Mittelalter Literaturepoche Merkmale, Autoren & Werke

Mittelalter Literaturepoche Merkmale Vertreter und WerkeDas Mittelalter bezeichnet die Epoche von ca. 500–1600. Die damalige Gesellschaft wurde nicht nur von dem herrschenden Feudalsystem beeinflusst, sondern auch von dem damals geltenden Weltbild. Dieses wurde stark von der Kirche und der Bibel geprägt. Der Mensch war Teil des Kollektivs und hatte – im Gegensatz zu der heutigen Vorstellung des Menschen als Individuum – einen festgelegten Platz innerhalb der Gemeinschaft.
Die Literatur war lange Zeit dem Klerus und Adel vorbehalten, da der Großteil der Bevölkerung weder Schreiben noch Lesen konnte. Zudem wurden die Werke des Mittelalters zu Anfang in Latein verfasst und behandelten geistliche Themen. Erst im Laufe der Epoche erschienen erste volkssprachige Werke mit weltlicher Thematik.


Name der Epoche Mittelalter

Der Begriff „Mittelalter“ wurde von den Humanisten geprägt und stammte als solcher aus der Epoche der Renaissance, die auf die Epoche des Mittelalters folgte. Während der Renaissance erlebte die Antike einen Aufschwung und gewann wieder an Bedeutung. Sie galt als Vorbild und Maßstab der damaligen Zeit. Im Gegensatz dazu hielt man die Zeit des Mittelalters für eher unwichtig und weniger bedeutend, weswegen dem Begriff „Mittelalter“ viel mehr eine abwertende Bedeutung anhaftete.


Merkmale der Literaturepoche Mittelalter

  • Mündliche Überlieferung
    Da im Mittelalter der Analphabetismus vorherrschte, wurden Erzählungen, Märchen oder auch Volkslieder von der einfachen Bevölkerung hauptsächlich mündlich weitergegeben. Auch der Minnesang war darauf ausgelegt, an den Höfen der Adligen vorgetragen zu werden.
  • Kirchliche und Höfische Literatur
    Die Literatur ließ sich vor allem in die Kirchliche Literatur und die Höfische Literatur unterteilen. Während bei ersterer die lateinische Sprache verwendet und geistliche Themen behandelt wurden, lag der Fokus der Höfischen Literatur auf weltlichen Themen und dem ritterlichen Ideal und sie wurde in der Volkssprache verfasst.
  • Literatur entstand meist durch einen Auftrag
    Vor allem in der Blütezeit des Minnesanges war die Literatur größtenteils nicht frei, sondern viel mehr zweckmäßig und dienstbar. Die Minnesänger und Autoren wurden vom Adel finanziert und banden sich damit oft an einen Hof, wo sie von ihren Schirmherren mit Essen, Schreibutensilien und einer Unterkunft versorgt wurden. Dafür schrieben sie nach Vorlagen und Regeln, während sie ebenfalls Loblieder für ihre Mäzene verfassten.
  • Das Allgemeingültige und die Idealisierung des Rittertums standen im Mittelpunkt
    In der mittelalterlichen Literatur ging es weniger um die persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen eines Einzelnen, sondern viel mehr um das Allgemeingültige. Neben Erzählungen, die das Rittertum idealisierten, gab es fiktive Fabeln und Heldengeschichten.
  • Keine Individualität
    Da vor allem das Allgemeingültige dargestellt wurde, sollte der Mensch als solches ebenfalls dargestellt werden. Das Individuelle spielte dabei keine Rolle, wodurch hauptsächlich auf traditionell festgelegte Themen und Formen zurückgegriffen wurde.
  • Kampf von Gut gegen Böse
    Die meisten Geschichten handelten von dem Kampf von Gut gegen Böse. Dabei spielte man zumeist mit den Figuren des Helden (die Besten), der Damen (die Schönsten) und der Bösewichte (die Schlechtesten). Es bestand eine Vorliebe für Klischees und traditionelle Figuren.
  • Dichtung und Prosa
    Vor allem die Dichtung war im Mittelalter populär und so wurden die Werke in Vers- und Reimform verfasst. Auf diese Weise ließen sich die Geschichten des Minnesanges gut merken und vortragen. Erst gegen Ende der Epoche, als die Literatur zusehends vom aufsteigenden Bürgertum und der Kultur der Städte, sowie den entstehenden Universitäten beeinflusst wurde, entstanden mehr und mehr Werke in Prosaform.
  • Minnesang
    Der Minnesang ist die älteste Liebesdichtung im westeuropäischen Sprachraum und fand seinen Höhepunkt im Mittelalter. In dessen Mittelpunkt stehen die höfische Liebe und die Liebeserklärung eines Ritters bzw. des Minnesängers an eine adlige Dame. Der Minnesang war das Instrument, um das ritterliche Ideal darzustellen.

Phasen der Epoche Mittelalter

Am gängigsten ist die Unterteilung der Epoche des Mittelalters in drei Phasen: das Frühmittelalter, das Hochmittelalter und das Spätmittelalter.

Literatur des Mittelaltes mit Antike Christentum Germanentum Klerus Ritter Bürger
Literatur des Mittelaltes mit Antike Christentum Germanentum

Während des Frühmittelalters (ca. 500-1180) gab es vor allem literarische Formen wie beispielsweise Heldensagen, Zaubersprüche, Fürstenlob oder Evangelienharmonien. Da sowohl das Lesen als auch das Schreiben vor allem Geistlichen und Gelehrten vorbehalten war, wurden die Werke vorwiegend in Latein geschrieben und besaßen den Zweck, den christlichen Glauben zu verbreiten. Auch wurden die meisten Werke anonym verfasst. Erst gegen Ende dieser Phase setzte das Althochdeutsch ein, womit zwar erste Geschichten auch in der Volkssprache geschrieben wurden, dennoch überwiegend mündlich weitergetragen wurden.

Zur Zeit des Hochmittelalters (ca. 1170-1250) erlebte der Minnesang seine Blütezeit und auch die höfische Dichtung war auf dem Vormarsch. Die Werke des Hochmittelalters behandelten das Leben der Adligen oder auch das ritterliche Ideal. Zudem entstanden viele Geschichten nach französischen Vorlagen und wurden in Mittelhochdeutsch verfasst. Während das Bürgertum und der Adel langsam begannen, sich vom Klerus und dessen Dominanz zu emanzipieren, entstanden weitere literarische Formen wie unter anderem das Heldenepos, die Spruchdichtung, das Tagelied und das Kreuzlied oder auch der deutsche Artusroman.

Im Spätmittelalter (ca. 1250-1500) gewann das aufsteigende Bürgertum immer mehr an Einfluss, während das Rittertum in den Hintergrund rückte. Auch die Pest prägte diesen Zeitraum, wodurch innerhalb der Bevölkerung zusehends Pessimismus herrschte. Dadurch waren viele Werke von einer gewissen Melancholie und Hoffnungslosigkeit geprägt. Die höfische Literatur – und mit ihr die Versdichtung – verschwand langsam. Stattdessen wurde immer mehr in Prosaform verfasst und literarische Formen wie der Schwank, Totentanz, Legenden, Geistliches Drama oder auch Legenden entstanden.


Bekannte Autoren & Vertreter der Epoche

Wichtige Autoren der Epoche Mittelalter sind folgende:

Frühmittelalter

  • Ofrid von Weißenburg
  • Heinrich von Melk
  • Hildegard von Bingen

Hochmittelalter

  • Walther von der Vogelweide
  • Gottfried von Straßenburg
  • Hartmann von Aue
  • Heinrich von Morungen
  • Wolfram von Eschenbach
  • Wirnt von Grafenberg

Spätmittelalter

  • Heinrich von Meißen
  • Meister Eckhart
  • Oswald von Wolkenstein
  • Johannes Tepl

Bekannte Werke der Epoche

Frühmittelalter

  • Evangelienharmonie von Ofrid von Weißenburg (ca. 865)
  • Liber Scivias von Hildegard von Bingen (1141-1153)

Hochmittelalter

  • Erec von Hartmann von Aue (ca. 1180)
  • Parzival von Wolfram von Eschenbach (1200-1210)
  • Tristan von Gottfried von Straßburg (ca. 1210)
  • Der Welt Lohn von Konrad von Würzburg (ca. 1267)

Spätmittelalter

  • Das fließende Licht der Gottheit von Mechthild von Magdeburg (1282)
  • Der Renner von Hugos von Trimberg (1300)
  • Der Ring von Heinrich Wittenwiler (1408-1410)

Minnesang

Minnesang DichtungDie Minnedichtung entstand in der Provence. Sie wurde an den Adelshöfen von ritterlichen Sängern, den Trobadors, vorgetragen und verbreitet und ist über Nordfrankreich in den deutschen Sprachraum eingedrungen. Die Trobadors vereinigten in ihren Liedern zwei Auffassungen von Liebe: eine christliche, die in der Liebe eine ethische, religiöse Macht sah, und eine antike, die das Erotisch-Sexuelle betonte. Die antike Tradition wurde von den so genannten Vaganten vertreten, jungen Geistlichen, die studiert, aber keine Aussicht auf ein geistliches Amt hatten und deshalb als von Hof zu Hof wandernde (vagare=umherschweifen) Dichter ihr Dasein fristeten (Sammlung von Vagantenliedern: Carmina Burana).Die deutsche Minnedichtung vergeistigte die Trobadorlyrik zur „hohen Minne“.

Minnelyrik variiert einen engen Kreis von Motiven und Formen. Die Gedichte wurden zur Laute gesungen. Dies erforderte eine strenge Gliederung, die Strophenform des „Kanzone“ (=Lied): Sie teilt sich in den Aufgesang und den Abgesang. Der Aufgesang ist noch einmal in zwei Teile (Stollen) gegliedert; die Teile sind am Reimschema erkennbar.

Thematisch enthalten Minnelieder die Liebeserklärung eines Ritters an eine (verheiratete) Adlige, den Preis ihrer inneren und äußeren Vorzüge, die Hoffnung auf Erhörung, die Klage über die Unerfüllbarkeit dieser Hoffnung und – damit zusammenhängend – über den Konflikt zwischen geistiger Liebe und Sinnlichkeit. Das Verhältnis des Ritters zu seiner Herrin ist dem Verhältnis zwischen Lehensherr und Lehensmann nachgebildet.

Minnegesang war Teil des Minnedienstes. Die Gedichte wurden bei Hoffesten vor allen Anwesenden vom Verfasser selbst vorgesungen. Das Publikum beurteilte die Lieder, versuchte zu erraten, wer die anonyme Angebetete sei.

Neben der geselligen Unterhaltung waren Minnedichtung und Minnedienst Teil des ritterlichen Tugend- und Erziehungssystems. Selbstzucht und Selbstüberwindung (heute wurde man sagen „Triebverzicht“) sollten einer Kriegerkaste vermittelt werden. In der Minne (von lat. memini=ich erinnere, dagegen Liebe von idg. lubh=begehren) sah man den Inbegriff des Ritterideals.

Bekannte deutsche Minnedichter waren

  • Heinrich von Veldeke, Friedrich von Hausen, Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue, Reinmar von Hagenau.
  • Walther von der Vogelweide (1168-1228) knüpfte wieder an die Vagantendichtung an und wandte sich so gegen das allzu Erstarrte, Wirklichkeitsferne der hohen Minne. Er schuf die so genannten „Mädchenlieder“ (auch „niedere Minne“), die sich nicht an eine adlige Dame richteten und die Erotik in den Vordergrund stellten.
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