Historisches und Kunsthistorisches
Der Marktplatz war von jeher Mittelpunkt unserer Stadt. Unmittelbar an der viel befahrenen "Vlamsche Strat" bildete dieser Platz bereits im Mittelalter einen bedeutenden Umschlagplatz für Waren aller Art. Hier wurden aber nicht nur Käufe und Verkäufe getätigt, sondern auch Volks- und Gerichtsversammlungen abgehalten. Bereits 1281 wird davon urkundlich erwähnt. Dabei spielte "de groode Steen" eine beherrschende Rolle. Man glaubt, ihn bei der Renovierung des Platzes im Jahre 1979 freigelegt zu haben, und hat ihn in die neue Pflasterung eingearbeitet. - Ein weithin bekannter Markt war der St.-Ulrichs-Markt, der nachweislich seit 1298 alljährlich am 4. Juli abgehalten wurde. Im 14. Jahrhundert kam der Wintermarkt (am 28. Oktober) hinzu. Die wichtigsten Handelsgüter waren damals Öl, Butter, Heringe und Laken. Seit dem 15. Jahrhundert bildet der Marktplatz zusammen mit dem darangebauten Rathaus eine Stätte der Begegnung.
Mittelpunkt des Geschehens war der Platz im Jahre 1529, als die Münsteraner Burg und Stadt besetzt hielten und hier, vor dem Rathaus, den zweiten Bürgermeister Lickenberg zum Tode durch das Schwert verurteilten. Auf dem großen Stein wurde er, das eigene Haus vor Augen, enthauptet. (Die letzte Hinrichtung dieser Art fand in Wildeshausen 1722 statt.) Das demütigende Urteil aus Münster brachte Wildeshausen den Verlust der Stadtrechte und damit auch den Fortfall der Märkte, jedenfalls vorübergehend.
1747 wurde mitten auf dem Marktplatz der Brunnen errichtet, dessen Brunnenschächte wurde bei der Neupflasterung 1979 durch Betonscheiben kenntlich gemacht. Die steinerne Brunnensäule und die beiden Wasserkümpe aus Granitstein wurden von dem Bremer Steinhauer Freese geschaffen. Es darf noch erwähnt werden, dass nach alten Überlieferungen an der Stelle des Marktbrunnens in vorchristlichen Zeiten eine Irminsul gestanden hat, eine Statue von 16 Fuß Höhe. Die Figur, ein geharnischter Krieger, trug in der Rechten einen Spieß, in der Linken eine Waage. Der Kriegerhelm war mit einem Hahn geziert (Symbol der Wachsamkeit). Angeblich wurde die Irminsul nach Einführung des Christentums zerstört.
Der Marktplatz lag in alten Zeiten erheblich tiefer als jetzt. - Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Platz lange als Parkplatz. In den sechziger Jahren wurden leider zwei Fachwerkhäuser an der Südseite (neben dem Rathaus) zum Zwecke der Parkplatzvergrößerung abgebrochen. Seit 1980 hat Wildeshausen statt dieses Parkplatzes eine schöne Ruhezone erhalten. Der Platz dient wieder alten Zwecken. Wochenmärkte, Mai- und Herbstmärkte finden hier statt. Es ist nun eine Stätte der Begegnung und der Ruhe, die den Besucher zur besinnlichen Betrachtung des Rathauses und des Stadttreibens einlädt.