Aufklärung Literaturepoche Merkmale, Autoren & Werke

Die Literaturepoche der Aufklärung ist vor dem Hintergrund einer gesamteuropäischen bürgerlichen Bewegung im 18. Jahrhundert zu betrachten, die ihre Wurzeln in England und Frankreich hatte. Sie war geprägt vom analytischen und kausalen Denken und dem Glauben an den Sieg der Vernunft und des Fortschrittsdenkens. Dadurch entstand ein neues bürgerliches Bewusstsein, das neben Vernunft auch die Freiheit als Grundprinzip ansah. In diesem Zusammenhang wurden wesentliche Herrschaftsstrukturen zu Gunsten des Naturrechts in Frage gestellt, das alle Menschen von Geburt an gleich in ihrem Verstand und ihren Rechten betrachtete. Das bekannteste Beispiel für diese Bewegung ist die Französische Revolution 1789.

Viele berühmte philosophische Grundsätze stammen aus dieser Zeit, wie zum Beispiel „cogito ergo sum“ von René Descartes („Ich denke, also bin ich.“) oder „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ von Immanuel Kant. In der Literaturgeschichte schließt der Begriff der Aufklärung die Epochen Empfindsamkeit und Sturm und Drang mit ein.

Name der Epoche

Der Begriff der Aufklärung wurde das erste Mal von Immanuel Kant 1784 griffig definiert: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen!“ Kant forderte also im Sinne der Aufklärung das Bürgertum dazu auf, sich zu emanzipieren und der Unmündigkeit zu entkommen. Hinter der Aufklärung steckt ein historisches gesellschaftliches Konzept, das sich auf alle Bereiche der Gesellschaft, wie Politik, Philosophie und Kunst, ausdehnte.

Merkmale der Epoche Aufklärung

Diese Grundsätze spiegelten sich auch in der Literatur wider. Die moralischen und philosophischen Ansichten des verstandesgemäßen und tugendhaften Handelns sollten in die literarische Öffentlichkeit gelangen und das breite Volk erreichen. Wichtige Merkmale der Literatur der Aufklärung sind:

  • Entstehung einer literarischen Öffentlichkeit: An die Stelle des Hofdichters, der über die höfische Gesellschaft schrieb, traten nun freie Schriftsteller, die sich dem bürgerlichen Leben zuwandten. Das machte sie zwar unabhängiger, allerdings konnten viele ihren Lebensunterhalt nicht ohne einen Nebenverdienst bestreiten. Die Literatur verbreitete sich immer weiter im Volk.
  • Literatur im Sinne von Vernunft, Humanität und Nützlichkeit: Die Gedanken der Aufklärung wurden durch die Literatur transportiert und thematisch lagen die Schwerpunkte auf Forschung und Emanzipation. So entstanden auch immer mehr wissenschaftliche und literaturtheoretische Schriften, die noch heute eine wichtige Basis für demokratisches Gedankengut bilden.
  • Neue Untergattungen – das bürgerliche Trauerspiel, bürgerliches Drama: Das Drama und damit das Theater war die wichtigste literarische Gattung während der Aufklärung. Mit Gotthold Ephraim Lessing wurde es dahingehend reformiert, dass nun auch das Bürgertum auf die Bühne durfte und die Figuren in den Dramen bürgerliche Tugenden vertraten.
  • Erzieherische Aufgabe der Fabel: Neben dem bürgerlichen Trauerspiel stellten auch Fabeln und Parabeln wichtige literarische Formen dar. Beide sollen den Leser moralisch belehren. Während die Fabel dies mit Tieren als Protagonisten vollbringt, stellt die Parabel der Bildebene eine Sachebene gleichnishaft gegenüber. Aus der Bildebene, also dem Geschehen in der Geschichte selbst, sollen Schlussfolgerungen auf der Sachebene getroffen werden, die den Leser zum Nachdenken anregen.
  • Der bürgerliche Roman: Auch in der Epik verlagerte sich die Perspektive auf das Bürgertum und einen bürgerlichen Protagonisten. Den Anfang machte 1766/67 Christoph Martin Wieland mit dem Roman „Agathon“.
  • Formenvielfalt in der Lyrik: Die Lyrik der Aufklärung zeichnete sich durch eine große Formenvielfalt aus, die sowohl subjektive und gefühlsstarke Oden und Hymnen umfasste als auch aufklärerische Lehrgedichte und Gedankenlyrik.
  • Sozialkritische Tendenzen in der Literatur: Das Streben des Bürgertums, geistige Freiheit zu erlangen und sich gegen die Bevormundung durch die adeligen Herren zu wenden, führte zur Verbreitung von Satire und politischen Schriften. Eine Form der Satire sind die Aphorismen. Sie formulieren in meist nur wenigen Sätzen einen lehrreichen Sinnspruch.
  • Literaturepoche Empfindsamkeit: Innerhalb der Epoche der Aufklärung lässt sich die Strömung der Empfindsamkeit verorten. Zeitlich ist sie von 1740 bis 1790 anzusiedeln. Dem rationalen Denken der Aufklärer wurde eine gefühlsbetontere Ausdrucksform verliehen. Thematisch wurde zum Beispiel der Pietismus behandelt, der die persönliche Auseinandersetzung mit Gott in den Fokus rückt. Daneben spielte Freundschaft und Naturnähe eine zentrale Rolle.
  • Literaturepoche Sturm und Drang: Ebenfalls in der Zeit der Aufklärung liegt der Sturm und Drang (1767 – 1790). Merkmale sind das Geniedenken, Protest gegen die reine Vernunft der Aufklärung, ein idealistisches Lebensgefühl und ein einfühlendes Verhältnis zur Natur.

Rolle der Kunst

Künstler und damit die Kunst gewannen im Zuge der Aufklärung ein neues Selbstbewusstsein, das sich vor allem aus der Einheit von Kunst und Wissenschaft speiste. Künstler zu sein hieß Schöpfer zu sein, von Schönheit, die sich hinter der Natur versteckte, eine schöpferische Erfahrung zu durchleben. Hinzu kam die Bedeutung der Werke als etwas Bleibendes, das als Zeitzeuge überdauern würde.

In der Aufklärung wurde nicht länger die Forderung an die Kunst gestellt, die Natur nachzuahmen und etwas Schönes zu schaffen, sondern das Urteil über die Schönheit eines Kunstwerks sollte frei von Parteilichkeiten und Geschmäckern sein. Kant definierte diese neue Schönheit als „Zweckmäßigkeit ohne Zweck“ und das Urteil über diese sollte frei von Interessen sein, sondern ein allgemeines Wohlgefallen auslösen. Dieses Prinzip lässt sich unter Autonomie der Kunst zusammenfassen: Kunst im Sinne der Kunst, unabhängig von moralischen Zwecken. Der Zweck lag darin begründet, künstlerische Werke von Bevormundung und Zensur zu befreien. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte es sich immer weiter und erreichte seinen Höhepunkt im 19. Jahrhundert mit „L’art pour l’art“ (Kunst um der Kunst willen) und seinem Gegensatz der politischen Tendenzliteratur.

Bekannte Autoren der Epoche

  • Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781)
  • Christoph Martin Wieland (1733 – 1813)
  • Karl Phillip Moritz (1756 – 1793)
  • Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769)
  • Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766)
  • Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Bekannte Werke der Epoche

  • „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing (1779)
  • „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing (1772)
  • „Geschichte des Agathon“ von Christoph Martin Wieland (1766/67)
  • „Anton Reiser“ von Karl Phillip Moritz (1785/86)
  • „Die Betschwester“ von Christian Fürchtegott Gellert (1745)
  • „Die zärtlichen Schwestern“ von Christian Fürchtegott Gellert (1747)
  • „Sterbender Cato“ von Johann Christoph Gottsched (1732)
  • „Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen“ von Johann Christoph Gottsched (1730)
  • „Sudelbücher“ von Georg Christoph Lichtenberg (1765 – 1799)
  • Diverse philosophische Werke und Schriften von Kant, Montesquieu, Voltaire und Rousseau

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