Pohlw https://www.pohlw.de Homepage für Deutsche Literaturgeschichte, Methodentraining, Arbeitstechniken und um das Lernen zu lernen Tue, 14 Nov 2017 19:29:18 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8.4 130156481 Johann Rist Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/rist/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/rist/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:25:21 +0000 https://www.pohlw.de/?p=278 Der Dichter und Denker Johann Rist ist vor allem als Autor vieler geistlicher Schriften bekannt. Darüber hinaus verfasste er jedoch ebenfalls zahlreiche weltliche Werke und erlangte dadurch überregionale Bekanntheit. Aufgrund seiner Tätigkeit als Pastor der Stadt Wedel besaß er tiefgreifendes Wissen in den Fachbereichen Theologie, Philosophie und Geschichte. Außerdem beschäftigte sich Rist vor allem mit Kunst, Medizin, Naturwissenschaften und Literatur.

Letzteres Fachgebiet bewegte ihn zur Gründung des sogenannten „Elbschwanenordens“. Diese Sprachgesellschaft beschäftigte sich mit vielfältigen literarischen Werken und verband einige einflussreiche Literaten dieser Zeit.

Kindheit und Jugend

Johann Rist wurde in Ottensen am 8. März 1607 geboren. Dabei handelt es sich um eine kleine Ortschaft, die heute einen Stadtteil von Hamburg darstellt. Rists Vater stammte seinerseits aus Franken und war ebenfalls als Pastor tätig. Über die Mutter des einflussreichen Dichters ist nur wenig bekannt. Als Erstgeborener übernahm er regelmäßig die Verantwortung für seine sieben Geschwister und wurde bereits frühzeitig von seinem Vater unterrichtet.

Mit gerade einmal elf Jahren erlebte Rist den Dreißigjährigen Krieg. In dieser Zeit wurden über 15.000 Dörfer in der Umgebung des jungen Autors zerstört und schätzungsweise acht Millionen Menschen getötet. Dabei wurde bestätigt, dass auch Rist selbst mehrfach von den Kriegshandlungen betroffen wurde.

In seiner Jugend besuchte er zuerst die Hamburger Gelehrtenschule und danach das Gymnasium in Bremen. Nach Abschluss seiner Schulausbildung entschied er sich mit 19 Jahren, die Weserstadt zu verlassen und an die Ostsee zu ziehen. In einigen Briefen konnte man lesen, dass er ein Studium in Rostock begann. Da er jedoch in keiner Matrikelliste der Universität zu finden ist, geht man heute davon aus, dass er die Universität lediglich als Begleiter von einigen Hamburger Studenten besucht hat. In dieser Zeit hat er neben der Theologie ebenfalls orientalische Sprachen studiert. Darüber hinaus weckten vor allem die Botanik, die Chemie, die Mathematik und vor allem die Heilkunde sein Interesse. Rist konnte sein Studium jedoch nicht beenden, da er noch vor seinem Abschluss an der Pest erkrankte und Rostock von Wallenstein besetzt wurde. Ebenso wie viele andere Studenten verließ er die Stadt, konnte sich jedoch von seiner Krankheit schnell wieder erholen. Er setzte sein Studium der Theologie schließlich in Rinteln fort, wo er vor allem von Josua Stegmann unterrichtet wurde. Dieser war ein führender Theologe der damaligen Zeit und seinerseits ein berühmter Dichter von Kirchenliedern. Bereits nach einem Jahr musste er jedoch erneut aufgrund des tobenden Kriegs nach Hamburg fliehen.

Der Beginn seiner schöpferischen Zeit

In Hamburg entschloss sich der junge Johann Rist, gemeinsam mit seinem engen Freund Ernst Stapel Theaterstücke zu schreiben und als Schauspieler aufzutreten. Im Jahr 1633 verlobte er sich schließlich mit Ernsts Schwester Elisabeth Stapel und schloss nur ein Jahr später aufgrund des positiven Einflusses dieser Frau sein Prediger-Examen in Bückeburg ab. In den darauffolgenden Jahren kümmerte er sich vor allem um den Garten der dortigen Kirche.

In dieser Zeit widmete er sich erneut seinen Werken und veröffentlichte 1642 seine erste Sammlung „Himmlische Lieder“. Nur ein Jahr später muss er mit seiner Familie erneut vor dem Krieg nach Hamburg flüchten. In den folgenden Jahren beschäftigte sich Rist immer intensiver mit seiner schriftstellerischen Vorliebe und veröffentlichte schließlich im Jahr 1648 das Werk „Holstein vergiß es nicht!“ und 1651 seine humoristische Geschichte „Sabbathische Seelenlust“.

Gleichzeitig konnte er seine medizinischen Kenntnisse immer öfter anwenden und den Menschen in seiner Umgebung helfen. Deshalb verlieh ihm 1653 Kaiser Ferdinand III. den Adelstitel eines Hofpfalzgrafen, der ihm einige familienrechtliche Privilegien gewährte. Diese bot er fleißig gegen Bezahlung an und erwirtschaftete sich dadurch ein großes Vermögen.

Rist und der Elbschwanenorden

Der Kaiser gewährte Rist neben diesen Privilegien ebenfalls ein Wappen, das einen Schwan mit Lorbeerkranz zeigt. Von diesem Bild inspiriert gründete er in der Zeit um 1660 den „Elbschwanenorden“, den er als sogenannter „Palatin“ anführte. Dieser Orden sollte der „Bereinigung der deutschen Sprache“ dienen und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Publikation von literarischen Werken. Zu den größten Erfolgen Johann Rists werden aktuell „Die alleredelste Belustigung“, „Die alleredelste Erfindung“, „Das alleredelste Leben“ und „Das alleredelste Nass“ gezählt. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche musikalische Andachten und evangelische Trostlieder. Viele seiner literarischen Werke haben dabei einen engen religiösen und botanischen Bezug.

Nach einer langen Krankheit starb Rists Frau Elisabeth und hinterließ ihm fünf Kinder. Von diesen überlebten schließlich nur drei ihre Kindheit. In dieser schweren Zeit beschäftigte sich Riss weiter mit seinen literarischen Werken und traf sich mit vielen wohlhabenden Frauen. Bereits zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete er die einflussreiche Witwe Anna Hagedorn. In den darauffolgenden Jahren arbeitete er bis zu seinem Tod an seiner letzten Veröffentlichung. In der Prosageschichte „Monatsgespräche“ werden sechs voneinander unabhängige Gespräche während eines Spaziergangs im Garten zusammengefasst. Jedes dieser Gespräche findet im Garten Rists statt, der bereits mehrfach im Laufe des Krieges vollständig zerstört wurde. Dabei beschrieb er die Blumen, die im jeweiligen Monat in seinem Garten blühten. Nachdem er am 31. August 1667 starb, wurde er in seiner eigenen Kirche bestattet.

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/rist/feed/ 0 278
Daniel Casper von Lohenstein Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/lohenst/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/lohenst/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:23:56 +0000 https://www.pohlw.de/?p=276 Daniel Casper von Lohenstein (1635-1683) zählte zu den bedeutendsten deutschen Dramatikern des Barocks. Er verfasste Gedichte, Dramen sowie den Roman „Großmütiger Feldherr Arminius“.

Jugend

Geboren wurde Daniel Casper von Lohenstein am 25. Januar 1635 im schlesischen Nimptsch im Herzogtum Brieg. Sein Vater Johann Casper (1602-1672) war Ratsherr, kaiserlicher Steuereinnehmer und Stadtvogt von Nimptsch, seine Mutter Susanna Schädel von Greiffenstein (1612-1652). Im Jahr 1670 stieg Johann Casper in den erblichen Reichsadelsstand auf.

Nachdem der junge Daniel Casper zunächst Privatunterricht erhalten hatte, wurde er von seinem Vater nach Breslau geschickt. In der schlesischen Stadt besuchte er von 1642 bis 1651 das Magdalenen-Gymnasium, wo er eine philosophisch-rhetorische Ausbildung genoss. Im Alter von 15 Jahren verfasste Casper sein erstes Trauerspiel, das die Bezeichnung „Ibrahim“ erhielt. Darüber hinaus pflegte er Freundschaft zu dem deutschen Barockdichter Heinrich Mühlpfort (1639-1681).

Da es in Breslau keine Universität gab, verließ Casper die Stadt nach Ende des Gymnasiums und begab sich nach Leipzig, wo er an der Universität bei dem Strafrechtler Benedikt Carpzov (1595-1666) Jura studierte. An der Universität Tübingen legte der junge Student dem bedeutenden Juristen Wolfgang Adam Lauterbach (1618-1678) seine Disputation vor.

Nach Ende des Studiums

Im Jahr 1655 hatte Caspar sein Studium erfolgreich abgeschlossen und begab sich auf eine Bildungsreise. Dabei bereiste er die deutschen Fürstenhöfe, die Schweiz, Utrecht, Leiden und Wien. In Ungarn begegnete er erstmals der türkisch-orientalischen Kultur.

Auf der Rückreise mit dem Schiff geriet Caspar in ein schweres Unwetter, das den Untergang von 13 Schiffen forderte. Dieses Ereignis prägte ihn sein ganzes Leben. In Breslau ließ sich Caspar nach seiner Rückkehr als Rechtsanwalt nieder. Im Alter von 22 Jahren heiratete er im Oktober 1657 Elisabeth Herrmann, die Tochter eines Amtmannes.

Umzug nach Oels

Neben seiner Tätigkeit als Anwalt widmete sich Daniel Casper auch der Dichtkunst. Dabei entstand 1665 das Trauerspiel „Agrippina“, das er der Herzogin Luise von Liegnitz-Brieg-Wohlau widmete. Deren Mutter, die regierende Fürstin, ernannte ihn 1668 zum Regierungsrat und berief ihn in das Herzogtum Oels. Dort fungierte Caspar als gelehrter Berater von Herzogin Luise und half ihr dabei, den Bau der Fürstengruft in der Johanniskirche von Liegnitz künstlerisch zu planen. Obwohl Herzog Christian Casper länger an sich binden wollte, begab dieser sich 1670 wieder nach Breslau. Dort genoss er die Unterstützung des Landeshauptmanns Christian Hoffmann von Hoffmannwaldau (1616-1679). So stieg Casper schließlich zum Syndikus auf.

Tätigkeit in Breslau

Durch seine Ernennung zum Syndikus bekleidete Daniel Casper eines der wichtigsten Ämter von Breslau. Durch die Erhebung seiner Familie in den Adelsstand erhielt er außerdem den Beinamen „von Lohenstein“. 1675 bekam er das Amt des Obersyndikus, das er bis zu seinem Tode bekleidete.

Auch als Diplomat bewies Daniel Casper von Lohenstein großes Geschick. So wurde er zu Verhandlungen nach Wien entsandt, als die Besetzung Breslaus durch kaiserliche Truppen drohte. Dort konnte er den Habsburger Kaiser Leopold I. (1640-1705), davon überzeugen, seine Forderung nach der Entlassung sämtlicher evangelischer Schullehrer zurückzunehmen. Danach übernahm von Lohenstein wiederholt diplomatische Gesandtschaftsreisen.

Letzte Jahre

Im Laufe seines Lebens erwarb Daniel Casper von Lohenstein zahlreiche Güter. Dazu gehörte das 1673 erhaltene Kittelau. Außerdem erbte er im gleichen Jahr von Tobias von Kleindienst Reisau und Roschkowitz. Im Jahr 1675 stieg Casper zum Kaiserlichen Rat auf.

Am 28. April 1683 erlag Daniel Casper von Lohenstein einem Schlaganfall.

„Großmütiger Feldherr Arminius“

Daniel Casper von Lohenstein erwarb sich nicht nur als Anwalt und Diplomat großes Ansehen, sondern auch als Autor barocker Trauerspiele. Seine Werke wurden vom französischen Klassizismus geprägt. Gemeinsam mit Andreas Gryphius (1616-1664) avancierte von Lohenstein zum wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der Barock-Epoche.

Sein bedeutendstes Werk war der Roman „Großmütiger Feldherr Arminius“, der es auf ca. 3100 Seiten brachte und 1689/90 in zwei Bänden veröffentlicht wurde. Der Roman handelte von der Varusschlacht, in der die römischen Legionen eine bittere Niederlage gegen den Cheruskerfürsten Arminius erlitten. Während der erste Band die Vorgeschichte beinhaltet, befasst sich der zweite Band chronologisch mit dem weiteren Geschehen bis zum glücklichen Finale.

Daniel Casper von Lohensteins Nachwirken

Die Werke von Daniel Casper von Lohenstein fanden bis in das 18. Jahrhundert großes Interesse und erhielten zahlreiche Neuauflagen. Zu seinen Bewunderern gehörten u. a. Christian Thomasius (1655-1728) und Moses Mendelssohn (1729-1786). Ab 1745 brach aufgrund des rasch voranschreitenden stilgeschichtlichen Wandels sein Nachwirken ab, was auch an den negativen Kritiken jener Zeit lag. Erst ab dem 20. Jahrhundert erfuhren die literarischen Werke Daniel Casper von Lohensteins wieder positivere Beurteilungen.

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/lohenst/feed/ 0 276
Philipp von Zesen Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/zesen/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/zesen/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:21:45 +0000 https://www.pohlw.de/?p=274 Philipp von Zesen war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Verfasser zahlreicher evangelischer Kirchenlieder. Einige seiner Werke verfasst er unter den Pseudonymen, Filip Cösius oder Ritterhold von Blauen.

Von Zesen lebte im 17. Jahrhundert (geboren am 08. Oktober 1619 in Priorau bei Dessau, gestorben am 13. November 1689 in Hamburg). Er galt als einer der ersten Berufsschriftsteller; sein Roman „Die adriatische Rosemund“ als der erste große Roman der Barockliteratur.

Philipp von Zesen ist der Sohn eines Pastors und dessen Ehefrau Dörthe. Als begabter Schüler eines Haller Gymnasiums studierte er ab 1639 bis 1641 Poetik und Rhetorik an der Universität Wittenberg. Einer seiner Lehrer dieser Zeit war August Buchner. Nach Beendigung seines Studiums siedelte er 1641 nach Hamburg um.

Die ersten Jahre nach seinem Studium waren von großer finanzieller Not geprägt. Immer auf der Suche nach einer festen Anstellung war von Zesen gezwungen, häufig den Wohnort zu wechseln und als freier Schriftsteller zu arbeiten. Es gelang ihm trotz mehrerer Versuche nicht, eine Festanstellung bei Hofe zu erhalten.

In den Jahren 1642 bis 1648 hielt sich von Zesen überwiegend in den Niederlanden auf; dort verdingte er sich als Übersetzer und Korrektor. Trotz der mageren Jahre unternahm von Zesen ausgedehnte Reisen, etwa nach Paris, London und nach Dänemark.

1648 verlagerte von Zesen seinen Wohnsitz zurück an seinen Geburtsort Priorau. Nun hatte er auch Zugang zu dem nahegelegenen Köthener Hof und dort erfuhr er Aufnahme in die „Fruchtbringende Gesellschaft“. Ab 1652 wurde er offizieller Gesellschafter des Landesfürsten Johann Kasimir von Anhalt-Dessau, der nach einem Jagdunfall gelähmt war.

1656 siedelte von Zesen erneut in die Niederlande – nach Amsterdam – um. Dort erhielt er 1662 die Bürgerrechte und stieg als einer der einflussreichsten Mitarbeiter beim Verlag Elsevier ein. Spät – 1672 – heiratete von Zesen. Mit seiner Gattin Maria Becker zog er nach Hamburg, wo er 1689 verstarb.

Von Zesen verfasste an die 90 Werke; er versuchte sich in fast allen Gattungen der Literatur. Sein Stil und seine Orthographie galten in der damaligen Zeit als unorthodox und skurril, so dass ihm lange Zeit die Aufnahme in literarische Orden versagt blieb. Von Zesen setzte sich zu Lebzeiten besonders für den Erhalt der Deutschen Sprache ein. Er gründete 1642 eine Sprachgesellschaft, die u.a. das Ziel verfolgte, den Einfluss von Fremdwörtern auf die deutsche Sprache möglichst gering zu halten.

Von Zesen erfand erfolgreich einige deutsche Wörter, die anstelle von Fremdwörtern teilweise noch heute in Gebrauch sind: Anschrift (für Adresse), Mundart (für Dialekt) oder Rechtschreibung (für Orthographie). Andere, von von Zesen erdachte Wörter, sind indes heute nicht mehr bekannt: Meuchelpuffer (für Pistole), Tageleuchter (für Fenster) oder Zeugemutter (für Natur).

Für sein Engagement für den Erhalt der Deutschen Sprache wurde von Zesen posthum oft verspottet. So wurden mit Verweis auf seine Wortschöpfungen stets neue Wörter erdacht und ihm die Erfindung unterstellt. Das bekannteste dieser Wörter ist der „Gesichtserker“, der eine Nase meint.

Zu den wichtigsten Romanen von Zesens‘ zählen:

• Die Adriatische Rosemund

• Die afrikanische Sofonisbe

• Leo Belgicus

• Assenat und Simson; jeweils biblische Romane

Zu den wichtigsten Gedichten und Liedersammlungen von Zesens zählen:

• FrühlingsLust oder Lob-, Lust- und Liebeslieder (1642), Gedichtesammlung

• Poetischer Rosen-Wälder Vorschmack (1642), Schäferdichtung

• Lustinne (1645), Gedichtesammlung

• Schöne Hamburgerin (1668) Lieder

• Reiselieder (1677)

Zu den wichtigsten sonstigen Schriften von Zesens‘ zählen:

• Melpomene (1638), Lyrik

• Deutscher Helicon (1640), Poetik

• Himmlische Kleio (1641), Lyrik

• Hooch-Deutsche Spraach-übung (1643), literaturtheoretische Abhandlung

• Kurze gründl. Anleitung zur Höflichkeit (1649)
Nach oben

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/zesen/feed/ 0 274
Johann Christian Günther Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/guenther/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/guenther/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:20:36 +0000 https://www.pohlw.de/?p=272 Johann Christian Günther war ein deutscher Lyriker, der am 8. April 1695 in Striegau/Schlesien geboren wurde.

Er war der Sohn eines Arztes, ein armer Stadtmedicus, der seinen Sohn zunächst selbst unterrichtete. Johann Christian Günther besuchte in den Jahren 1710 bis 1715 ein Gymnasium in Schweidnitz. Der talentierte Junge schrieb seine ersten Theaterstücke schon mit zehn Jahren und galt damit als hochbegabtes Kind. In der Schule wurde sein Jugenddrama „Die von Theodosio bereute Eifersucht“ aufgeführt.

Obwohl Günther aus sehr armen Verhältnissen stammte, fand er durch seinen Vater finanziell gut situierte Gönner, die ihn in Wittenberg und Leipzig studieren ließen. Im Jahr 1715 studierte er in Wittenberg Medizin und folgte damit dem Wunsch seines Vaters. Er verlobte sich mit seiner innig geliebten Eleonore Jachmann, die er später auch in seinen Gedichten als “Leonore” anpries.

Neben seinem Medizinstudium widmete sich Günther weiter seinen Dichtungen, womit er bei seinem Vater in Missgunst fiel. Die dichterische Tätigkeit und die lockere Lebensweise seines Sohnes führte zu einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Die Idee seines Sohnes den Lebensunterhalt mit Dichtkunst bestreiten zu wollen, lehnte der Vater, der ein Feind der Poesie war, strikt ab.

Im Jahr 1716 wurde Günther zum Poeta laureatus Caesareus gekrönt und war damit ein lorbeer gekrönter Dichter. Die damit verbundene Zeche der Feier konnte Günther nicht aufbringen. Deshalb landete er im Jahr 1717 in einem Schuldgefängnis, um seine Schuld auf diese Weise zu begleichen. Dieser Umstand zeigte um so mehr, wie es um seine finanziellen Verhältnisse stand. Er war arm und es stand nicht in Aussicht, dass sich das jemals ändern sollte.

Immer wieder hat Johann Christian Günther versucht sich mit seinem Vater zu versöhnen und dies immer in Gedichten, obwohl er wusste dass der Vater seinen Gedichten feindselig gegenüberstand. Zu einer Versöhnung kam es aus diesem Grunde nie. Günther war nicht bereit seine Dichtkunst für ein Leben aufzugeben, das rein im Dienste der Wissenschaft der Medizin stehen sollte. Günther war ein Freigeist und ein Überflieger, der sich selbst kaum bändigen konnte.

Im selbigen Jahr 1717 besuchte er die Universität Leipzig und wurde von seinem Gönner, Professor, Schriftsteller und Historiker Johann Burckhardt Mencke in seinem Studium gefördert. Mencke war von der Begabung Günthers überzeugt und sah großes Potential in Günther. Deshalb verschaffte er ihm die Möglichkeit sich am Hofe von August des Starken in Dresden vorzustellen. Damit wollte er ihm helfen sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und ihm die Möglichkeit geben Eleonore heiraten zu können.

Doch Johnann Christian Günther litt unter einer Alkoholkrankheit, was sich negativ auf seine Beziehung mit Eleonore und sein berufliches Fortkommen ausgewirkt hat. Am Hofe des August des Starken erschien Günther im betrunkenen Zustand, was dazu führte, dass er keine Anstellung bekam. Die Verlobung zu Eleonore wurde aufgelöst. Für eine Heirat hätte Günther zudem auch die Einwilligung des Vaters gebraucht, die er nie mit in seinem Zustand und seinen finanziellen Umständen niemals bekommen hätte.

Im Jahr 1720 unternahm Günther vergeblich den Versuch sich als Arzt in Kreuzburg in Schlesien niederzulassen. Vom Vater verstoßen und ohne Anstellung lebte Günther nunmehr als Gast bei Freunden. Eine Anstellung ohne den Einfluss des Vaters zu finden war in jener Zeit fast unmöglich. Dazu kam Günthers Alkoholsucht, die es verhinderte ein vernünftiges Leben zu führen und seinen Geist zu bändigen. Zwischenzeitlich besaß er eine neue Liebe und versuchte seiner Alkoholsucht Herr zu werden. Dies blieb ohne Erfolg.

Im Jahr 1723 kehrte er nach Jena zurück und starb dort im Alter von 27 Jahren völlig verarmt. Es wird vermutet, dass er an der Krankheit Tuberkulose litt. Sein Leben zerrann ihm in seinen Händen ebenso wie seine Dichtkunst.

In der Literaturgeschichte stellte Johann Christian Günther mit seinen Werken den Übergang vom Barock zur Aufklärung und zum Geniekult des Sturm und Drangs dar. Er war ein Überflieger und gehört heute zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern des frühen 18. Jahrhunderts.

Infolge der Berührung mit den Werken von Christian Thomasius, Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff und der daraus resultierenden Prägung über Autorität, und Religion in seinen Werken, kann Günther als Vorläufer der Aufklärung beschrieben werden. Aus rein formaler Sicht gehören seine Werke in die Epoche des Barock.

Berühmtheit erlangte er mit seiner Ode auf den Frieden von Passarowitz. Nicht lange nach seinem Tod wurden Johann Christian Günthers Deutsche und Lateinische Gedichte, veröffentlicht. Dadurch erlangte er nachträglich Ruhm. Im Jahr 1742 wurde eine erste Gesamtausgabe von Günthers Werken in mehreren Auflagen gedruckt sowie 1930 bis 1936 eine historisch-kritische Gesamtausgabe herausgegeben wurde.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb in Dichtung und Wahrheit über Günther: „Ein entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, Einbildungskraft, Gedächtnis, Gabe des Fassens und Vergegenwärtigens, fruchtbar im höchsten Grade, rhythmisch bequem, geistreich, witzig und dabei vielfach unterrichtet.“

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/guenther/feed/ 0 272
Sebastian Brant Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/renaiss/brant/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/renaiss/brant/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:19:28 +0000 https://www.pohlw.de/?p=270 Leben:

Sebastian Brant wurde 1457 in Straßburg, dem damaligen heiligen römischen Reich, geboren. Sein Vater, Diebolt Brant, war ein Gastwirt und Ratsherr, der in seiner Nachbarschaft sehr angesehen war. Obwohl Sebastians Vater im Jahre 1468 verstarb, war der spätere Schriftsteller sehr ehrgeizig und nahm im Jahre 1475/76 sein erstes Universitätsstudium in Basel auf. Zu der Kindheit und Jugend von Sebastian Brant ist bis heute nichts bekannt. Erst als Brant die Universität besuchte, war sein Leben für Historiker nachvollziehbar.

Sein erstes Studium, das Herr Brant absolvierte, war „Klassische Sprachen und Rechtswissenschaft“ an der Universität Basel. Nur ein Jahr später erwarb Sebastian Brant den juristischen Bakkalaureats. Seinen Lizentiats erwarb Brant im Jahre 1484. Ein Jahr später heiratete der zukünftige Schriftsteller eine Frau namens Elisabeth Burgis, mit der er im Laufe seines weiteren Lebens, sieben Kinder bekam. 1489 promovierte Sebastian Brant zum Doktor der Rechte und sicherte sich seinen Platz im Professorenkollegium. Drei Jahre später wurde Brant zum Dekan der juristischen Fakultät an der Universität Basel ernannt. Zwischen 1480 und 1500 beteiligte Sebastian Brant sich maßgeblich am Buchhandel in Basel. Da seine finanzielle Situation nicht gerade berauschend war, arbeitete er nebenbei als Schriftsteller, Herausgeber und Korrektor. Brant schrieb sowohl rechtswissenschaftliche Texte als auch religiöse und weltanschauliche Beiträge. Bevorzugt verfasste Sebastian Brant Gedichte und Texte über Naturereignisse, sowohl in lateinischer als auch in deutscher Sprache. 1494 verfasste er sein bekanntestes Werk „Das Narrenschiff“. Als Basel im Jahre 1499 aus dem Deutschen Reich austrat und stattdessen der Schweizer Eidgenossenschaft beitrat, gab Brant seine Lehrtätigkeit auf. Sebastian Brant war Anhänger der Reichseinheit und von Kaiser Maximilian I., weshalb er, nach Basels Austritt aus dem Deutschen Reich, zurück nach Straßburg ging. Am 14.Januar 1501 nahm er eine Stelle als Syndikus an. Ein Syndikus ist heutzutage vergleichbar mit der Position eines Staatsrates oder einem Vertreter eines Senators. Ein Syndikus arbeitete als Rechtsgelehrter oder Jurist im Staatsamt.

Im Jahre 1503 wurde Sebastian Brant zum Stadtschreiber, dem obersten städtischen Beamten, ernannt. Einige Jahre später ernannte Kaiser Maximilian I. Brant zum kaiserlichen Rat und Beisitzer des Hofgerichts in Speyer. Sein Amt nutzte Brant, um sich für die Förderung literarischer Arbeiten einzusetzen, jedoch veröffentlichte er in dieser Zeit kaum noch eigene Werke. Im Jahre 1520, ein Jahr vor seinem Tod, reiste Sebastian Brant nach Gent. Dort unterwarf er sich dem neuen Kaiser Karl V. Am 10. Mai 1521 verstarb Sebastian Brant, die genaue Todesursache ist nicht bekannt.

Bekannte Werke:

Die Werke von Sebastian Brant lassen sich in deutsche Dichtungen, deutsche und lateinische Dichtungen, religiöse und moralische Dichtungen, lateinische Dichtungen und in lateinische und deutsche historische Prosa einteilen. In diesem Abschnitt liegt der Fokus auf den wichtigsten Werken von Herrn Sebastian Brant, weshalb nur eine ganz kleine Liste an Werken aufgezählt wird.

1. Das Narrenschiff: Allgemein wird „Das Narrenschiff“, welches 1494 in Basel erschien, als Sebastian Brants Hauptwerk bezeichnet. Das gesamte Werk wurde aufwendig gestaltet und enthält viele Zeichnungen. Es weißt 112 selbstständige Kapitel auf. Über die Kapitel hinweg behandelt das Werk verschiedene Thematiken, jedoch kommt jedes Mal ein oder mehrere Narr beziehungsweise Narren vor, welche als Verbindung zwischen den einzelnen Kapitel betrachtet werden. Obwohl zu Beginn des Buches, inklusive des Titels und der Vorrede, die Schiffsallegorie eingeführt wird, wird diese erst in den Kapiteln 103, 108 und 109 aufgegriffen. Jedes Kapitel beginnt mit einem Motto, anschließend folgt der Holzschnitt und danach das Spruchgedicht. Insgesamt wird das Schiff von 109 Narren bestiegen, die sich auf die Reise nach Narragonien begeben.

2. Die Freiheitstafel: Genau wie das Narrenschiff, weißt die Freiheitstafel einen großen Text-Bild-Zyklus auf und gehört zu Brants wichtigsten Werken. Die Freiheitstafel wurde von Sebastian Brant zwischen 1517 und 1519 verfasst und besteht aus 52 Epigrammen, auch Kurzgedichte genannt. Brant verfasste die Freiheitstafel für die Ausstattung der Xlller-Stube des Straßburger Rathauses. In den 52 Kurzgedichten befasste er sich mit den verschiedenen Akspekten der Freiheitsidee.

3. Jerusalem: Wie der Titel schon sagt, befasste sich Sebastian Brant in diesem Werk mit der Geschichte Jerusalems und stellte diese als Prosachronik dar. Dabei beleuchtete er die Zeiten des Alten Testamentes bis hin zur türkischen Bedrohung des Abendlandes. Die Prosachronik erschien 1495 in Basel und trägt den Titel „De Origine et conuersa | tione bonorum Regum: & laude Ciuitatis | Hierosolymae: cum exhortatione eiusdem | recuperandae“. Die Prosachronik wurde als Chronik der guten Könige bezeichnet, welche die Stadt Jerusalem vor den Ungläubigen beschützen beziehungsweise zurückgewinnen sollte.

Weitere Werke: Zu den hier genannten und beleuchteten Werken kommen noch einige hinzu. So hat Brant nicht nur Prosa oder Gedichte verfasst, sondern auch sechszehn Flugblätter und Einblattdrucke zu damals aktuellen Themen. Zudem hat Sebastian Brant Erziehungslehren, Spruchsammlungen, sowie religiöse Lied-, Gebets- und Erbauungstexte geschrieben und veröffentlicht.

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/renaiss/brant/feed/ 0 270
Johann Jakob Bodmer Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/aufklaer-sadl/bodmer/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/aufklaer-sadl/bodmer/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:18:03 +0000 https://www.pohlw.de/?p=268 Der Schweizer Gelehrte Johann Jakob Bodmer (1698–1783) wurde in Greifensee bei Zürich geboren. Dem Willen seines Vaters folgend, der in Greifensee Pfarrer war, schlug Bodmer die geistige Laufbahn ein und absolvierte in Zürich Ausbildung und theologische Studien in der Lateinschule und im Collegium Carolinum, einer 1525 gegründeten theologisch-philosophischen Hochschule, der Vorläuferin der heutigen Universität.

Im Jahr 1718 folgte Bodmer anderen Interessen und wandte sich der Branche zu, die ihm von mütterlicher Seite vertraut war, denn seine Mutter Esther Orell war die Tochter des Seidenfabrikanten Felix Orell zum Spiegel. Bodmer begann eine kaufmännische Ausbildung und bereiste Genf, Lyon und Lugano, wo er Kenntnisse im Seidenhandel erwarb. In dieser Zeit nahm Bodmers Interesse für Literatur und Geschichte einen immer größeren Stellenwert ein. Nach beruflichen Stationen unter anderem in der Zürcher Staatskanzlei wurde Bodmer im Jahr 1731 Professor für Helvetische Geschichte am Collegium Carolinum – ein Amt, dass er über vier Jahrzehnte, bis 1775, ausübte.

Seit 1720 verband ihn eine wegweisende, lange Freundschaft mit dem Zürcher Theologen und Philologen Johann Jakob Breitinger (1701–1776), der ab 1730 die Septuaginta, die aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzte Bibel, neu herausgab. Zusammen mit Konrad Orell, seinem Neffen, und Konrad von Wyss gründete Bodmer 1734 die Verlagsbuchhandlung Orell & Compagnie, nicht zuletzt, um einer Erneuerung der literarischen Kultur in Zürich in der Epoche der Aufklärung ein Publikationsorgan zu schaffen.

Als fruchtbar erwies sich – auch in den gemeinsamen Werken zur Kirchengeschichte – die Zusammenarbeit mit Bodmers Freund Breitinger. Mit der im Jahr 1740 erschienenen Schrift Critische Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie positionierte sich Bodmer im „Zürcher Literaturstreit“ dezidiert (auch in der Wahl des Titels) gegen die von dem deutschen Gelehrten Johann Christoph Gottsched (1700–1766) entwickelte aufklärerische Poetik nach französischem Vorbild und der Verbannung des Hanswursts oder Harlekins, also der komischen Figur der Stehgreifkomödie, aus dem Theater. Gottscheds Vorstellung, dass die Poesie Regeln zu befolgen habe, die sich mit den Mitteln der Vernunft begründen ließen, fand in der deutschsprachigen europäischen Literaturszene der Zeit wenig Anhänger. Bodmer nahm zusammen mit Breitinger in der Präferenz der englischen Literatur mit ihren Fantasie- und Märchengestalten, theologischen Themen oder der Betonung des Irrationalen und Wunderbaren eine Gegenposition zu Gottsched ein, in der ihm viele großen Talente und Schriftsteller seiner Zeit folgten, darunter Johann Wolfgang von Goethe, Johann Heinrich Tischbein der Ältere, Friedrich Gottlieb Klopstock, Christoph Martin Wieland, Ewald von Kleist und Wilhelm Heinse, die ihn auch alle in Zürich besuchten.

Bodmers Weltoffenheit zeigte sich in der Vorliebe für die englische Literatur, etwa in der Herausgabe der Zeitschrift Die Discourse der Mahlern (1721–1723) zusammen mit Breitinger nach dem Vorbild des englischen Blattes The Spectator, oder der verdienstvollen Übersetzung von John Miltons Paradise Lost (deutsch: Johann Miltons Episches Gedichte von dem verlohrnen Paradiese) von 1742. Sie zeigte sich aber auch in Bodmers Wertschätzung für das Mittelalter: Wertvolle mittelalterliche Luxushandschriften wie die Manessische Liederhandschrift oder das Nibelungenlied (in Teilen) gab er heraus und stand damit im Gegensatz zur Verehrung der Antike, wie sie in Frankreich gepflegt wurde. Bodmers und Breitingers ästhetische und literarische Programmatik war von starkem Einfluss auf die Romantik und machte Zürich zu einem literarischen Zentrum. Viele Reisende besuchten die Stadt an der Limmat wegen Bodmer: Sein Haus zum Oberen Schönenberg wurde in den Jahren zwischen 1750 und den 1770er-Jahren geradezu zum Anziehungs- und Treffpunkt der deutschsprachigen Dichtung und des geistigen Lebens.

Es waren Bodmers theoretische Schriften (z.B. Kritische Betrachtungen über die poetischen Gemälde der Dichter, 1741), die seinen Ruhm und seine Bedeutung für die Literaturgeschichte begründeten. Seine eigenen epischen und dramatischen Dichtungen hingegen fanden weniger Anklang. Bodmer förderte ab 1722 den zu seiner Zeit noch als „städtische Bibliotheksgesellschaft“ operierenden Verein der Stadtbibliothek Zürich. Der heutigen Zentralbibliothek vermachte er zudem Teile seines Vermögens, sowie seine Bibliothek und Teile des schriftlichen Nachlasses. Noch heute schmückt sein Standbild den Eingang über der Bibliothek.
Nach oben

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/aufklaer-sadl/bodmer/feed/ 0 268
Angelus Silesius Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/angelus/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/angelus/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:16:39 +0000 https://www.pohlw.de/?p=266 Angelus Silesius wurde als Johannes Scheffler 1624, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in Breslau geboren, wo er 1677 auch starb. Er war Theologe und Arzt, ist der Nachwelt aber vor allem durch seine Gedichte bekannt, die von tiefer Frömmigkeit und Mystik geprägt und im Epigrammstil verfasst wurden. Er zählt zu den bedeutendsten Lyrikern der Barockzeit.

Das genaue Geburtsdatum von Angelus Silesius ist nicht überliefert, seine Taufe fand am 25. Dezember 1624 statt. Sein Vater, der polnische Adelige Stanislaus Scheffler, war in Krakau wegen seines protestantischen Glaubens verfolgt worden und hatte daher nach Breslau übersiedeln müssen. Er starb 1639. Die Mutter von Angelus, Maria Magdalena Hennemann, fand zwei Jahre später den Tod. In Breslau besuchte Angelus Silesius das Gymnasium, wo er von dessen Konrektor Christoph Köler in Rhetorik und Poetik unterrichtet wurde.

In Straßburg studierte Angelus Silesius von 1643 an Medizin und Staatsrecht. Anschließend verlegte er sein Studium nach Leiden (1644–1647) und an die Universität Padua (1647). 1648 wurde er dort zum Doktor der Philosophie und der Medizin ernannt. Er nahm Kontakt mit dem Mystiker Abraham von Franckenberg auf, der ihn mit den Schriften von Jakob Böhme bekannt machte. Unter dem Einfluss von Böhmes Werk kam er zu Einsichten, die ihn später den katholischen Glauben annehmen ließen.

Ab 1649 arbeitete Scheffler im niederschlesischen Oels als Leibarzt des Herzogs Silvius Nimrod zu Württemberg-Oels, einem überzeugten Lutheraner. Dort traf er auch Franckenberg wieder, der seit 1650 in der Nähe des Ortes lebte. Nachdem Franckenberg 1652 gestorben war, verfasste Angelus Silesius zu dessen Ehren sein erstes Gedicht, das Ehrengedächtnis, das bereits von seinem unverkennbaren Stil geprägt war. Wenig später kündigte er nach Auseinandersetzungen mit dem Oelser Hofprediger Georg Seidel (der ihm die Druckerlaubnis für eine Sammlung von Texten christlicher Mystiker verwehrt hatte) seine Stelle und wurde niedergelassener Arzt in Breslau.

Der Streit mit dem Hofprediger wurde ihm zum Anlass, sich kritisch mit dem Luthertum auseinanderzusetzen, das seiner Ansicht nach zu wenig Raum für innere Frömmigkeit und mystische Seelenschau zulässt. Am 12. Juni 1653 nahm er in der Breslauer Rektoratskirche St. Matthias den römisch-katholischen Glauben an und änderte seinen Namen in Angelus Silesius (schlesischer Engel oder Bote), inspiriert von dem spanischen Dominikaner und Mystiker Johannes ab Angelis.

Sein Übertritt zum Katholizismus rief bei zeitgenössischen Protestanten große Kritik hervor. Als Reaktion darauf verfasste Angelus in Olmütz 1653 seine Schrift Gründliche Ursachen und Motive zur Rechtfertigung seiner Angriffe. Darin kritisierte er, dass der dogmatische Protestantismus sich als Vernunftreligion verstehe und zu wenig Platz für Innerlichkeit und mystische Erfahrungen lasse. Mit polemischer Schärfe verteidigte er in vielen weiteren Schriften die Gegenreformation Schlesiens. Sein Pamphlet Türkenschrift (1663) wurde zum Anlass, ihn offiziell als Friedensstörer anzuklagen. Einige seiner Lieder wurden von Zeitgenossen als Aufrufe zum gewalttätigen Protest gegen das Lutheranertum interpretiert. Sein Engagement fällt in eine Zeit, in der durch die Rekatholisierung Schlesiens (das seit der Reformation mehrheitlich protestantisch war) konfessionelle Spannungen entstanden.

1654 wurde Angelus Silesius Hofarzt von Kaiser Ferdinand III., 1661 erhielt er die Priesterweihe für die Diözese Breslau. Bei Wallfahrten und Prozessionen trat er als überzeugter Glaubenskämpfer auf, was ihm bei seinen Gegnern den Ruf eines Fanatikers einbrachte. Zwischen 1664 und 1666 stand Angelus Silesius als Hofmarschall in den Diensten des Breslauer Fürstbischofs Sebastian von Rostock. 1668 zog er sich in eine Kloster zurück. Gelegentlich versorgte er im Breslauer Matthiasstift unentgeltlich Arme und Kranke. Er verschenkte sein Vermögen, führte ein streng asketisches Leben, geißelte sich und nahm immer weniger Nahrung zu sich. 1677 starb er im Alter von 53 Jahren.

Seine polemisch-theologischen Schriften (Ecclesiologia) haben aus heutiger Perspektive keine nachhaltige Wirkung hinterlassen und werden nicht als literarisch oder stilistisch wertvoll eingestuft. Seinen Ruhm erwarb er sich vor allem mit der Epigrammsammlung Geistreiche Sinn- und Schlussreime. Sie erschien 1657 in Wien in einer fünf Bücher umfassenden Erstausgabe. 1675 wurde sie um ein sechstes Buch ergänzt und erhielt nun den Titel Der Cherubinische Wandersmann. Das Werk enthält zweizeilige Sprüche im alexandrinischen Versmaß. Auch andere zeitgenössische Dichter hatten sich bereits dieses Formates bedient, darunter Angelus’ Freund Abraham von Franckenberg und der lutherische Poet Daniel Czepko von Reigersfeld. Angelus führte diese bekannte Form zu ihrer Vollendung. Als Vorbilder nannte Angelus Silesius neben dem Kirchenvater Augustinus die Mystiker Meister Eckhart, Bernhard von Clairvaux und Johannes Tauler. Auch die Schrift Das fließende Licht der Gottheit von Mechthild von Magdeburg beeinflusste ihn.

Der Titel dieser Gedichtsammlung weist auf die Cherubim hin. Diese hochrangigen Engelwesen stehen für die angestrebte Nähe zu Gott durch mystische Versenkung. Dieses Ziel drückt sich auch in der formalen Gestaltung der Gedichte aus: Die knappen Zweizeiler verdichten mystische Erfahrungen, indem sie vermeintlich paradoxe Aussagen aufeinandertreffen lassen. Etwas im Grunde Unsagbares soll hier in Worte gefasst werden. Die ersten fünf Bücher der Sammlung entstanden noch, bevor Angelus zum Katholizismus konvertierte und enthalten Gedanken, die eine Nähe zu pantheistischen Auffassungen haben: Immer wieder wird eine allen Erscheinungen zugrunde liegende Einheit beschworen, in der keine Grenzen zwischen Gott, der Natur und dem Menschen mehr zu existieren scheinen. Wer Gott nicht im Grunde seines Herzens und seiner Seele erfahren kann, wird nicht in der Lage sein, ihm näherzukommen – schon gar nicht durch vernunftgeleitete Reflexionen.

Zu einiger Bekanntheit hat es auch seine Liedersammlung Heilige Seelenlust Oder Geistliche Hirtenlieder gebracht, das unter diesem Titel erstmals 1657 in Breslau gedruckt wurde und 1668 in einer erweiterten Ausgabe erschien. Die Melodien zu diesen Liedern (von denen einige noch heute inden Gesangbüchern beider Konfessionen zu finden sind) stammen vorwiegend von dem Breslauer Musiker Georg Joseph.
Nach oben

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/angelus/feed/ 0 266
Andreas Gryphius Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/gryphius/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/gryphius/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:15:33 +0000 https://www.pohlw.de/?p=264 Herkunft

Andreas Gryphius entstammte einem lutherischen Pastorenhaus. Sein Vater, Paul Gryphius, bekleidete nach seinem Theologiestudium verschiedene geistliche Ämter. Paul Gryphius war dreimal verheiratet und zeugte zahlreiche Kinder. Anna Erhard, dessen dritte Ehefrau, war 32 Jahre jünger als er und entstammte einer Offiziersfamilie. Andreas Gryphius war das dritte Kind dieser Verbindung. Er gehörte damit einer bürgerlichen Elite an, die herausgehobene gesellschaftliche und berufliche Positionen begleitete.

Kindheit, Jugend und schulische Ausbildung

Am 2. Oktober 1616 wurde Andreas Gryphius in Glogau geboren. Ab 1621 besuchte er die Glogauer Stadtschule, die Ausbildung dort wurde aber durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs (1618 – 1648) erschwert.

Zudem verlor er in seiner frühen Kindheit beide Elternteile. Im Januar 1621 starb sein Vater. Im April 1622 heiratete Anna Erhard den Lehrer Michael Eder, welcher den 12 Jahre alten Gryphius nach dem Tod seiner Mutter am 21. März 1628, als seinen Stiefsohn aufnimmt.

Die familiären Schicksalsschläge wurden durch die zeitgeschichtlichen Konflikte noch verstärkt. So musste sein Stiefvater Eder Ende Oktober 1628 die Stadt Glogau verlassen, da der kaiserliche Landeshauptmann mit der Zwangsrekatholisierung der Stadt begann.

Gryphius musste in der Stadt bleiben und konnte seinem Stiefvater erst im Dezember 1628 nach Driebitz, einem kleines Dorf auf polnischem Gebiet, folgen. Anschließend suchte er dreieinhalb Jahre eine Schule, bevor er seine Ausbildung im polnischen Fraustadt fortsetzen konnte.

Der Zugang zu einer großen Bibliothek und der normale protestantisch-humanistische Bildungsgang waren für seine Entwicklung besonders wichtig. In dieser Zeit verfasste er, während des Schulbetriebs, seine ersten literarischen Werke. So war auch ein 1633 vollendeter Herodes-Epos, der im folgenden Jahr in Glogau gedruckt wurde, das Ergebnis einer schulischen Stilübung.

Nach zwei Jahren beendete Gryphius seine Ausbildung in Fraustadt und reiste mit Schulkameraden nach Danzig. Am 26. Juli 1634 schrieb er sich in das dortige akademische Gymnasium ein und setzte dort seine Ausbildung bis 1636 fort.

Die polnische Handelsstadt bot ihm viele Eindrücke. Besonders das gewaltlose Miteinander der verschiedenen Konfessionen war für Gryphius eine neue Erfahrung.

In den Danziger Jahren verfasste er einen weiteren Herodes-Epos, sowie ein Lobgedicht auf den kaiserlichen Beamten Georg Schönborner. Dieser beschäftigte ihn von 1636 bis zu seinem Tod im Dezember 1637 als Hauslehrer auf seinem Gut.

Akademische Laufbahn

Nach dem Tod seines Gönners begleitete Gryphius die beiden Söhne Schöneborners nach Leiden und wurde, neben den beiden Söhnen, in die dortige Universität im Frühjahr 1638 immatrikuliert. Er blieb insgesamt sechs Jahre an der Universität, in die er als Philosophiestudent eingeschrieben war.

Gryphius beschäftigte sich in dieser Zeit mit vielen verschiedenen Themengebieten. Besonders interessierte ihn die Anatomie, weshalb er an einigen Obduktionen aktiv teilnahm.

1644 reiste er im Rahmen seiner Kavalierstour mit einer Gruppe pommerscher Adliger nach Italien und Frankreich. Von dort aus verfolgte er interessiert den britischen Bürgerkrieg, welcher seinen Höhepunkt in der Hinrichtung des Königs Karls I. fand. Dieses Ereignis inspirierte Gryphius zum Trauerspiel „Carolus Stuardus“. Schließlich kehrte er im Sommer 1647 in seine Heimat zurück.

Amtsjahre und Lebensende

Durch seine Gedichtsammlungen wurde Gryphius zu einem angesehenen Dichter. In den darauffolgenden zweieinhalb Jahre schrieb er weitere vier Dramen (beispielsweise „Cardenio und Celinde“ und „Carolus Stuardus“). Außerdem erhielt er drei Rufe auf Professuren an den Universitäten Frankfurt an der Oder, Heidelberg und Uppsala, die er aber alle ausschlägt.

Am 12. Januar 1649 heiratete er Rosina Deutschländer, die Tochter eines Fraustädter Kaufmanns.

Am 3. Mai 1650 trat Gryphius das Amt des Syndicus der Landstände des Fürstentums

Glogau an. Damit vertrat er sein Territorium juristisch und diplomatisch

gegen die zentralistischen und gegenreformatorischen Bestrebungen der habsburgischen

Herrschaft. Diesen Dienst nahm er sehr ernst und verwendet darauf einen großen Teil seiner Arbeitskraft. Dadurch schaffte er es erst 1659 sein letztes Trauerspiel Papinia zu veröffentlichen.Andreas Gryphius erlitt am 16. Juli 1664 einen Schlaganfall und verstarb kurz darauf.

Werk

Gryphius Werk war geprägt von seinen traumatischen Kindheitserfahrungen, dem Dreißigjährigen Krieg und dem Konfessionsstreit. In seinen Werken behandelt er daher auch oft den Dreißigjährigen Krieg und das damit verbundene Leiden der Menschen. Dadurch waren seine Werke auch von Pessimismus geprägt und die Vergänglichkeit des menschlichen Strebens und Schaffens wurde in den Vordergrund gerückt.

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/gryphius/feed/ 0 264
Martin Opitz Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/opitz/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/opitz/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:14:19 +0000 https://www.pohlw.de/?p=262 Der deutsche Dichter Martin Opitz wurde als Sohn eines Fleischermeisters am 23. Dezember 1597 in Bunzlau, Schlesien geboren. Aufgewaschen ist er in einer protestantischen Familie. Er gilt als Pionier der Schlesischen Dichterschule. Opitz war einer der wichtigsten Theoretiker des Barocks und wurde unter seinen Sympathisanten als Wiederhersteller der deutschen Dichtung bezeichnet.

Nach absolviertem Abitur am Gymnasium, studierte Opitz ab 1619 Philosophie und Jura an der Universität in Heidelberg, bis ihn der Dreißigjährige Krieg dazu zwang Heidelberg zu verlassen. Daraufhin flüchtet er nach Holland und kehrt 1622 zurück nach Schlesien. Erneut trieben ihn die politischen Zustände fort, diesmal in das damalig bereits reformierte Fürstentum Siebenbürgen. Dort war er als Lehrer am Gymnasium tätig bis er 1623 zurück in seine Heimat Schlesien kam.

Ferdinand II. ernannte Opitz 1625 für seine Leistungen zum Poeta laureatus, einem königlich gekrönten Dichter. Daraufhin folgte nur zwei Jahre später sogar der Adelsschlag zu Martin Opitz von Boberfeld, als Anerkennung für sein Gedicht anlässlich des Todes des Erzherzogs Karl. In dieser Zeit war er Sekretär des schlesischen Führers Karl Hannibal von Dohna, der das Gebiet erneut katholisieren sollte. Nach dessen Vertreibung, diente Opitz ab 1633 den protestantischen Herzögen. bis er 1637 Sekretär und Historiograph des polnischen Königs Vladislav IV. wurde. Durch seine Position am Königshaus, verschlug es ihn auf diplomatische Reisen nach Berlin, Warschau, Prag und Paris. Währenddessen wurde er durch die Hilfe von Diedrich von dem Werder und Friedrich von Schilling 1629 Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“. Deren Absicht war es, die Anerkennung und Verbesserung der deutschen Sprache und Literatur zu unterstützen.

Trotz seiner beruflichen Tätigkeit, war Martin Opitz auch als Dichter sehr produktiv. Durch die Veröffentlichung seiner Werke verfolgte er das Ziel, die deutsche Sprache im europäischen Raum in den Vordergrund zu heben. Zu dieser Zeit war immer noch Latein die übliche Literatursprache in Deutschland. Auch Opitz verfasste seine ersten Werke in Latein, wie zum Beispiel 1616 „Strenarum libellus“ und 1617 „Aristarchus svie de contemptu linguae reutoricae“ was so viel heißt wie „ Aristarchus oder über die Verachtung der deutschen Sprache“. Einflüsse des Dreißigjährigen Krieg veranlassten ihn zu seinem Werk „Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges“ 1633, worin er seine Glaubenseinstellung zum Vorschein gab. Opitz sah im Tod die Erfüllung des irdischen Lebens und war überzeugter Protestant.

Innerhalb von nur fünf Tagen schrieb der Dichter sein erstes bekanntes Werk, das den Titel „Buch von der Deutschen Poeterey“ trägt. Dieses verfasste er 1624 und legte damit wichtige neue Regeln für die deutsche Kunstdichtung und Verssprache fest. Darin wies er auf den natürlichen Wortakzent hin und das Wechselspiel von Hebung und Senkung in der gebundenen Sprache. Aus alle dem kristallisiert sich heraus, dass Opitz‘ wesentliches Ziel war, durch seine Werke eine neue deutsche Nationalliteratur zu fördern, was ihm auch epochenübergreifend weit über den Barock gelang. 1625 vervollständigte er sein Hauptwerk um weitere drei Bücher, in denen er separat die geistige und weltliche Dichtung aufgriff.

Neben eigenen Werken, versuchte Opitz sich ebenfalls an Übersetzungen und Überarbeitungen großer Weltliteratur. So traf er während eines dienstlichen Aufenthalts in Paris auf Hugo Grotius und übertrug daraufhin dessen Werk „Über die Wahrheit der christlichen Religion“ in die deutsche Sprache. Auch klassische Dramen wie „Trojanerinnen“ 1625 von Seneca oder „Antigone“ 1636 von Sophokles übertrug er aus der lateinischen Sprache in die deutsche und schaffte es durch sein Gesamtwerk seine Theorie der Dichtung zur höfischen Dichtung zu machen.

Als „Vater der deutschen Dichtung“ zählte auch traditionelle Literatur zu seinen Veröffentlichungen. Beispiele dafür sind unter anderen das frühmittelhochdeutsche „Annolied“, „Die Klage-Lieder Jeremia“ 1626, „Judith“ 1635 und „Die Psalmen Davids“ 1637.

Durch seine dauerhaften Bemühungen, die deutsche Dichtung zu erneuern, schaffte er es letztendlich tatsächlich, dass diese an die europäische Nationalliteratur anknüpfen konnte. Somit vollendete Opitz erfolgreich sein Lebenswerk.

Am 20.August 1639 verstarb Martin Opitz im Alter von 41 Jahren an den Folgen der Pest in Danzig. Seine Grabstätte findet man heute in der Danziger Marienkirche.

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/opitz/feed/ 0 262
Abraham a Sancta Clara Biographie https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/abraham/ https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/abraham/#respond Mon, 12 Jun 2017 23:13:08 +0000 https://www.pohlw.de/?p=260 Der katholische Ordensgeistliche Abraham a Sancta Clara (1644 – 1709) nimmt in der deutschen Literaturgeschichte des Barocks eine besondere Stellung ein. Die von Abraham a Sancta Clara geschriebenen Predigten, Traktate und sonstigen Schriften zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Wortkraft, Originalität und Volksnähe aus. Als Prediger hat Abraham a Sancta Clara eine Popularität erreicht, die mit der eines heutigen Popstars vergleichbar ist. Zu Abraham a Sancta Claras Beliebtheit in der Bevölkerung trug nicht nur seine volksnahe Sprache bei, sondern auch, dass er sich nicht scheute, soziale Ungerechtigkeiten anzusprechen. Auf der anderen Seite stellte er das politische System seiner Zeit nicht grundsätzlich infrage und genoss die Sympathie des Habsburger Herrschers Leopold. Zur Gesamtwürdigung Abraham a Sancta Claras gehören aber nicht nur positive Aspekte, sondern auch dunkle Seiten wie sein ausgeprägter Antjudaismus, der sich in vielen seiner Werke niedergeschlagen hat.

Abraham a Sancta Clara ist zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges am 2. Juli 1644 in dem oberschwäbischen Dorf Kreenheinstetten zur Welt gekommen. Das heute zur 2000-Einwohner-Gemeinde Leibertingen (Kreis Sigmaringen) gehörende Kreenheinstetten war damals Teil der Grafschaft Meßkirch, die wiederum seit 1627 eine der Herrschaften des in mehreren Linien aufgespaltenen Grafen- beziehungsweise seit 1664 Fürsten-Geschlechts der Fürstenberger war. Abraham a Sancta Claras ursprünglicher Name war Johann (oder Hans) Ulrich Megerle. Wie alle Bewohner von Kreenheinstetten hatte auch Johann Ulrichs Familie den Leibeigenen-Status. Johann Ulrich Megerle wuchs in derb-dörflicher Umgebung als Sohn des recht wohlhabenden Lehnsbauern und Gastwirts Matthäus Megerle auf. Der aufgeweckte Johann Ulrich besuchte auf Empfehlung des örtlichen Pfarrers die gräfliche Schlossschule in Meßkirch.

Entscheidend für den weiteren Lebensweg des Dorfjungen wurde die Förderung durch seinen Onkel Abraham Megerle, einem 1652 geadelten Geistlichen und Hofkapellmeister. Der einflussreiche Onkel ermöglichte seinem Neffen den Besuch des Salzburger Benediktiner-Gymnasiums. 1662 trat Johann Ulrich Megerle in den Reform-Orden der Augustiner-Barfüßler ein, nahm den Ordensnamen „Abraham a Sancta Clara“ an, studierte danach Theologie und Philosophie in Wien, Ferrara und Prag und wurde 1666 (oder 1668) in Wien zum Priester geweiht.

Der junge Priester machte sich bald in Wien und Umgebung einen Ruf als begnadeter Kanzelredner, dessen „dem Volk aufs Maul geschauten“ Predigen wegen ihres Witzes und der Wortspiele sehr beliebt wurden. Dabei ging der durch seine kräftige Statur und tönende Stimme schon rein körperlich beeindruckende Abraham a Sancta Clara als „Volkserzieher“ keineswegs sanft mit seinen Zuhörern um. Er prangerte scharfzüngig immer wieder die Laster seiner Schäflein wie Trunkenheit, Neid und Raffgier an und forderte energisch die Einhaltung christlicher Tugend- und Mäßigungsgebote ein. 1677 ernannte ihn Kaiser Leopold I. zu seinem Hofprediger. Während der dreimonatigen Belagerung Wiens durch die Türken im Sommer 1683 hielt sich Abraham a Sancta Clara in Graz auf. Unter anderem durch Predigtschriften von ihm, die in das belagerte Wien geschmuggelt wurden, rief er die Bevölkerung zum Durchhalten auf.

In Abraham a Sancta Claras letztem Lebensabschnitt nahmen neben seiner Tätigkeit als Prediger Aufgaben als Prior in Wien und Graz sowie ab 1689/1690 als Provinzial der deutsch-böhmischen Ordensprovinz weiten Raum ein. Außerdem entstand in dieser Zeit ein Großteil seiner etwa 600 überlieferten Werke. Am 1. Dezember 1709 ist Abraham a Sancta Clara in Wien gestorben. An den begnadeten Prediger erinnern heute unter anderem eine Gedenkstätte in seinem Geburtsort und ein Denkmal am Wiener Opernring.

Als Abraham a Sancta Claras Hauptwerk wird von vielen Literaturexperten die mehrbändige Traktatensammlung „Judas der Ertz-Schelm“ (1686 – 1695) eingeordnet. Besonders bekannte Texte von Abraham a Sancta Clara sind daneben das als Reaktion auf die Wiener Pest (1679) entstandene „Merck´s Wienn!“, das unter dem Eindruck der türkischen Belagerung geschriebene „Auff, auff, ihr Christen!“ (1683), die Predigtensammlung „Reimb Dich oder ich liß dich“ (1684) und “Huy! und Pfuy! der Welt“ (1707).
Nach oben

]]>
https://www.pohlw.de/literatur/sadl/barock/abraham/feed/ 0 260