit ihnen ganz neue Aufgaben zugewiesen würden: Wachen für Hauptquartiere stellen; Gefangene bewachen; verhindern, dass bei Gefechten versprengte Soldaten zurückbleiben; wichtige militärische Kommunikationseinrichtungen schützen. - Alles in allem also ein weniger gefahrvoller Auftrag als der, Kanonenfutter zu spielen wie noch vor kurzem bei Perryville.

Denn dass der Bürgerkrieg an Härte und Verlusten zunimmt, entgeht auch Wellmann nicht:

Und auch um Wellmann selbst braut sich Unheilvolles zusammen: Um Nashville TN und vor Murfreesboro TN konzentrieren beide Bürgerkriegs-Seiten immer stärkere Truppenverbände. General Rosecrans trifft umfangreiche Vorbereitungen für eine Offensive auf Murfreesboro: Er strukturiert die 41.000 Mann starke Army of the Cumberland um und legt große Vorräte an, damit im Falle der Zerstörung von Nachschublinien die Verpflegung und Bewaffnung der Truppen sichergestellt ist. Sein Südstaaten-Rivale, General Bragg, hat sein Hauptquartier in Tullahoma TN aufgeschlagen und organisiert dort die "Army of Tennessee" (35.000 Mann), entschlossen, das mittlere Tennessee mit Waffengewalt während des kommenden Winters zu halten. - Beide Armeen rücken im Laufe des Dezembers gegeneinander vor und gehen am 26.12.1862 bei Murfreesboro TN in Stellung.

Vor Murfreesboro (1862/63)

Im Stil von Wellmanns bis dahin so nüchternem Tagebuch macht sich ab dem Dezember 1862 eine starke innere Anspannung bemerkbar. Zum ersten Mal beschreibt er etwas genauer, was um ihn herum und in ihm vorgeht: Strafen gegen Gesetzesbrecher und Bummler, Engpässe in der Verpflegung, die lauernde Nähe feindlicher Truppen, die Angst vor einer baldigen großen Schlacht, die Hoffnung auf eine privilegierte Stellung als Provost and Quarter Guard bei General Rosecrans.

Diese Hoffnung erfüllt sich schließlich am 19. Dezember, als der General sie offiziell mit der neuen Aufgabe betreut.

Schlacht am Stones River Wenig später, am 30. Dezember 1862, eröffnet Rosecrans mit einem Artillerieangriff auf Murfreesboro die viertägige Schlacht am Stones River. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit geraten dabei die Unionstruppen anfangs ins Hintertreffen und müssen den Konföderierten die Initiative überlassen. Die konsolidierten Verteidigungslinien General Rosecrans' hingegen können Braggs Verbände im Gegenschlag nicht durchbrechen; mehrere Brigaden kommen bei diesem Versuch ums Leben. Am Neujahrstag herrscht Waffenruhe; beide Seiten begraben ihre Toten und bereiten sich auf ein Wiederaufflammen der Kämpfe vor. Am 2. Januar 1863 versuchen Teile von Braggs Armee durch weitere Angriffe auf die Unionstruppen die Schlacht für sich zu entscheiden. Dabei geraten sie aber unerwartet in so starkes Artilleriefeuer, dass sie sich unter starken Verlusten zurückziehen müssen. Braggs Generäle erkennen nicht die Patt-Situation auf dem Schlachtfeld und drängen diesen zum gänzlichen Rückzug. Am 3. Januar 1863 zieht sich die Army of Tennessee unbehelligt Richtung Tullahoma TN zurück; fast 2000 Verwundete gehen in die Gefangenschaft. Beide Seiten zusammen erleiden Verluste von ca. 24.500 Mann.

Reparaturarbeiten an der EisenbahnDie Army of the Cumberland verbringt den nächsten Tag damit, die Toten zu bestatten und Verwundeten zu versorgen; am 5. Januar 1863 schließlich besetzen die Truppen von General Rosecrans Murfreesboro TN.

Während der Schlacht am Stones River kämpft die 10th Ohio Infantry unter dem Kommando von Colonel Burke bis auf die Kompanien A und C anfangs nicht aktiv mit, sondern schützt bei Stewart's Creek Transportwege und -mittel (Brücken und Züge). Es gelingt einem Teil der Einheiten, mehrere Züge zurückzuerobern, die die gegnerische Kavallerie erbeutet hatte. Die übrigen halten vom Schlachtfeld zurückströmende Soldaten der eigenen Armee auf; teils können sie sie beruhigen und wieder in die Schlacht schicken, teils nehmen sie sie in Arrest. Schließlich eilen 7 Kompanien dem von 3000 gegnerischen Kavalleristen umzingelten Colonel Innes, Michigan Engineers, im Ort La Vergne zu Hilfe, der dort die zurückeroberten Züge gegen eine erdrückende Übermacht zu verteidigen versucht. Bei ihrem Herannahen lässt die Kavallerie der Rebellen ihren Plan kampflos fallen und reitet zur Hauptabteilung zurück (vgl. Tagebuch S. 34-35).

Bis Juni 1863 versieht nun die für ihren Einsatz hochgelobte 10th Ohio Infantry ihren Dienst im Rahmen der Besatzungstruppe von Murfreesboro TN. Die Schanzanlagen der Stadt werden ergänzt und verstärkt für den Fall eines Gegenangriffs der Army of Tennessee. Verluste an Menschen und Material werden ausgeglichen mit Blick auf ein weiteres Vorrücken in Tennessee. Immer noch finden Artilleriegefechte und kleinere Scharmützel in der Gegend statt. Bei Expeditionen werden Gefangene gemacht. Einmal muss ein Feuer im Gerichtsgebäude gelöscht werden. Zerstörte Eisenbahngleise sind repariert; der Zugverkehr kommt langsam wieder in Gang; die Versorgungslage bessert sich - und mit ihr wohl auch die Möglichkeit für Schieber und Schwarzmarkthändler (vgl. Tagebuch S. 41-43).

Johann Friedrich Wilhelm Wellmann erlebt nicht mehr den Fortgang und das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. In diesem eher ruhigen Zeitabschnitt erkrankt er und stirbt am 2. März 1863 bei Murfreesboro. Es ist unwahrscheinlich anzunehmen, dass er einer der in Tennessee sonst durchaus üblichen Sumpffieber-Epidemien zum Opfer fiel - dafür war es im Februar wohl noch nicht warm genug.

Wellmanns Grabstein

So muss sein Tod auch für uns und nicht nur für seine Kameraden ein Rätsel bleiben, die sein Tagebuch für ihn beenden. Seine Militär-Stammrolle vermerkt für den Zeitraum März/April 1863: "Died March 2, Hospital at Murfreesboro". Dies widerspricht der Darstellung der "History of Hamilton County", die ihn als "in der Schlacht gefallen" (died in battle) registriert. Seine erste Grabstelle lag, wie im Tagebuch noch vermerkt, östlich "2 Meilen von Murfreesboro" entfernt, nämlich in Cripple Creek. Er wurde 1865 umgebettet und liegt heute auf dem Friedhof der Gedenkstätte Stones River National Battlefield, section B 474.