Lernen – Pohlw https://www.pohlw.de Homepage für Deutsche Literaturgeschichte, Methodentraining, Arbeitstechniken und um das Lernen zu lernen Tue, 14 Nov 2017 19:29:18 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8.5 130156481 Erörterung schreiben: Aufbau, Gliederung & Merkmale https://www.pohlw.de/lernen/technik/eroerterung/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/eroerterung/#respond Mon, 12 Jun 2017 22:40:22 +0000 https://www.pohlw.de/?p=254 Ab der achten Klasse wird von Schülern gefordert, dass sie sich mit einem Sachverhalt, einem Problem oder einer Meinung intensiv auseinandersetzen. Tagtäglich wägen Menschen ab, ob eine bestimmte Sache sinnvoll oder nutzlos ist. Auch später im Berufsleben werden Entscheidungen verlangt, die begründet werden müssen. Bereits bei einfachen täglichen Aufgaben sollen wir argumentieren und zu einem Ergebnis gelangen. Nehmen wir eine kleine Meinungsverschiedenheit als Beispiel. Du möchtest gerne am Abend mit deinen Freunden ist Kino gehen, doch deine Eltern erlauben es dir nicht. Du stellst deinen Standpunkt fest und versucht durch Argumente deine Eltern vom Kinobesuch zu überzeugen. Je besser deine Schilderungen und Argumente sind, desto größer ist die Chance des Erfolgs. Bei einer Erörterung gilt es genau diese Stärke hervorzubringen.

Was ist eine Erörterung?

Eine Erörterung ist eine Textform, in der zu einem bestimmten Thema oder einer Frage Stellung genommen wird. Hierbei sollen Argumente verwendet werden, die den eigenen Standpunkt belegen und begründen. Die Erörterung ist für die Schule eine wichtige Aufsatzform und ist besonders in den Jahrgangsstufen acht bis zehn sehr beliebt. Besonders wichtig für eine gelungene Erörterung ist, dass du dich argumentativ mit einem Problem auseinandersetzt und am Ende deiner Arbeit eine Lösung oder ein Kompromiss ersichtlich wird. Diese Argumente sind das Kernstück deiner Arbeit und bestehen grundsätzlich immer aus einer These, gefolgt von Argumenten, die durch eine genaue Begründung veranschaulicht wird. Vervollständigt wird dein Argument durch ein Beispiel. Der Rahmen deiner Arbeit wird durch einen festen Aufbau festgelegt: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Verschiedene Arten der Erörterung

Insgesamt gibt es drei Arten der Erörterung, die im Deutschunterricht geschrieben werden: Die lineare Erörterung, die textgebundene Erörterung und die freie Erörterung. Nachfolgend werden die drei Arten kurz beschrieben:

1. Die lineare Erörterung

Diese Form der Erörterung gibt eine zentrale Fragestellung vor, zu der du deine Argumente zunächst selbst sammelst. Wie der Name bereits erahnen lässt, wird der Fokus nur auf eine Seite der Argumentation gelegt. Eine mögliche Fragestellung könnte lauten: „Wieso werden Schüler durch Noten bewertet?“. Zunächst überdenkst du diese Frage und findest deinen eigenen Standpunkt, den du in der Argumentation vertreten möchtest. So kannst du dich beispielsweise zunächst entscheiden, ob du die These „Noten sind wichtig“ oder „Noten sollen abgeschafft werden“ vertrittst. Zu Beginn deiner Arbeit solltest du eine Einführung über den Sachverhalt schreiben und anschließend mit geeigneten Argumenten deine These verfolgen und zu einem überzeugenden Ergebnis gelangen.

2. Die textgebundene Erörterung

Grundlage deiner Arbeit ist ein vorgegebener Text, der dir entweder schon bekannt ist oder von deinem Lehrer frei gewählt wird. Dieser Text ist oftmals ein Sachtext oder ein aktueller Zeitungsartikel, der detailgenau analysiert werden muss. Die textgebundene Erörterung ist weniger frei als die lineare Erörterung und bedarf einer strikten Regelung. So sollen in der Einleitung folgendes erwähnt werden: Verfasser des Textes, Titel, Datum und Textsorte. Anschließend soll kurz beschrieben werden, wovon der Text handelt. Im Hauptteil gehst du wieder argumentativ mit deiner These nach und wählst Argumente, Begründungen und Beispiele. Meist wird im Hauptteil noch beschrieben, wie der Satzbau gewählt ist und welche rhetorischen Mittel im Text eingesetzt werden. Im Schluss erarbeitest du deinen eigenen Standpunkt heraus und gehst entweder mit der Meinung des Autors oder zeigst eine kritische Stellungnahme, die von der Meinung des Autors abweichen kann.

3. Die freie oder dialektische Erörterung

Diese Art der Erörterung wird gerne gewählt, denn sie wird durch PRO- und KONTRA-argumente gestaltet. Zu einer These oder einer Fragestellung soll der Schüler sowohl positive als auch negative Gesichtspunkte verdeutlichen. Besonders beliebt ist diese Art der Erörterungen, weil manche Themen nicht pauschal oder nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden können. Nehmen wir als Beispiel „Meine Familie möchte sich einen Hund anschaffen“. Zunächst überlegst du dir Argumente für die Anschaffung eines Hundes und im zweiten Schritt bedenkst du das Gegen. Grundsätzlich wird der Hauptteil bei freien oder dialektischen Erörterungen in zwei Teile getrennt. Im 2. Teil sollen deine Argumente folgen, die du am meisten vertrittst und so kommst du im Schluss zu deiner eigenen Meinung, die oft ein Kompromiss mit einer leichten Tendenz für eine Argumentationsseite ist.

Aufbau einer Erörterung

Eine Erörterung wird im Groben in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert. Im Hauptteil findet sich das Kernstück der Erörterung – die Argumentation. Hierzu werden Oberbegriffe bzw. Thesen formuliert, die durch geeignet Argumente gestützt werden. Eine Gliederung sieht in der Regel bei einer linearen Erörterung wie folgt aus:

A. Einleitungssatz

B. Fragestellung

1. Oberbegriff 1

a, Argument 1

b, Argument 2

2. Oberbegriff 2

a, Argument 1

b, Argument 2

……

C. Schlussgedanke/Fazit

– Die Einleitung

Die Einleitung ist das A und O für eine erfolgreiche Erörterung. In deiner Einleitung wird der Leser auf die zentrale Fragestellung oder These hingeführt. Besonders wichtig ist die Einleitung deshalb für den weiteren Verlauf deiner Arbeit. Hierbei soll die Einleitung das Thema kurz einleiten, das Interesse des Lesers wecken und kurz beschrieben werden, wie sich deine Argumentation gestaltet. Stell dir vor, dass dein Leser noch völlig ahnungslos von deinem Thema ist und du bist der Experte deiner Arbeit und versuchst den Leser für dich und deine Argumente zu gewinnen. Beginne daher deine Einleitung mit einem gewinnenden Einleitungssatz, der einen Bezug zu einem historischen oder aktuellen Ereignis herstellt. Auch persönliche Erlebnisse können als Einleitungssatz verwendet werden und auf das Thema hinführen. Bei der textgebundenen Erörterung ist das Erwähnen des Autors, Angaben von Erscheinungsdatum, Titel, Textart und eine Inhaltsangabe zum zu bearbeitenden Text vorgeschrieben. Der Leser soll in der Einleitung sanft auf den folgenden Hauptteil geführt werden und Grundinformationen über deine Arbeit bekommen. Achte anschließend auf eine schöne Überleitung zum Hauptteil.

Die Einleitung soll für den Leser folgende Elemente enthalten:

• Der Leser soll einen Überblick über das Thema erhalten

• Ein Einleitungssatz erleichtert den Einstieg in deine Argumentation

• Das Interesse des Lesers soll geweckt werden

• Ein Ausblick für die Argumentation im Hauptteil kann gegeben werden

• Tipp: Achte auf schöne Überleitungen, denn dies ist für die Lesbarkeit besonders wichtig!

• Achtung: Bei der textgebundenen Erörterung müssen erwähnt werden: Autor, Erscheinungsdatum, Titel, Textsorte und eine kurze Inhaltsangabe.

– Der Hauptteil

Der Hauptteil ist das Kernstück deiner Argumentation. Zuerst wird eine These formuliert, die im Laufe der Arbeit durch Argumente gestützt wird. Ein Argument besteht immer aus: Begründung und Beispiel. Wenn du deine These mit Argumenten füllst, soll zuerst das stärkste Argument erscheinen, gefolgt von den weniger starken Argumenten. Bei der freien bzw. dialektischen Erörterung beginnst du meist mit den PRO-Argumenten im Hauptteil 1 und anschließend folgen die CONTRA-Argumente im Hauptteil 2. Um geeignete Argumente zu finden, eignet sich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Überlege dir genau, welche Argumente nachvollziehbar und zu begründen sind. Die logische und strukturierte, sowie überzeugende Argumentation mit Belegen und Beispielen sind besonders ausschlaggebend für eine gute Benotung. Im Allgemeinen sind Argumente besonders bei textgebundenen Erörterungen in verschiedene Arten zu klassifizieren: Es gibt

 Faktenargumente

 Mengenargumente

 Logikargumente

 Wertargumente

 Autoritätsargumente

 Indirekte Argumente

Zusammengefasst ist also für den Hauptteil wichtig:

• These formulieren

• Argumente finden und durch Begründung und Beispiel veranschaulichen

• Zuerst das stärkste Argument, dann die weniger starken Argumente notieren

• Bei freien Erörterungen erst die PRO-, dann die CONTRA-Argumente beschreiben

• Tipp: Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du dir genügend Zeit für die Wahl deiner aussagekräftigen Argumente lassen. Begründung und Beispiel sind sehr wichtig für deine Argumente: Nur so kannst du überzeugen!

– Der Schluss

Im Schluss deiner Erörterung versuchst du eine Lösung, einen Kompromiss oder ein Fazit zu formulieren. Anhand der gewählten und ausformulierten Argumente soll ein Ergebnis für den Leser im Schluss ersichtlich werden. Bei freien Erörterungen kannst du beispielsweise auf der PRO-Seite bessere Argumente finden und so unterstützt du in der Regel diese Position. Wichtig im Schluss ist, dass du deine Argumente ganzheitlich betrachtest und dadurch ein nachvollziehbares Fazit hinterlässt. Im Schluss darf deine eigene Meinung immer geäußert werden. Stell dir einen gelungenen Schluss als Diskussion mit dir selbst vor. Mach dir auch bewusst, welche Argumente besonders stark in deinem Hauptteil waren und lass den Leser an deinen Gedanken Teil haben. Gerne kann im letzten Satz deines Schlusses noch ein Ausblick oder eine mögliche Gefahr, sowie ein Wunsch angesprochen werden. Ein offener Schluss regt den Leser an, sich weiter mit diesem Thema auseinander zu setzen. Insgesamt soll der Schluss deine Arbeit abrunden und gemeinsam mit der Einleitung den Rahmen für deinen Hauptteil bilden.

Denke also daran:

• Im Schluss soll ein Fazit oder ein Ergebnis formuliert werden

• Fasse deine Ergebnisse aus den Argumenten zusammen

• Spreche dich bei freien Erörterungen gerne für eine PRO- oder KONTRA-Seite aus

• Deine eigene Meinung ist gewünscht

• Runde deine Erörterung mit einem schönen Schluss ab

• Gib den Leser die Chance, sich weiter dem der Thematik zu befassen

Richtige Argumentation

Eine richtige Argumentation bedarf starker und überzeugender Argumente. Hier scheitern viele Schüler, weil sie zwar ein schlüssiges Argument in ihrer Arbeit liefern, dieses aber nicht mit Begründung und Beispiel verdeutlichen. Dies ist besonders wichtig und ausschlaggebend für eine gute Bewertung. Merke dir also bei jedem Argument, dass du immer einen Beleg und ein Beispiel anführen musst.

Nachdem du das Thema deiner Erörterung gewählt hast, solltest du erste Gedanken sammeln und auf einem Konzeptblatt niederschreiben. Lasse deinen Gedanken freien Lauf und lass dir Zeit für die Wahl deiner Argumente. Für eine erste Sammlung von Gedanken eignet sich eine sog. Mindmap. Schreib dir auf deinem Notizblatt am besten nur Stichpunkte auf, ausformulieren kannst du später auf deinem richtigen Arbeitsbogen. So sparst du dir wertvolle Zeit.

• Sammle deine Gedanken auf einem Notizblatt

• Erstelle eine Mindmap zur besseren Veranschaulichung

• Verwende aus Zeitgründen nur Stichpunkte

• Suche dir aussagekräftige Argumente

• Erstelle anschließend eine grobe Gliederung

Fällt dir für dein Argument kein passendes Beispiel ein, so sei kreativ und denke dir ein Beispiel aus. Findest du keinerlei Möglichkeit für eine Begründung oder ein Beispiel solltest du dein Argument verwerfen und nicht in deiner Arbeit verwenden. Im Folgenden findest du ein Beispiel für ein ausformuliertes Argument:

 Fragestellung: Sollte in Deutschland die Schuluniform eingeführt werden?

 Deine These: Die Schuluniform soll nicht eingeführt werden.

 Dein Argument: Schuluniform haben keine individuelle Passform

 Deine Begründung: Geschmäcker sind verschieden und Menschen identifizieren sich durch ihre Kleidung. Noch wichtiger ist aber der richtige Schnitt und eine angenehme Passform. Jede Figur ist anders und jeder Mensch fühlt sich in anderen Kleidern wohl. Schule soll ein Ort sein, an dem jeder Schüler die Kleidung tragen kann, die perfekt sitzt und passt.

 Dein Beispiel: Die Lieblingshose deiner Freundin passt dir überhaupt nicht, obwohl ihr eine ähnliche Figur habt. Sie fühlt sich darin wohl und du könntest sie nicht tragen.

Besonders wichtig ist, dass du immer diesen Dreischritt wählst:

• Behauptung/Argument

• Begründung

• Beispiel

Deine Argumente sollen sinnvoll gewählt werden und nachvollziehbar sein:

• Überdenke genau: Kann ich dieses Argument wählen – hat es genügend Stärke

• Finde logische Begründungen, so dass kein Widerspruch in sich entsteht

• Achte darauf, dass dein Beispiel wirklich ein Beispiel ist und keine weitere Begründung ist. Nehme gerne ein Beispiel aus deinem eigenen Erfahrungsschatz. Das Beispiel muss auch nicht immer der Wahrheit entsprechen, du kannst dir auch etwas ausdenken.

Häufige Fehler:

Viele Schüler finden unter den wählbaren Themengebieten sogleich ein passendes Thema. Dies ist ein guter Start für deine Argumentation. Wenn du dich für eine Fragestellung interessieren, dann zögere nicht und beginne deine Arbeit. Aber STOP!

• Fehler No. 1: Dir fallen sogleich viele Ideen und Argumente ein und du möchtest so schnell wie möglich mit dem Schreiben beginnen? Mache diesen Fehler nicht, sondern notiere dir deine Gedanken stichpunktartig auf einem Notizblatt. Erst denken, dann schreiben!

• Fehler No. 2: Sammle bei dialektischen Erörterungen für beide Seiten – für PRO und für KONTRA gleich viele Argumente. Auch wenn du bereits vorab eine Meinung über eine Fragestellung hast, sollst du die Gegenseite nicht vernachlässigen. Dies ist besonders wichtig für eine ausgewogene und erfolgreiche Argumentation.

„Wenn ich tolle Argumente finden, dann muss meine Erörterung eine gute oder sehr gute Note ergeben“ – Aufgepasst. Im Fach Deutsch zählt mehr als nur richtiges Argumentieren. Natürlich ist die Argumentation für deine Erörterung besonders wichtig, aber auch Satzbau-, Grammatik-, sowie Rechtschreibfehler sollen unbedingt vermieden werden.

• Fehler No. 3: Konzentriere dich nicht nur auf eine Argumentation. Überprüfe die gute Lesbarkeit und vermeide leichtsinnige Fehler, die sich in der Rechtschreibung eingeschlichen haben. Versuche außerdem keine zu kurzen und keine zu langen Sätze zu bilden.

• Fehler No. 4: Lehrer legen besonderen Wert auf schöne Überleitungen. Der rote Faden oder auch Stringenz genannt muss sich durch deine gesamte Arbeit ziehen. Bemühe dich besonders zwischen den einzelnen Argumenten um einen schön formulierten Überleitungssatz. Hier findest du einige Beispiele für Überleitungen:

o Außerdem sollte man bedenken, dass …

o Einerseits … / Andererseits …

o Darüber hinaus …

o Abgesehen von …, ist nicht außer Acht zu lassen, dass …

Dir fallen zu deinem Thema viele Argumente ein und du entscheidest dich lieber für viele Argumente, dafür sparst du bei deinen Begründungen und Beispielen etwas ein – Nein, so bitte nicht!

• Fehler No. 5: Wähle lieber weniger, dafür starke und überzeugende Argumente, die du mit Begründung und Beispiel hervorhebst. Sortiere weniger wichtige Argumente aus – auch wenn es dir schwerfällt. Konzentriere dich auf deine wichtigen Argumente!

Checkliste zur Erörterung

1. Ideen sammeln zur Fragestellung/zum Thema

– Mindmap erstellen oder Notizblatt für Brainstorming nutzen

– Formuliere deine These bzw. bei dialektischen Erörterungen deine PRO und KONTRA-Seiten

– Argumente sammeln und anschließend nach Wichtigkeit ordnen

– Sind meine Argumente stark genug und überzeugen?

2. Einleitung

– Formulieren einen Einleitungssatz-/gedanken

– Wecke das Interesse deines Lesers für dein Thema

– Achte bei textgebundenen Erörterungen auf wichtige Angaben in der Einleitung (Autor, Escheinungsdatum, Thema, Textsorte)

– Stelle die These vor und leite über zum Hauptteil

– Verwende in der Einleitung noch keine Argumente

3. Hauptteil

– Denke immer am: Das Argument ist eine Behauptung, welche immer begründet und mit einem Beispiel belegt werden muss.

– Behauptung – Begründung – Beispiel (BBB)

– Sind meine Argumente richtig geordnet und stimmen anschließend mit den Gliederungspunkten überein.

– Formuliere ansprechende und geeignete Überleitungen

4. Schluss

– Erarbeite anhand deiner Argumentation ein Fazit oder ein Ergebnis, ziehe daraus eine Schlussfolgerung

– Rundet der Schluss deine Arbeit ab und bildet mit der Einleitung einen Rahmen um den Hauptteil?

5. Sprachliche Gestaltung

– Wortwiederholungen vermeiden

– Rechtschreibfehler überprüfen

– Satzbau soll abwechslungsreich und nicht verschachtelt sein

– Hast du deutlich formuliert?

– Haben sich Ausdrucksfehler eingeschlichen?

– Eine Erörterung soll im Präsens also in der Gegenwart geschrieben sein.
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Inhaltsangabe schreiben: Aufbau, Regeln & Merkmale https://www.pohlw.de/lernen/technik/inhaltsangabe/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/inhaltsangabe/#respond Mon, 12 Jun 2017 22:36:49 +0000 https://www.pohlw.de/?p=252 Eine Inhaltsangabe beinhaltet die wesentlichen Merkmale der Handlung eines Buches, Textes oder Films. Dabei wird ausschließlich auf das Wesentliche eingegangen. Details werden nicht erwähnt. Eine Inhaltsangabe soll den Leser in die Lage versetzen, einen Überblick über die wichtigsten Handlungsschritte zu gewinnen. Es macht keinen Sinn mit Details anzufangen oder diese überhaupt zu nennen.

Eine Inhaltsangabe sollte so geschrieben werden, dass ein Leser, der die Geschichte nicht kennt, den Inhalt schnell erfassen und leicht verstehen kann. Dabei ist auf eine leicht verständliche Sprache zu achten, damit die Inhaltsangabe flüssiger gelesen werden kann.

Aufbau einer Inhaltsangabe

Die Einleitung

Die Einleitung enthält Informationen über den Autor, den Titel, die Textsorte, sowie eine kurze Zusammenfassung des Textinhaltes. Schwierig könnte es hier für den Schüler werden die richtige Textsorte zu benennen.

Exkurs: Grundsätzliches zu Textsorten

Grundsätzlich können zwei Arten von Texten unterschieden werden: Sachtexte, mit denen der Schüler in der Schule oft konfrontiert wird. In Sachtexten schreibt der Autor, was er in der wirklichen Welt beobachtet. Er darf nichts erfinden und er versucht die echte Welt so genau wie möglich zu beschreiben.

Im Gegensatz zu Sachtexten stehen die literarischen Texte. Hier besteht häufig die Aufgabe für den Schüler eine Inhaltsangabe zu schreiben. Bei diesen Texten hat der Autor den Inhalt frei erfunden. Es kann sein, dass einige Teile der Geschichte stimmen, manche Teile sind erfunden oder vielleicht ist auch alles erfunden. Der Verfasser hat es in der Hand, wie er die Welt in seiner Geschichte beschreibt.

Was ist ein Prosatext?

Ein Prosatext ist eine Geschichte, meistens im Präteritum verfasst ist. Es gibt folgende Prosatexte (Der Begriff der Erzählung ist der Oberbegriff für Prosatexte):

  • Anekdote (Kleinformen)
  • Fabel
  • Kalendergeschichten (Kleinformen)
  • Kurzgeschichte (Kleinformen)
  • Novelle (Kleinformen)
  • Roman (Großformen)
  • Schwank (Großform)
  • Parabel (Kleinform)

Beispiele literarischer Kurzprosa zur Unterscheidung

  • Märchen: “Es war einmal…” Ein Märchen spielt in einer abstrakten und wunderbaren Welt. Es gibt keine genaue Orts- oder Zeitangabe. Es gibt einen Helden, der eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss. Märchen haben immer ein gutes Ende.
  • Fabel: Auch hier gibt es keine bestimmte Zeitangabe. Zentral ist, dass Tiere die Haupfiguren spielen. Dabei bekommen sie menschliche Eigenschaften. Mithilfe einer Fabel versucht der Verfasser Kritik zu üben. Fabeln sind in der Regel sehr kurz und haben am Ende eine belehrende Moral.
  • Kurzgeschichte: Mit Kurzgeschichten hat der Schüler es im Deutschunterricht öfters zu tun. Hier wird ein besonderes Ereignis aus dem Alltag erzählt. Es gibt einen unmittelbaren Einstieg in die Geschichte und damit keine Einleitung.Meistens wird in einer Kurzgeschichte nur von wenigen Minuten oder wenigen Stunden der handelnden Person berichtet. Es gibt also nur eine kurze Erzählzeit. Auch der genaue Ort der Geschichte ist meistens nicht bekannt. Der Leser der Kurzgeschichte erhält nur wenige Informationen über die handelnden Personen.

    In einer Kurzgeschichte gibt es oft einen offenen Schluss und der Leser muss sich ein eigenes Urteil bilden, über das, was er in der Geschichte erfahren hat. Es ist also nicht klar, wie die Geschichte zu Ende geht. Darin liegt die Herausforderung für den Leser.

Der Hauptteil

Nachdem der Text vom Schüler gründliche gelesen worden ist, sollten folgende W-Fragen kurz und in Stichpunkten beantwortet werden:

  • Wo und wann spielt die Geschichte? Bei bestimmte Textsorten, besonders die der Kurzprosa, gibt es keine genauen Angaben zum Zeit und dem Ort. Hinweise, die sich aus dem Text ergeben, können genannt werden. Es sollten jedoch keine Mutmaßungen wiedergegeben werden. Wenn der Autor Ort und Zeit nicht explizit nennt, dann ist ihm dies unter Umständen auch nicht wichtig.
  • Wer handelt? Welche Figuren kommen vor? Hier ist es wichtig die Figuren festzuhalten, die für die Handlung der Geschichte relevant sind. Nebenfiguren, die eigentlich keine Rolle spielen und für die Entwicklung der Geschichte nicht wichtig sind, sollten nicht erwähnt werden. Auf die handelnden Hauptfiguren ist sich zu konzentrieren.
  • Was geschieht? Und wie geschieht es? Hier ist die äußere Handlung der Geschichte von der inneren Handlung der Figuren zu unterscheiden und zu beschreiben. Eine Vermischung von äußerer und innerer Handlung ergibt keine gute Inhaltswiedergabe.
  • Warum geschieht es? Warum etwas in einer Geschichte geschieht, ist nicht immer leicht zu erkennen. Hier muss der Schüler nachdenken und sich mit der Geschichte und ihrer Botschaft auseinandersetzen, damit er im einzelnen auf das Warum Rückschlüsse ziehen kann. Hierin kann eine Schwierigkeit liegen, die nur mit einer intensiven vorangegangenen Beschäftigung mit der Lektüre, bewältigt werden kann.
  • Welche Folgen hat das Geschehen? In der Folge lässt sich ein Ergebnis einer oder mehrerer im Zusammenhang stehenden Handlungen formulieren. Oftmals gibt es einen Wendepunkt in einer Geschichte, die ausgelöst wurde durch eine Handlung und die für sich wiederum Folgen für den weiteren Verlauf der Geschichte auslöst.

Als nächstes sind die wesentlichen Handlungsmerkmale der Geschichte in wesentlichen Stichpunkten aufzuschreiben. Dabei gilt es die äußere Handlung der Geschichte als auch die innere Handlung der Figuren in der Geschichte zu betrachten. Die Handlung einer Geschichte wird in einer Inhaltsangabe grundsätzlich chronologisch zusammengefasst. Die Inhaltsangabe ist damit geordnet und übersichtlich aufgebaut.

Unterschied zwischen Handlung und Thema

Handlung

Das Thema und die Handlung einer Geschichte sind nicht dasselbe. Literarische Texte besitzen eine Handlung. Beispielsweise könnte es sein, dass sich in einer Geschichte ein Junge und ein Mädchen vor der Schule treffen. Sie lernen sich kennen und verabreden sich. Sie gehen ins Kino und verlieben sich. Irgendwann erscheinen sie als Paar in der Schule. Diese Handlung ist das, was in der Geschichte passiert. Sie wird im Text erzählt und beschrieben.

Thema

Das Thema der Geschichte leitet sich aus der Handlung ab. Im vorangegangenen Beispiel könnte das Thema die Liebe zwischen Junge und Mädchen sein. Der Schwerpunkt könnte aber auch in dem Zufall liegen, dass sich beide zufällig vor der Schule getroffen haben. Oder der Fokus liegt auf dem Glück dieses Schicksals. Es gilt herauszufinden, worauf der Autor der Geschichte den Schwerpunkt des Themas gelegt hat. Das ist nicht immer leicht zu erkennen.

Das genaue Thema ergibt sich dabei aus dem Zusammenhang der Handlung. Die Schwierigkeit liegt darin, dass dies nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Manchmal muss der Schüler genau überlegen, was das Thema sein könnte. Das Hauptthema eines Textes muss sich der Schüler selbst erschließen. Es wird nicht explizit im Text genannt.

Mit diesen Informationen kann der Schüler anfangen einen Hauptteil zu schreiben. Inhaltsangaben werden immer Präsens (Gegenwart) geschrieben. In keinem Fall darf in der Vergangenheitsform geschrieben werden.

Die Länge der Inhaltsangabe kann von dem Lehrer vorgegeben werden.

Der Schluss

Im Schlussteil der Inhaltsangabe hat der Schüler die Möglichkeit seine eigene Meinung abzugeben. Er kann sich darauf beziehen, welche Wirkung das Werk hat und welche sprachlichen Auffälligkeiten es in der Geschichte gibt.

Der Schlussteil sollte immer kurz gehalten werden wie die Einleitung. Bei einer Inhaltsangabe darf der Schluss sogar weggelassen werden, weil der Schluss nichts mehr mit dem Inhalt zu tun hat, sondern sich mit der Wirkung der Geschichte befasst.

Der Lehrer wird dem Schüler vorgeben, ob ein Schluss geschrieben werden soll oder nicht.

Merkmale einer guten Inhaltsangabe

  • Textsorte: Der Schüler ist in der Lage die Textsorte zu bestimmen. Dafür sollte er die verschiedenen Formen von Prosatexten kennen und definieren können. Kenntnisse über literarische Kleinformen (Anekdote, Kurzgeschichte, Kalendergeschichten, Novelle, Parabel) und Großformen (Roman, Schwank) müssen da sein.Der Schüler hat sich auf die Bennenung des vorliegenden Textes zu beschränken und darf nicht sein ganzes Wissen über die noch anderen existierenden Textsorten niederschreiben. Eine Inhaltsangabe ist keine Wissensabfrage.
  • Zeitform: Die Inhaltsangabe ist immer im Präsens zu schreiben. Die Wahl der Vergangenheitsform ist in diesem Fall ein Fehler
  • W-Fragen: wer, was, wann, wo, warum, wie, wozu – diese Fragen gehören in den Hauptteil der Inhaltsangabe
  • Inhalt mit eigenen Worten wiedergeben: Es ist wichtig, dass eine leicht verständliche Sprache gewählt wird, damit auch ein Leser, der die Geschichte nicht kennt, die Inhaltsangabe versteht und einen guten Überblick über die Geschichte bekommt. Der Schüler sollte fähig sein, die Inhaltsangabe in eigenen Worten wiederzugeben.
  • Indirekte Rede verwenden: Es sind keine Zitate zu verwenden. Jedes direkte Wort ist ein Fehler. Die direkte Rede ist in indirekter Rede wiederzugeben
  • Reihenfolge: Das Geschehen bzw. die Handlung der Geschichte ist in einer Inhaltswiedergabe grundsätzlich in chronologischer Reihenfolge zusammenzufassen.
  • Länge: Die Länge der Inhaltsangabe wird häufig vom Lehrer angegeben. Der Schüler sollte darauf achten, dass die Einleitung und der Schluss der Inhaltsangabe kurz gehalten ist. Sie dürfen nicht länger oder genauso lang wie der Hauptteil sein.

Checkliste für eine gute Inhaltsangabe

Checkliste für die Einleitung

  • Textart
  • Quelle: Autor, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungszeit
  • Inhalt/Thema/Kernaussage des Textes in ein bis zwei Sätzen wiedergeben

Checkliste für den Hauptteil

  • Beantwortung der W-Fragen
  • Wesentlichen Merkmale der äußeren und inneren Handlung aufschreiben
  • Inhaltsangaben immer chronologisch schreiben, also in der Reihenfolge, in der die Handlung passiert.
  • Inhaltsangaben werden grundsätzlich im Präsens geschrieben
  • Ergebnis der Handlung

Checkliste für den Schlussteil

  • eigene Meinung kurz darstellen
  • sprachliche Auffälligkeiten der Geschichte erwähnen, wenn es welche gibt
  • Lehrer fragen, ob Schlussteil für Inhaltsangabe geschrieben werden soll

Häufig gemachte Fehler

  • Eine Inhaltsangabe in der Vergangenheit zu schreiben ist falsch. Falsch: Der Mann und die Frau trafen sich vor einem Supermarkt.Richtig: Der Mann und die Frau treffen sich vor einem Supermarkt.
  • In eine Inhaltsangabe gehören keine Details. Falsch: Der Mann, der einen feinen dunkelblauen Anzug mit Krawatte trug, traf die Frau vor dem Supermarkt. Richtig: Der Mann traf die Frau vor dem Supermarkt.
  • Keine Wiedergabe direkter Rede. Falsch: Er fragte:”Darf ich ihnen ein Kompliment machen?” Richtig: Auf die Frage, ob er ihr ein Kompliment machen dürfe…
  • Einleitung und Schluss werden zu lang gehalten
  • Die Handlungen werden nicht chronologisch erzählt
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Ergiebige WWW-Quellen zum Thema Lernen https://www.pohlw.de/lernen/kurs/lernlink/ https://www.pohlw.de/lernen/kurs/lernlink/#respond Sat, 10 Jun 2017 00:59:59 +0000 https://www.pohlw.de/?p=226 Hier finden Sie verschiedene und gut fundierte Links zum Thema lernen:

 

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Leitseite Unterricht und Lernen https://www.pohlw.de/lernen/lernstart/ https://www.pohlw.de/lernen/lernstart/#respond Sat, 10 Jun 2017 00:22:49 +0000 https://www.pohlw.de/?p=218 Hier gibt es drei Kategorien:

Das Lernen lernen

Einige Artikel welche sich mit der Theorie und Praxis von Lernverfahren beschäftigen.

Methodentraining

Eine Sammlung von Materialien, um den Weg zur Erstellung einer Präsentation von Schülern zu simulieren.

Arbeitstechniken zum Fach Deutsch

Hier werden die wichtigsten Arbeitsformen für das Fach Deutsch vorgestellt und erklärt.

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Charakterisierung schreiben: Aufbau, Gliederung & Merkmale https://www.pohlw.de/lernen/technik/charakterisierung/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/charakterisierung/#respond Fri, 09 Jun 2017 12:35:28 +0000 https://www.pohlw.de/?p=210 Bei der Charakterisierung einer Figur handelt es sich in der Regel um eine Person, über die durch irgendein Medium etwas erfahren wird. Das entsprechende Medium kann ein Buch, ein Film, ein Computerspiel oder ein Hörbuch sein. In der Schule befasst sich der Unterricht häufig mit schriftlich verfassten Werken in Form von Romanen, Kurzgeschichten oder Novellen. Aber auch eine Figur aus einem Film kann Gegenstand einer Charakterisierung sein.

Die betreffende Figur gilt es in analytischer Weise zu charakterisieren. Dazu gehört nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die Eigenschaften der Person, die Einfluss auf das soziale Umfeld und ihr Leben haben. Dabei ist der Schwerpunkt auf das zu legen, was für die Handlung und die Entwicklung der Geschichte wichtig ist. Und gerade darin liegt auch die Schwierigkeit einer Charakterisierung.

Die Außensicht und die Innensicht einer zu charakterisierenden Figur stehen meistens im Zusammenhang mit der Geschichte. Diesen Zusammenhang gilt es bei der Charakterisierung herauszuarbeiten. Ein objektiver Dritter muss den Text verstehen können.

Aufbau einer Charakterisierung

Einleitung

In der Regel ist in der Einleitung zunächst Bezug auf das Werk zu nehmen. Dazu gehören der Titel des Werkes, der Name des Autors und die Textsorte oder das entsprechende Medium (Buch, Film, Computerspiel etc.), um das es geht. Auch das Erscheinungsdatum des Werkes gehört in die Einleitung und dient als Beleg einer wissenschaftlichen Arbeit in dieser Form der Aufgabenstellung.

In möglichst wenigen Worten ist das Kernthema der Geschichte zusammenzufassen. Das lässt sich in zwei bis drei Sätzen bewerkstelligen. Das Kernthema sollte so erfasst werden, dass prägnant und zielgenau beschrieben wird, um was es bei der Geschichte geht. Eine Einleitung darf bei einer Charakterisierung niemals zu lang sein.

Eine neutraler Leser sollte in der Lage sein den Text zu verstehen, ohne die Aufgabenstellung zu kennen.

Die Bezugnahme und die Erstellung eines Zusammenhangs mit und auf das Werk ist unbedingt nötig. Denn diese Elemente dienen der eigentlichen Charakterisierung der fiktiven Figur.

Der kurzen Einleitung schließt sich im Idealfall ein Satz an, der in den Hauptteil der Charakterisierung einführt. Ohne Heranführung in die eigentlichen Charakterisierung steht sie Einleitung isoliert und zusammenhangslos für sich. Für ein besseres Verständnis und einen leichten Lesefluss ist eine Überleitung sinnvoll und beweist ein Denken im Sachzusammenhang.

Hauptteil

Im Hauptteil findet die eigentliche Charakterisierung statt. Diese beginnt mit der Außensicht der Figur.

Außensicht

Wenn die zu charakterisierende Figur einen Namen hat, so muss dieser als erstes erwähnt werden. Es gibt aber auch Geschichten, in denen man den Namen der Figur nicht erfährt. In diesem Fall liegt das Anliegen des Autors auf anderen Dingen.

Der Schüler hat sich bei der Aufgabenstellung zunächst auf das äußere Erscheinungsbild zu konzentrieren. Dazu zählen das Geschlecht, das Alter, der Kleidungsstil und das Aussehen der fiktiven Figur. Es geht hierbei nicht darum nur die Haarfarbe einer Person festzuhalten, sondern auch um die Kleidung, die sie trägt oder ob es besondere äußerliche Wiedererkennungsmerkmale des Charakters gibt.

Zu einer Charakterisierung gehört auch das soziale Umfeld der Figur, sofern dieses in der Geschichte vorhanden ist. Dazu gehört, welchem Beruf die Figur nachgeht, wie der ihr Beziehungsstatus aussieht. Die Figur kann verheiratet sein und eine Familie haben oder in ihrem Umfeld bewegen sich wichtige Freunde oder Personen, die für das Handeln der zu charakterisierenden Figur und für die Handlung der Geschichte wichtig sind.

Bis zu diesem Punkt kümmert sich die Charakterisierung um offensichtliche und oberflächliche Merkmale. Nachdem diese erfasst worden sind, fängt das eigentliche Problem einer Charakterisierung an:

Eine Schwierigkeit der Geschichte (und damit ein Problem) kann sich ergeben, indem der Autor dem Leser der Geschichte nicht immer alles erzählt und über das Umfeld der Person nichts in informativer Weise erfahren werden kann. In diesem Fall ist sich an den Handlungen der Figur zu orientieren und daraus können sich dann entsprechende Rückschlüsse ergeben.

Eine weitere Schwierigkeit der Charakterisierung kann sich im Herausfiltern der Merkmale selbst ergeben. Was wichtig ist für die Handlung der Geschichte und was nicht?

So ist die Tatsache, dass die Figur eine Brille trägt nicht unbedingt wichtig für die Handlung, aber wichtig für ein äußeres Merkmal der Figur, wenn es sich um ein Markenzeichen der Person handelt, die sie im Vergleich zu anderen Figuren der Geschichte unverwechselbar macht.

Wenn sich bestimmte Merkmale in einem direkten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte setzen lassen, so sind jene Merkmale auch wichtig in einer Charakterisierung zu erwähnen.

Als nächstes geht um das Verhalten einer Person. Dazu zählen neben Interessen, Vorlieben und Abneigungen der Person auch die Art der Sprechweise der Figur. Zu erfassen ist, wie die Person kommuniziert mit anderen und unter Umständen mit sich selbst.

Es kann sein, dass die Figur in direktem Kontakt zu anderen Menschen steht oder aber gerade einen Kontakt mit Menschen meidet. Steht sie mit anderen Personen in Kontakt, hat sie vielleicht einen bestimmte Akzent beim Sprechen oder sie leidet unter einer Sprachbehinderung. Es kann auch sein, dass der Charakter überhaupt nicht spricht und nur aus den Handlungen auf das Verhalten Rückschlüsse gezogen werden können.

Eine Figur, die während der gesamten Geschichte beispielsweise krank zu Hause im Bett liegt, wird keinem Menschen begegnen. Die Handlung wird durch ihre Gesundheit beeinflusst und findet drinnen statt..

Zum Verhalten zählen auch die Probleme, Gefühle, die Einstellung gegenüber bestimmten Dingen und die Art wie die Figur denkt. Diese Komponenten sind wichtig für die Außenwirkung der Figur und sie beeinflussen den Verlauf der Handlung und der gesamten Geschichte und sind in einer Charakterisierung umfassend zu analysieren.

Die einzelnen Merkmale hängen in einer Geschichte, sofern sie wichtig für die Handlung sind, auch immer zusammen. In der Regel ist eine Figur in der Weise gestrickt, dass viele ihrer Eigenschaften in einem direkten Zusammenhang stehen. Diesen Zusammenhang gilt es analytisch herauszuarbeiten. Sowohl in Geschichten als auch im wahren Leben wird sich keine Bankangestellte finden, die in Sportklamotten Kunden ihre betreut.

Innensicht

Es folgt die Innensicht der Figur. Dazu zählen Gefühle, Handlungsweisen, Probleme, Verhalten und Motivationen. Es ist herauszufinden warum die zu charakterisierende Figur gerade auf diese Weise handelt und nicht anders. Folgende Fragen können bei der Charakterisierung im Teil der Innenansicht helfen:

Welchen Einfluss hat die Figur und wie sieht sich selbst?

Welche Auswirkungen hat die Figur auf den Verlauf der Geschichte?

Hat sich die Figur im Laufe der Geschichte entwickelt oder hat sie sich nicht entwickelt?

Ein Blick auf den Gesamtverlauf der Geschichte ist wichtig, um Zusammenhänge zu erkennen, die mit der Charakterisierung des Innenlebens in direkter Verbindung stehen.

Exkurs: Explizite und implizite Charakterisierung

  • Explizite CharakterisierungAlle bisher beschriebenen Beispiele zeigen, wie Personen durch andere (Erzähler, Figuren) analysiert werden oder sich selbst in charakterisierender Weise analysieren können.Diese Formen der Charakterisierung erfolgen explizit. Das bedeutet, dass entsprechende Eigenschaften durch andere Figuren, den Helden des Romans oder durch den Erzähler selbst offensichtlich aufgeführt werden.
  • Implizite CharakterisierungDie implizite Charakterisierung ist das, was nicht gesagt wird, aber dennoch offensichtlich ist. Handelt es sich vielleicht um einen passiv/aggressiven Charakter, der durch das bestimmte Unterlassen einer Handlung (z.B. nicht mitlachen) eine ganze Situation im Stillen steuern kann? Hier wird nicht auf direktem Wege kommuniziert, sondern durch konkludentes Verhalten, dass offensichtliche Außenwirkung erzeugt.Bei der expliziten und impliziten Texterstellung empfiehlt es sich diese farblich voneinander zu trennen. Auf diese Weise lässt sich schneller erkennen, welche Andeutungen im Text klar kommuniziert werden und welche nicht.

Schluss

Im Schluss darf der Schüler nun seine eigene Meinung zum Charakter darlegen. Er darf ihn kritisieren. Die sollte aber in aller Kürze geschehen. Im Schluss sollte die Figur und das Gesamtwerk nochmals zusammenfassend in Verbindung gesetzt werden. Die Schwierigkeit hierbei liegt darin, die wirklich wichtigen Eigenschaften der Figur festzuhalten und unwichtige Dinge wegzulassen.

Unwichtige Elemente können eine Charakterisierung in die Länge ziehen und unübersichtlich machen. Es wäre schlicht falsch den Fokus auf Dinge zu verschieben, die mit der Handlung und der Entwicklung der Geschichte nichts zu tun haben.

Was ist das Ziel einer Charakterisierung?

Eine Charakterisierung hat das Ziel, die wichtigsten Merkmale einer Figur zu umfassen, die für die Handlung der betreffenden Geschichte relevant sind. Die Eigenschaften einer Figur können helfen, ihre Taten und Handlungen zu verstehen.

Eine Charakterisierung kann sowohl für reale Personen als auch für fiktive Charaktere geschrieben werden. In der Schule wird sich die Aufgabenstellung einer Charakterisierung auf eine Figur eines Mediums beziehen (Roman, Kurzgeschichte, Film etc.).

Der Unterschied zu einer Personenbeschreibung liegt in der Detailtiefe der Merkmale der Figur. Die Personenbeschreibung konzentriert sich auf die äußeren Merkmale des Charakters, während bei einer Charakterisierung auch das Innenleben der Person erfasst werden muss.

Die Charakterisierung umfasst die Außenwirkung der Person, ihr Innenleben und das äußere Erscheinungsbild und versucht über diese Merkmale einen Zusammenhang mit den Charaktereigenschaften der Figur zu erstellen.

Das Innenlebens der Figur darf bei einer Charakterisierung nicht fehlen.

Das Wort Charakter stammt aus dem Griechischen ab und bedeutet übersetzt Prägestempel.

Vorbereitung einer Charakterisierung

Bevor sich der Schüler dem Lesen widmet, sollte dieser sich entsprechende Schreibmaterialiern zurechtlegen. Für die Markierung wichtiger Passagen im Text sind Textmarker ideal. Diese können in verschiedener Farbe auch zur Abgrenzung unterschiedlicher Merkmale dienen. Die äußeren Merkmale können in einer Farbe und die inneren Merkmale in einer anderen Farbe markiert werden.

Alternativ können ein normaler Stift oder bunte Klebezettel benutzt werden, damit bestimmte Textpassagen leichter wiedergefunden werden können.

Wenn ein wichtiger Teil für die Charakterisierung einer fiktiven Figur aus dem Text markiert oder angemerkt wird, ist eine Kennzeichnung der Seitenzahl und der Zeile erforderlich. Das sind Elemente, die für ein wissenschaftliches Arbeiten dieser Art dazu gehören. Wer ein Merkmal beschreibt, darf nicht nur behaupten, sondern muss auch belegen können, wo es steht.

Egal um welches Medium es sich handelt: Der Schüler sollte sich den Text mehrmals durchlesen. Handelt es sich um einen Film, sollte dieser öfter angeschaut werden.

Merkmale einer guten Charakterisierung

  • Für die Geschichte relevante äußere und innere Merkmale der Figur sind festzuhalten
  • Wichtige Merkmale der Person sind im direkten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte zu bringen
  • Elemente der Charakterisierung sind durch Textstellen zu belegen (Seitenzahl, Textabschnitt, Zitat)
  • Titel des Werkes, Name des Autors und Erscheinungsdatum des Werkes sind vollständig wiederzugeben
  • Die Präsensform der Charakterisierung ist strikt einzuhalten
  • Text ist so zu schreiben, dass ein Leser, der nicht mit der Aufgabenstellung betraut ist, den Text ohne Probleme verstehen kann
  • Einleitung und Schluss sind klar und prägnant formuliert

Häufige Fehler

  • Präsensform der Charakterisierung ist nicht eingehalten. Beispiel: Richtig: “Der Advokat Coppelius ist ein großer Mann, hat markante Schultern, einen verhältnismäßig großen Kopf und grüne Augen (S. 7).” Falsch: “Coppelius war ein großer Mann…”
  • Es wird eine Behauptung über die Figur aufgestellt, die im Text nicht belegt wird durch eine Seitenzahl, einen Textabschnitt und eine Zeilenangabe. Wer keine Textvorlage hat kann in diesem Fall die Szene, auf die Bezug genommen wird ganz kurz beschreiben.
  • Außensicht und Innensicht der Figur werden nicht geordnet aufgeführt
  • Wichtiges wird nicht von unwichtigem getrennt
  • Es wird kein Zusammenhang zwischen den Merkmalen und der Handlung der Figur aufgestellt.

Checkliste zum Schreiben einer guten Charakterisierung

  • Einleitung: enthält erforderliche Informationen (Name des Autors, Titel des Werks, Erscheinungsjahr des Werks, Textsorte/Medium, Ort/Zeit der Handlung der Geschichte, Kernthema der Geschichte)
  • Hauptteil: Die Darstellung ist gut gegliedert in der Reihenfolgen von außen nach innen.
  • Das äußere Erscheinungsbild ist dargestellt. Äußere Merkmale sind aufgezeigt: Beruf, soziale Stellung im Umfeld etc.
  • Für die Figur typisches Verhalten, Charaktereigenschaften, innere Einstellungen, Eigenschaften, Wertvorstellungen etc. sind aufgezeigt.
  • Die Wahrnehmung der Figur durch andere Personen und die Beziehung zum Umfeld sind aufgezeigt und interpretiert.
  • Veränderungen und Entwicklungen des Charakters sind im Verlauf der Geschichte dargestellt.
  • Alle aufgezeigten Merkmale stehen in einem aufgezeigten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte.
  • Jede Analyse ist am Text belegt (Seitenzahl,Textabschnitt, Zeile,Zitate).
  • Der Schlussteil gibt eine abschließende Beurteilung des Charakters und der Art ihrer Darstellung in der Geschichte wider
  • Einleitung, Hauptteil und Schluss müssen vorhanden sein. Der Hauptteil nimmt den größten Teil des Textes ein.
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Leitfragen zur Interpretation von Dramen https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik10/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik10/#respond Sun, 04 Jun 2017 21:38:09 +0000 https://www.pohlw.de/?p=71 https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik10/feed/ 0 71 Gedichtinterpretation schreiben: Aufbau, Gliederung & Beispiel https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik12/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik12/#respond Sun, 04 Jun 2017 21:37:45 +0000 https://www.pohlw.de/?p=73 Gedichtinterpretationen gelten als langweilig. Doch ist es eines der faszinierendsten Dinge, die man in Schule und Freizeit unternehmen kann, sich mit Gedichten zu beschäftigen, sich ihnen zu nähern, sie zu verstehen, ihre Bedeutungen zu entschlüsseln und uns von ihnen bereichern zu lassen. Dazu lohnt es sich, wenn man sich sensible und angemessene Formen von Gedichtinterpretationen aneignet. Einem Gedicht wollen wir uns nähern, wie einer Dame beim Ball: höflich, sensibel und intelligent. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass wir uns verlieben; in die Dame oder in das Gedicht. Und dazu sollte man tanzen können, ebenso wie es sich lohnt, ein Gedicht lesen und verstehen zu können!

Was ist eine Gedichtinterpretation?

Gedichte gehören zu den ältesten Äußerungsformen der Menschheit. In prähistorischen Kulturen gab es keine Unterscheidung zwischen Zauberspruch, Bannfluch, Heilformel und rituellen Deklarationen. Erst nach und nach, besonders seit Erfindung von Aufschreibsystemen, zweigten sich religiöse Texte von juristischen oder historischen und anderen erzählenden ab. Dennoch können wir viele Texte der Bibel, wie etwa die Psalmen, aber auch Texte anderer religiöser Überlieferungen, wie etwa das Ägyptische Totenbuch, mit Fug und Recht als »Gedichte« ansprechen. Die Gelehrten vieler Jahrhunderte haben sich damit beschäftigt, diese Texte zu verstehen und für ihre Zeitgenossen zu deuten. Solche »Gedichtinterpretationen« ihrer Schriftgelehrten waren für die Menschen vieler Epochen wie Gesetze, denn die Texte wurden als göttliche Äußerungen verstanden, die es richtig zu deuten galt. Wenn wir heute ein Gedicht lesen, auf uns wirken lassen und zu verstehen versuchen, stehen wir also durchaus in der Nachfolge der alten Schriftgelehrten. Der Unterschied besteht darin, dass wir das Gedicht nur noch im übertragenen Sinne als göttliche Äußerung betrachten. Immerhin dient es uns dazu, Dinge und Fragen ausgedrückt zu finden, die sich anders nicht sagen lassen. Ein Gedicht macht uns also klüger und schärft unsere eigene Ausdrucksfähigkeit.

Vorarbeit für die Gedichtinterpretation

Ein Gedicht ist keine »Schreibe«, es wird vielmehr vom Dichter komponiert. Daher lohnt es sich, jedes Gedicht, das wir interpretieren wollen, erst einmal laut zu lesen. Im Klang des Gedichtes offenbaren sich bereits seine Reime, sein Rhythmus, sein Charakter. Im Internet, z. B. bei Youtube, finden sich nicht selten Gedicht-Deklamationen von Laien, aber auch von Sprechern oder berühmten Schauspielern. Wenn wir eine solche gelungene Deklamation auf uns wirken lassen, wird uns viel von der Art und dem Charakter des Gedichts klar. Außerdem ist das Anhören ein Genuss, wie ein gutes Musikstück.

Dann müssen wir uns Fragen stellen wie: Um welche Form von Gedicht handelt es sich? (Z. B. Naturgedicht, Liebesgedicht, Ballade, humoristisches Gedicht?) Mit welchen Reimformen haben wir es zu tun? Aus welcher Epoche stammt die Dichtung? (Z. B. Mittelalter / Barock / Klassik / Romantik / Moderne?) Wer hat das Gedicht geschrieben? Wer spricht? (Z. B. der Verliebte an den oder die Geliebte oder ein neutraler Berichterstatter?) Wer soll angesprochen werden?

Aufbau & Gliederung der Gedichtinterpretation

Einleitung:

Name des Dichters (sofern bekannt).

Zu welchem Anlass wurde das Gedicht geschrieben?

Zusammenfassung des Inhalts.

Hauptteil:

Nehmen wir als Beispiel das Gedicht Das Fräulein stand am Meere von Heinrich Heine.

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere

Und seufzte lang und bang,

Es rührte sie so sehre

Der Sonnenuntergang.

 

Mein Fräulein! sein Sie munter,

Das ist ein altes Stück;

Hier vorne geht sie unter

Und kehrt von hinten zurück.

 

Inhalt

Ein Fräulein steht gerührt am Meer. Der Dichter spricht es direkt an mit der ironischen Bemerkung, dass die untergegangene Sonne wieder aufgehen wird.

Aufbau

Wir haben es mit zwei volksliedartigen Strophen zu je vier Versen zu tun. Das Reimschema ist Paarreim: ABAB. Die erste Strophe beschreibt die Szene des am Meer stehenden Fräuleins, in der zweiten spricht der Dichter direkt zur Protagonistin.

Sprache

Wir haben es in der ersten Strophe mit einem betont einfachen, ironisch überspitzten romantischen Ton zu tun. In der zweiten Strophe kippt dieser vollends in die Parodie und den Ulk um.

Interpretation

Heinrich Heine gilt selbst als einer der bekanntesten Dichter der Romantik. Nun kann man gerade bei einem Gedicht oft vom Spezifischen auf das Allgemeine schließen. Es ging Heine also nicht darum, irgendein Fräulein auf den Arm zu nehmen. Vielmehr lässt er die gesamte Romantik mit ihrer Naturbeschwörung in den Humor umkippen. Das zeigt, dass Heine sich hier von der Romantik verabschiedet, zu der er selbst mit zahlreichen Gedichten beigetragen hat.

Schluss

Wir haben es mit einer kurzen, pointierten und witzigen Parodie auf die romantische Dichtung zu tun. Heinrich Heine scheut sich nicht, sich über die romantischen Dichter (und damit auch sich selbst) und ihre Leser lustig zu machen. Dabei behält er die volksliedhafte Einfachheit romantischer Dichtung bei.

Literarische Wertung

Wie gefällt dir das Gedicht? Findest du es witzig oder albern? Begründe deine Wertung! Hier könnte ein entscheidendes Kriterium sein, ob der Dichter die Aufgabe, die er sich stellte, auch gelöst hat und wie kunstvoll ihm dieses gelungen ist.

Reime und ihre Formen

1.) Reimformen nach Silbenzahl

Einsilbig, männlich, »stumpf«

Der Esel steht vor einem Haus,

und sieht nicht gerade glücklich aus.

Zweisilbig, weiblich, »klingend«

Er aß gern die belegten Brötchen

und fuhr sehr schnell mit seinem Bötchen.

Dreisilbig, gleitend, »reich«

Der Mensch glaubt gern an seine Wichtigkeit

vergisst dabei die eigene Nichtigkeit.

2.) Reimformen nach Stellung im Vers

Anfangsreim

An der großen Mauer

kann man sich erfreuen.

Ausgangsreim

Er sah das Mädchen in der Schule,

es saß dort still auf einem Stuhle.

Binnenreim

In dem Haus lebt die Maus.

Echoreim

Was ist schlimmer als Schnaken? Kraken!

Inreim

Eine platte graue Matte

liegt vor meiner Tür.

Mittelreim

Er ist der Bruder dieser Frau;

sie ist ein Luder, wie man weiß.

Mittenreim

Die Braut ist uns bekannt,

sie wird genannt in jeder Stadt.

Schlagreim

Die Lauten vertrauten der großen Trompete.

Übergehender Reim

Es tanzten den Tanz

Franz und sein Mädchen.

Überschlagender Reim

Franz liebt den Tanz.

Zäsurreim

Uns ist in alten Mæren wunders vil geseit

von Helden lobebæren, von grôzer arebeit

(Nibelungenlied)

3.) Reimformen nach phonologischer Struktur

Äquivoker Reim

Die drei Waisen

sangen schöne Weisen.

Assonanz

Und ich will es doch versuchen,

hier zu leben, nicht zu bluten.

Doppelreim

Im Traum hat dieser Hoppelhase

eine rote Doppelnase.

Endsilbenreim

Ich freue mich seit Tagen, denn

endlich gibt es Ferien.

Historischer Reim

If this be error and upon me proved,

I never writ, nor no man ever loved.

(Shakespeare, Sonett No. 116)

Identischer Reim

Dann führe ich den letzten Schlag.

Es ist ein tödlich harter Schlag.

Parareim

Morgens pflanzen hier die Riesen

Große wunderschöne Rosen.

Reiner Reim

Es bietet jeder neue Tag

das, was jeder Jäger mag.

Reicher Reim

Gerne möchte ich Lieder singen,

die im Echo wiederklingen.

Rührender Reim

In der Stille steht es,

Und im Winde weht es.

Schüttelreim

Im Fleischextrakt mit Kinderreim

verbirgt sich oft ein Rinderkeim.

Unreiner Reim

An einem Tag wie heute

tut man dir nichts zuleide.

Vorreim

Warum musst du ihn verklagen?

Besser wär es, sich vertragen.

4.) Reimformen gemäß morphologisch-lexikalischer Besonderheiten

Augenreim

Diese Frau bringt mich in Rage;

Nicht nur heute; alle Tage!

Gebrochener Reim

Ich schenke zum Familien

fest am liebsten Lilien.

Gespaltener Reim

Zum Zwecke eines Rufes

Stell dich hin und ruf es!

Grammatischer Reim

Die schönste Form von Trauer

ist die, wenn man gern trauert.

Ohrenreim

Ich fragte sie: »My love,

warst du denn auch brav

Umgekehrter Reim

Können sie sich darüber wundern,

Dass sie so berogen wurden?

Vexierreim

Ich geh mit riesengroßen Schritten,

und betrachte ihre Schulter.

5.) Reimformen, geordnet nach Versenden

Haufenreim

Liederlich sind jene Mädchen,

welche in in kleinen Städtchen

wie ein gut geöltes Rädchen

sich durchschlängeln wie am Fädchen.

Paarreim

Auf hoher See, in tiefem Meere

kommt dem Schiffer in die Quere

immer wieder mal ein Boot

welches schon in großer Not.

Kreuzreim

Ich fuhr per Bahn nach Heidelberg

und sah in großer Ruh

Perkeo, dem berühmten Zwerg

beim Flaschenleeren zu.

Umarmender Reim

Glaubst du an Zufall und Geschick?

Glaubst du an Stolz und Ehre?

Es sei dir eine Lehre.

Versuche selbst dein Glück!

Schweif- oder Zwischenreim

Ich suchte dich in allen Landen,

ich fand dich schließlich im Spital

und war erleichtert wie noch nie.

Für viele, die die Liebste fanden

war es letztendlich eine Qual

und keine Nostalgie.

7. Sonderformen

Stabreim

Mach mich munter, müde Maus!

Waise

Es blüht am Weg

der Dattelbaum,

er blühet auch am Steg.

Weitere wichtige sprachliche Mittel

Strophe

Die Zusammenfassung mehrerer Verse zu einer Sinneinheit, meist durch Absatz von der nächsten Strophe getrennt.

(Hier:

Das Fräulein stand am Meere

Und seufzte lang und bang,

Es rührte sie so sehre

Der Sonnenuntergang.)

Vers

Einzelne Zeile in einem Gedicht.

(Hier: Das Fräulein stand am Meere.)

Metapher

Rhetorisches Stilmittel, bei dem ein Lebewesen oder Gegenstand durch ein anderes bezeichnet wird. Etwa Wüstenschiff für Kamel, oder Heimgang für Tod. Durch dieses Stilmittel soll der Ausdruck gesteigert, oder, im Gegenteil, abgeschwächt werden.

Symbol

Bild oder Erkennungszeichen oder Sinnbild, das für etwas anderes steht, etwa Schwert für Krieg, Löffel für Speise oder Schiff für Meer. Dadurch soll der Ausdruck poetischer gestaltet oder allgemein verständlich abgekürzt werden.

Personifikation

Rhetorisches Stilmittel, bei dem Dingen oder Naturkräften menschliche Handlungsweisen unterlegt werden. Etwa: Der Winter schläft. Der Krieg erwacht. Die Natur trauert. Damit werden Vorgänge allgemeinverständlich und bildhaft anschaulich ausgedrückt und zusammengefasst.

Allegorie

Bildliches oder rhetorisches Stilmittel, Sinnbild, Verkörperung, bei dem ein abstrakter Begriff durch ein anschauliches Bild ersetzt und ausgedrückt wird. Beispiel: Figur der Justitia für Gerechtigkeit. Gestalt des Mars für Krieg. Besonders das bilderreiche Barock ist reich an Allegorien, sowohl in der Bildenden Kunst, als auch in der Dichtung und allgemein in der Rhetorik.

Häufige Fehler bei der Gedichtinterpretation

Falsch:

Unüberlegt nach dem Ersten Eindruck einfach losschreiben und sich dabei seinen Gefühlen überlassen.

Richtig:

Das Gedicht erst einmal laut lesen, auf sich wirken und »setzen« lassen. Und sich dann strukturiert die richtigen Fragen stellen: Aus welcher Epoche stammt das Gedicht? Was ist an dem Gedicht typisch für seine Epoche? Welcher Dichter hat es geschrieben? Was ist an dem Gedicht typisch für den Dichter? Welche Vers- und Reimformen verwendet der Dichter hier?

Falsch:

Den Inhalt des Gedichtes einfach nacherzählen.

Richtig:

Den Gehalt des Gedichtes und seine Substanz wiedergeben und nachweisen, wie es in sprachliche Mittel umgesetzt ist.

Falsch:

Die Interpretation eines bestimmten Gedichts aus einem Buch oder dem Internet abschreiben.

Richtig:

Das Gedicht auf den eigenen Geist wirken lassen und sich selbst Gedanken machen, sich auch als Person der Dichtung aussetzen.
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Epische Texte https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik11/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik11/#respond Sun, 04 Jun 2017 21:37:23 +0000 https://www.pohlw.de/?p=72 https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik11/feed/ 0 72 Referatvortrag https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik9/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik9/#respond Sun, 04 Jun 2017 21:36:52 +0000 https://www.pohlw.de/?p=70 https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik9/feed/ 0 70 Semesterarbeit https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik8/ https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik8/#respond Sun, 04 Jun 2017 21:36:45 +0000 https://www.pohlw.de/?p=69 https://www.pohlw.de/lernen/technik/technik8/feed/ 0 69