Barock Literaturepoche Merkmale, Autoren & Werke

Historischer Überblick

Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts: der Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 wird zum Auslöser des Dreißigjährigen Krieges. Nach mehrfachen gescheiterten Versuchen gelingt es 1648, einen dauerhaften Frieden in Europa zu schließen und damit den Krieg offiziell zu beenden. Der Sonnenkönig, Ludwig XIV., hat unterdessen den französischen Thron bestiegen und Frankreich zur Stellung einer europäischen Großmacht verholfen. Er prägte die Staatsform des Absolutismus und wurde bekannt für seinen Ausspruch: „L’état c’est moi.“, was übersetzt „Der Staat bin ich.“ bedeutet.

Außerdem wurden zu dieser Zeit einige technische und naturwissenschaftliche Erfolge verzeichnet. So wurde 1656 die Pendeluhr erfunden und 1667 entwickelte Isaac Newton die Differenzial- und Integralrechnung.

Ferner entstand eine neue literarische Epoche: der Barock.

Was versteht man unter ‚Barock‘?

Die Epoche des Barocks dauerte von etwa 1600 bis 1720 an. Der Begriff ‚Barock‘ leitet sich vom portugiesischen Wort ‚barocco‘ ab. Das heißt so viel wie ’seltsam geformte Perle‘. Ursprünglich verwendete man diese Bezeichnung in Frankreich für Kunst, die nicht dem französischen Ideal entsprach. Als Epochenbezeichnung nutzt man diesen Ausdruck erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die europäische Bevölkerung entwickelte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in verschiedene Richtungen. Der Krieg stellte ein prägendes Ereignis dar, weshalb auch die Reaktionen darauf sehr extrem und gegensätzlich ausfielen. Einerseits konnte man eine teils intensive Hingabe zum christlichen Glauben beobachten. Viele erhofften sich, Trost in der Religion zu finden, nachdem der Krieg so viel Zerstörung und Leid mit sich gebracht hatte. Eine andere große Strömung wandte sich den materiellen Genüssen des Lebens zu. Es entstand ein enormer Drang, sich prunkvoll darzustellen und zu präsentieren.

Dies spiegelte sich deutlich in der Mode des Barocks wider. Dort fanden ausladende Röcke und Perücken, sowie prächtig verzierte Gewänder Anwendung.

Die Zerrissenheit des Denkens und Fühlens der Menschen fand man auch in der Kunst. Bildliche Darstellungen zeigten einerseits den Prunk des Barocks mit korpulenten Körpern, andererseits gab es auch viele Auseinandersetzungen mit den kriegsbedingten Traumata der Künstler. Viele Darstellungen beinhalten Totenschädel oder Skelette.

Auch die Literatur entwickelte sich in eine neue Richtung. Der Barock orientierte sich am kulturellen Standard der Renaissance. Deutsche Dichter nahmen sich vor allem Autoren west- und südeuropäischer Länder zum Vorbild.

Es war durchaus üblich, an einem Fürstenhof einen Hofpoeten zu beschäftigen, der somit zum höfischen Personal gehörte. Daher entwickelten sich literarische Zentren vor allem bei Hofe, aber auch in Städten mit Universitäten. Dort konnten vorrangig adlige und bürgerliche Gelehrte ihre Werke verfassen und sie vor Publikum vortragen.

Merkmale der Epoche Barock

1. Deutschsprachige Texte

Während in früheren Epochen die meisten Werke in lateinischer Sprache verfasst wurden, setzte sich im Barock das Schreiben deutscher Texte durch. Daraus ergibt sich das wohl bedeutendste Werk der barocken Dichtergeneration: die Entwicklung und Entfaltung der neuhochdeutschen Literatur.

2. Strenge thematische und inhaltliche Vorgaben

Da es vorher kaum deutsche Literatur gegeben hatte, wurden viele klare Richtlinien verfasst, was das Schreiben von Texten betraf. So wurden bestimmten Textgattungen gewisse Themen zugeordnet, an welche sich Dichter auch streng hielten.

3. „Carpe diem“

Das lateinische Motto „Carpe diem“, also „Nutze den Tag“, fand im Barock immer wieder Verwendung. Dieser Grundsatz drückt das Lebensgefühl der Bevölkerung des 17. Jahrhunderts deutlich aus.

4. „Memento mori“

Ein weiteres Motto, das immer wieder im Zentrum der Literatur stand, ist „Memento mori“. Dies entstammt ebenfalls dem Lateinischen und bedeutet „Bedenke, dass du sterben wirst“. Dieses Motiv zeigt sehr ausdrucksstark, dass der Tod auch in der Literatur ein Thema war, mit dem man sich im Zuge des Dreißigjährigen Krieges auseinandersetzte.

5. Vanitas-Motiv

Das Vanitas-Motiv stellte die Vergänglichkeit und Nichtigkeit des irdischen Seins infrage. „Vanitas“ ist lateinisch für Vergeblichkeit oder Nichtigkeit. Im Barock wurde dieses Motiv mit biblischem Ursprung stark geprägt. Im Mittelpunkt stand hierbei der Gedanke der Eitelkeit der Welt. Gekennzeichnet ist das Vanitas-Motiv durch klare Symbole, wie den Sensenmann, die Sanduhr oder erlischende Kerzen. Hier zeigt sich ebenfalls unmissverständlich der oft düstere Charakter der barocken Literatur.

6. Antithetik

Hinter dem Begriff ‚Antithetik‘ verbirgt sich die Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Worten innerhalb eines Werkes. Dieses Stilmittel half, den Zwiespalt der Gesellschaft zu veranschaulichen und zu verarbeiten. Thematisiert wurden oftmals Kontraste zwischen der irdischen Welt und dem Göttlichen. Beispiele für antithetische Wortpaare sind Diesseits und Jenseits; Prunksucht und Massenelend oder Schein und Sein.

7. Ständeklauseln

Vor allem im Theater wurde mit der Ständeklausel klar abgegrenzt, welche Gattung welche Inhalte thematisierte. In Tragödien wurden die Schicksale des Adels dargestellt, während bürgerliche Belange in der Komödie Beachtung fanden.

Die Sprache wurde ebenfalls genau einem Stand zugeordnet. Dem Adel wurde ein hoher, würdevoller Sprachstil zuteil, wohingegen das Bürgertum einen normalen, mittleren Sprachstil aufwies. Den Bauern ordnete man einen sehr einfachen, niederen Stil zu.

Berühmte Autoren der Epoche

  • Christoffel von Grimmelshausen
  • Martin Optiz
  • Daniel Caspar von Lohenstein
  • Andreas Gryphius
  • Johann Scheffler (bekannt als Angelus Silesius)
  • Jakob Bidermann
  • Friedrich Freiherr von Logau
  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
  • Georg Rudolf Weckherlin

Bekannte Werke der Epoche

  • „Oden und Gesänge“ (1618/19) – Weckherlin
  • „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624) – Opitz
  • „Sonn- und Feiertagssonette“ (1639) – Gryphius
  • „Leo Armenius oder Fürstenmord“ (1650) – Gryphius
  • „Ibrahim“ (1650) – Lohenstein
  • „Carolus Stuardus oder Ermordete Majestät“ (1657) – Gryphius
  • „Cherubinischer Wandersmann“ (1657) – Angelus Silesius
  • „Cleopatra“ (1661) – Lohenstein
  • „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ (1669) – Grimmelshausen

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