Historisches und Kunsthistorisches
1970 feierte die Kirche sowie die Stadt ihr 700-jähriges Bestehen. Doch hat das jetzige Kirchenbauwerk mindestens zwei Vorgänger. Bereits 850 stand hier eine Kirche, weil Graf Waltbert, ein Enkel des Sachsenherzogs Wittekind, nach Rom reiste, um dort wundertätige Reliquien zu empfangen, die der Missionsarbeit förderlich sein sollten. Die Gebeine des heiligen Alexander fanden in der Kirche Aufnahme, daher auch der Name Alexanderkirche. So wurde Wildeshausen schon früh zum Wallfahrtsort. Die heutige Kirche ist die einzige spätromanische Basilika im Oldenburger Land. Sie wurde erweitert zu einem Kanonikerstift. Das Kapitelhaus der Stiftsherren, der Remter, ist als ältestes Gebäude Wildeshausens bereits über 1000 Jahre alt und in romanischem Baustil errichtet.
Der Westbau ist als ältester Teil der Kirche aus gewaltigen, kunstvoll bearbeiteten Findlingsquadern errichtet. Er trug ursprünglich zwei Türme, die jedoch 1214 und 1219 einstürzten. Danach, etwa 1224, wurde ein Turm errichtet, so wie er noch heute steht. Er ist 55 m hoch, und in seinem Innern hängen drei Glocken, von denen zwei im Jahre 1494 gegossen worden sind. Der Turm wurde 1945 durch Artilleriebeschuss in Brand gesetzt; die Turmspitze brannte völlig aus, wurde aber 1948 in alter Form wieder errichtet. Durch die Renovierung (1907- 1910) kam der damals übliche Jugendstil in die Basilika hinein. Die letzte Renovierung fand im Jubiläumsjahr 1970 ihren Abschluss. Ein Kruzifix von Eichenholz aus der gotischen Zeit, das bis dahin im südlichen Querschiff unbeachtet und versteckt gehangen hatte, wurde restauriert und in der Kirchenmitte, im Vierungsbogen angebracht. Unter dem Kreuz steht nun der 12-Apostel-Altar von Prof. Schreiter aus Bremen. Eine Kanzel in gleichem Stil kam neuerdings ebenfalls in die Kirche. Glanzstück im Zuge der Renovierung wurde wohl die Kleuker-Orgel mit elektrischer Registertraktur und mit 38 Registern.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die herrlichen Fresken, die zumeist erst 1953 freigelegt wurden. Die Fresken in der Sakristei stammen aus dem 13. Jahrhundert und dürften die älteste Wandmalerei im norddeutschen Raum sein. - Zum Schluss sei noch auf den malerischen Kantorsbogen neben dem Giebel des Remter hingewiesen.