Charakterisierung schreiben: Aufbau, Gliederung & Merkmale

Bei der Charakterisierung einer Figur handelt es sich in der Regel um eine Person, über die durch irgendein Medium etwas erfahren wird. Das entsprechende Medium kann ein Buch, ein Film, ein Computerspiel oder ein Hörbuch sein. In der Schule befasst sich der Unterricht häufig mit schriftlich verfassten Werken in Form von Romanen, Kurzgeschichten oder Novellen. Aber auch eine Figur aus einem Film kann Gegenstand einer Charakterisierung sein.

Die betreffende Figur gilt es in analytischer Weise zu charakterisieren. Dazu gehört nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die Eigenschaften der Person, die Einfluss auf das soziale Umfeld und ihr Leben haben. Dabei ist der Schwerpunkt auf das zu legen, was für die Handlung und die Entwicklung der Geschichte wichtig ist. Und gerade darin liegt auch die Schwierigkeit einer Charakterisierung.

Die Außensicht und die Innensicht einer zu charakterisierenden Figur stehen meistens im Zusammenhang mit der Geschichte. Diesen Zusammenhang gilt es bei der Charakterisierung herauszuarbeiten. Ein objektiver Dritter muss den Text verstehen können.

Aufbau einer Charakterisierung

Einleitung

In der Regel ist in der Einleitung zunächst Bezug auf das Werk zu nehmen. Dazu gehören der Titel des Werkes, der Name des Autors und die Textsorte oder das entsprechende Medium (Buch, Film, Computerspiel etc.), um das es geht. Auch das Erscheinungsdatum des Werkes gehört in die Einleitung und dient als Beleg einer wissenschaftlichen Arbeit in dieser Form der Aufgabenstellung.

In möglichst wenigen Worten ist das Kernthema der Geschichte zusammenzufassen. Das lässt sich in zwei bis drei Sätzen bewerkstelligen. Das Kernthema sollte so erfasst werden, dass prägnant und zielgenau beschrieben wird, um was es bei der Geschichte geht. Eine Einleitung darf bei einer Charakterisierung niemals zu lang sein.

Eine neutraler Leser sollte in der Lage sein den Text zu verstehen, ohne die Aufgabenstellung zu kennen.

Die Bezugnahme und die Erstellung eines Zusammenhangs mit und auf das Werk ist unbedingt nötig. Denn diese Elemente dienen der eigentlichen Charakterisierung der fiktiven Figur.

Der kurzen Einleitung schließt sich im Idealfall ein Satz an, der in den Hauptteil der Charakterisierung einführt. Ohne Heranführung in die eigentlichen Charakterisierung steht sie Einleitung isoliert und zusammenhangslos für sich. Für ein besseres Verständnis und einen leichten Lesefluss ist eine Überleitung sinnvoll und beweist ein Denken im Sachzusammenhang.

Hauptteil

Im Hauptteil findet die eigentliche Charakterisierung statt. Diese beginnt mit der Außensicht der Figur.

Außensicht

Wenn die zu charakterisierende Figur einen Namen hat, so muss dieser als erstes erwähnt werden. Es gibt aber auch Geschichten, in denen man den Namen der Figur nicht erfährt. In diesem Fall liegt das Anliegen des Autors auf anderen Dingen.

Der Schüler hat sich bei der Aufgabenstellung zunächst auf das äußere Erscheinungsbild zu konzentrieren. Dazu zählen das Geschlecht, das Alter, der Kleidungsstil und das Aussehen der fiktiven Figur. Es geht hierbei nicht darum nur die Haarfarbe einer Person festzuhalten, sondern auch um die Kleidung, die sie trägt oder ob es besondere äußerliche Wiedererkennungsmerkmale des Charakters gibt.

Zu einer Charakterisierung gehört auch das soziale Umfeld der Figur, sofern dieses in der Geschichte vorhanden ist. Dazu gehört, welchem Beruf die Figur nachgeht, wie der ihr Beziehungsstatus aussieht. Die Figur kann verheiratet sein und eine Familie haben oder in ihrem Umfeld bewegen sich wichtige Freunde oder Personen, die für das Handeln der zu charakterisierenden Figur und für die Handlung der Geschichte wichtig sind.

Bis zu diesem Punkt kümmert sich die Charakterisierung um offensichtliche und oberflächliche Merkmale. Nachdem diese erfasst worden sind, fängt das eigentliche Problem einer Charakterisierung an:

Eine Schwierigkeit der Geschichte (und damit ein Problem) kann sich ergeben, indem der Autor dem Leser der Geschichte nicht immer alles erzählt und über das Umfeld der Person nichts in informativer Weise erfahren werden kann. In diesem Fall ist sich an den Handlungen der Figur zu orientieren und daraus können sich dann entsprechende Rückschlüsse ergeben.

Eine weitere Schwierigkeit der Charakterisierung kann sich im Herausfiltern der Merkmale selbst ergeben. Was wichtig ist für die Handlung der Geschichte und was nicht?

So ist die Tatsache, dass die Figur eine Brille trägt nicht unbedingt wichtig für die Handlung, aber wichtig für ein äußeres Merkmal der Figur, wenn es sich um ein Markenzeichen der Person handelt, die sie im Vergleich zu anderen Figuren der Geschichte unverwechselbar macht.

Wenn sich bestimmte Merkmale in einem direkten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte setzen lassen, so sind jene Merkmale auch wichtig in einer Charakterisierung zu erwähnen.

Als nächstes geht um das Verhalten einer Person. Dazu zählen neben Interessen, Vorlieben und Abneigungen der Person auch die Art der Sprechweise der Figur. Zu erfassen ist, wie die Person kommuniziert mit anderen und unter Umständen mit sich selbst.

Es kann sein, dass die Figur in direktem Kontakt zu anderen Menschen steht oder aber gerade einen Kontakt mit Menschen meidet. Steht sie mit anderen Personen in Kontakt, hat sie vielleicht einen bestimmte Akzent beim Sprechen oder sie leidet unter einer Sprachbehinderung. Es kann auch sein, dass der Charakter überhaupt nicht spricht und nur aus den Handlungen auf das Verhalten Rückschlüsse gezogen werden können.

Eine Figur, die während der gesamten Geschichte beispielsweise krank zu Hause im Bett liegt, wird keinem Menschen begegnen. Die Handlung wird durch ihre Gesundheit beeinflusst und findet drinnen statt..

Zum Verhalten zählen auch die Probleme, Gefühle, die Einstellung gegenüber bestimmten Dingen und die Art wie die Figur denkt. Diese Komponenten sind wichtig für die Außenwirkung der Figur und sie beeinflussen den Verlauf der Handlung und der gesamten Geschichte und sind in einer Charakterisierung umfassend zu analysieren.

Die einzelnen Merkmale hängen in einer Geschichte, sofern sie wichtig für die Handlung sind, auch immer zusammen. In der Regel ist eine Figur in der Weise gestrickt, dass viele ihrer Eigenschaften in einem direkten Zusammenhang stehen. Diesen Zusammenhang gilt es analytisch herauszuarbeiten. Sowohl in Geschichten als auch im wahren Leben wird sich keine Bankangestellte finden, die in Sportklamotten Kunden ihre betreut.

Innensicht

Es folgt die Innensicht der Figur. Dazu zählen Gefühle, Handlungsweisen, Probleme, Verhalten und Motivationen. Es ist herauszufinden warum die zu charakterisierende Figur gerade auf diese Weise handelt und nicht anders. Folgende Fragen können bei der Charakterisierung im Teil der Innenansicht helfen:

Welchen Einfluss hat die Figur und wie sieht sich selbst?

Welche Auswirkungen hat die Figur auf den Verlauf der Geschichte?

Hat sich die Figur im Laufe der Geschichte entwickelt oder hat sie sich nicht entwickelt?

Ein Blick auf den Gesamtverlauf der Geschichte ist wichtig, um Zusammenhänge zu erkennen, die mit der Charakterisierung des Innenlebens in direkter Verbindung stehen.

Exkurs: Explizite und implizite Charakterisierung

  • Explizite CharakterisierungAlle bisher beschriebenen Beispiele zeigen, wie Personen durch andere (Erzähler, Figuren) analysiert werden oder sich selbst in charakterisierender Weise analysieren können.Diese Formen der Charakterisierung erfolgen explizit. Das bedeutet, dass entsprechende Eigenschaften durch andere Figuren, den Helden des Romans oder durch den Erzähler selbst offensichtlich aufgeführt werden.
  • Implizite CharakterisierungDie implizite Charakterisierung ist das, was nicht gesagt wird, aber dennoch offensichtlich ist. Handelt es sich vielleicht um einen passiv/aggressiven Charakter, der durch das bestimmte Unterlassen einer Handlung (z.B. nicht mitlachen) eine ganze Situation im Stillen steuern kann? Hier wird nicht auf direktem Wege kommuniziert, sondern durch konkludentes Verhalten, dass offensichtliche Außenwirkung erzeugt.Bei der expliziten und impliziten Texterstellung empfiehlt es sich diese farblich voneinander zu trennen. Auf diese Weise lässt sich schneller erkennen, welche Andeutungen im Text klar kommuniziert werden und welche nicht.

Schluss

Im Schluss darf der Schüler nun seine eigene Meinung zum Charakter darlegen. Er darf ihn kritisieren. Die sollte aber in aller Kürze geschehen. Im Schluss sollte die Figur und das Gesamtwerk nochmals zusammenfassend in Verbindung gesetzt werden. Die Schwierigkeit hierbei liegt darin, die wirklich wichtigen Eigenschaften der Figur festzuhalten und unwichtige Dinge wegzulassen.

Unwichtige Elemente können eine Charakterisierung in die Länge ziehen und unübersichtlich machen. Es wäre schlicht falsch den Fokus auf Dinge zu verschieben, die mit der Handlung und der Entwicklung der Geschichte nichts zu tun haben.

Was ist das Ziel einer Charakterisierung?

Eine Charakterisierung hat das Ziel, die wichtigsten Merkmale einer Figur zu umfassen, die für die Handlung der betreffenden Geschichte relevant sind. Die Eigenschaften einer Figur können helfen, ihre Taten und Handlungen zu verstehen.

Eine Charakterisierung kann sowohl für reale Personen als auch für fiktive Charaktere geschrieben werden. In der Schule wird sich die Aufgabenstellung einer Charakterisierung auf eine Figur eines Mediums beziehen (Roman, Kurzgeschichte, Film etc.).

Der Unterschied zu einer Personenbeschreibung liegt in der Detailtiefe der Merkmale der Figur. Die Personenbeschreibung konzentriert sich auf die äußeren Merkmale des Charakters, während bei einer Charakterisierung auch das Innenleben der Person erfasst werden muss.

Die Charakterisierung umfasst die Außenwirkung der Person, ihr Innenleben und das äußere Erscheinungsbild und versucht über diese Merkmale einen Zusammenhang mit den Charaktereigenschaften der Figur zu erstellen.

Das Innenlebens der Figur darf bei einer Charakterisierung nicht fehlen.

Das Wort Charakter stammt aus dem Griechischen ab und bedeutet übersetzt Prägestempel.

Vorbereitung einer Charakterisierung

Bevor sich der Schüler dem Lesen widmet, sollte dieser sich entsprechende Schreibmaterialiern zurechtlegen. Für die Markierung wichtiger Passagen im Text sind Textmarker ideal. Diese können in verschiedener Farbe auch zur Abgrenzung unterschiedlicher Merkmale dienen. Die äußeren Merkmale können in einer Farbe und die inneren Merkmale in einer anderen Farbe markiert werden.

Alternativ können ein normaler Stift oder bunte Klebezettel benutzt werden, damit bestimmte Textpassagen leichter wiedergefunden werden können.

Wenn ein wichtiger Teil für die Charakterisierung einer fiktiven Figur aus dem Text markiert oder angemerkt wird, ist eine Kennzeichnung der Seitenzahl und der Zeile erforderlich. Das sind Elemente, die für ein wissenschaftliches Arbeiten dieser Art dazu gehören. Wer ein Merkmal beschreibt, darf nicht nur behaupten, sondern muss auch belegen können, wo es steht.

Egal um welches Medium es sich handelt: Der Schüler sollte sich den Text mehrmals durchlesen. Handelt es sich um einen Film, sollte dieser öfter angeschaut werden.

Merkmale einer guten Charakterisierung

  • Für die Geschichte relevante äußere und innere Merkmale der Figur sind festzuhalten
  • Wichtige Merkmale der Person sind im direkten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte zu bringen
  • Elemente der Charakterisierung sind durch Textstellen zu belegen (Seitenzahl, Textabschnitt, Zitat)
  • Titel des Werkes, Name des Autors und Erscheinungsdatum des Werkes sind vollständig wiederzugeben
  • Die Präsensform der Charakterisierung ist strikt einzuhalten
  • Text ist so zu schreiben, dass ein Leser, der nicht mit der Aufgabenstellung betraut ist, den Text ohne Probleme verstehen kann
  • Einleitung und Schluss sind klar und prägnant formuliert

Häufige Fehler

  • Präsensform der Charakterisierung ist nicht eingehalten. Beispiel: Richtig: “Der Advokat Coppelius ist ein großer Mann, hat markante Schultern, einen verhältnismäßig großen Kopf und grüne Augen (S. 7).” Falsch: “Coppelius war ein großer Mann…”
  • Es wird eine Behauptung über die Figur aufgestellt, die im Text nicht belegt wird durch eine Seitenzahl, einen Textabschnitt und eine Zeilenangabe. Wer keine Textvorlage hat kann in diesem Fall die Szene, auf die Bezug genommen wird ganz kurz beschreiben.
  • Außensicht und Innensicht der Figur werden nicht geordnet aufgeführt
  • Wichtiges wird nicht von unwichtigem getrennt
  • Es wird kein Zusammenhang zwischen den Merkmalen und der Handlung der Figur aufgestellt.

Checkliste zum Schreiben einer guten Charakterisierung

  • Einleitung: enthält erforderliche Informationen (Name des Autors, Titel des Werks, Erscheinungsjahr des Werks, Textsorte/Medium, Ort/Zeit der Handlung der Geschichte, Kernthema der Geschichte)
  • Hauptteil: Die Darstellung ist gut gegliedert in der Reihenfolgen von außen nach innen.
  • Das äußere Erscheinungsbild ist dargestellt. Äußere Merkmale sind aufgezeigt: Beruf, soziale Stellung im Umfeld etc.
  • Für die Figur typisches Verhalten, Charaktereigenschaften, innere Einstellungen, Eigenschaften, Wertvorstellungen etc. sind aufgezeigt.
  • Die Wahrnehmung der Figur durch andere Personen und die Beziehung zum Umfeld sind aufgezeigt und interpretiert.
  • Veränderungen und Entwicklungen des Charakters sind im Verlauf der Geschichte dargestellt.
  • Alle aufgezeigten Merkmale stehen in einem aufgezeigten Zusammenhang mit der Handlung der Geschichte.
  • Jede Analyse ist am Text belegt (Seitenzahl,Textabschnitt, Zeile,Zitate).
  • Der Schlussteil gibt eine abschließende Beurteilung des Charakters und der Art ihrer Darstellung in der Geschichte wider
  • Einleitung, Hauptteil und Schluss müssen vorhanden sein. Der Hauptteil nimmt den größten Teil des Textes ein.

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