Moderne Literaturepoche Merkmale & Autoren

Unter einer Literaturepoche versteht die Fachwelt eine Zeit, in der sich Dichter und Denker einem gemeinsamen Lebensgefühl widmen und diesem Zeitgeist in literarischer Form Ausdruck verleihen. Daraus entwickeln sich prägende stilistische Elemente und Erzählweisen ebenso, wie bestimmte Ideen oder eine besondere sprachliche Ästhetik.

Doch eine literarische Epoche wird praktisch nie von ihren Protagonisten selbst definiert. Vielmehr ist es so, dass die Geschichte im Nachhinein entsprechende Begrifflichkeiten entwickelt und die Gemeinsamkeiten einer literarischen Epoche festzustellen versucht. Den Beginn einer literarischen Epoche kann man oft erst später ausmachen. Zunächst entsteht irgendwo eine literarische Strömung. Diese kann zunächst nur regional begrenzten Einfluss nehmen. Erst wenn diese neue Strömung Literaten in der gesamten Nation erfasst hat und Einfluss auf ihre Werke nimmt, spricht man von einer neuen Literaturepoche. Die Blütezeit einer literarischen Epoche besteht dann, wenn sich das Gros der modernen Autoren diesem Zeitgeist verpflichtet fühlt.

Die Moderne in der Literatur beginnt um 1900 herum. Sie reicht in manchen Tabellen bis ins Jahr 2013 hinein und umfasst somit eine lange Periode historischer Geschehnisse und wechelvoller politischer Verhältnisse. Danach spricht man bereits von der Postmoderne. Doch diese Begriffe sind für die Literatur der Gegenwart nur Beschreibungen auf Zeit. Möglicherweise wird die Literaturgeschichte in 50 oder 100 Jahren andere Begriffe für diese lierarische Epoche geprägt haben.

Der Name der Epoche

Die moderne Literaturepoche wird so benannt, weil es bislang keinen prägenderen Begriff für die vielseitige Gegenwartsliteratur seit 1900 gibt. In der Literatur der Moderne sind so viele Strömungen zu finden, dass man diese schwerlich in konkretere Begrifflichkeiten kleiden könnte. Daher wählte man einen unverfänglichen, relativ vagen und alle Strömungen umfassenden Begriff. Es besteht nicht einmal Einigkeit darüber, wann genau die Moderne beginnt und endet. Ein Artikel in der Zeitschrift „Die Zeit“ definierte die Literatur der Moderne beispielsweise als die Zeit von 1890 bis 1920.

Merkmale der modernen Literaturepoche

Die Literatur der Moderne wurde durch verschiedene Einflüsse geprägt. An ihrem Beginn standen wissenschaftliche Erkenntnisse, die das bis dahin herrschende Weltbild auf den Kopf stellten.

Durch Albert Einsteins Relativitätstheorie, Max Plancks Quantentheorie oder Sigmund Freuds Psychoanalyse entstand nicht nur ein neues Verständnis des Menschen und des Universums, sondern es ergab sich daraus auch ein völlig veränderter Blick auf die verstanden geglaubte Wirklichkeit. Neue Paradigmata entstanden. Das führte in der Literatur dieser Zeit Mzu einem experimentelleren und freieren Umgang mit der Sprache.

Die stilistischen Mittel veränderten sich. Sie wurden deutlich vielseitiger. In modernen Romanen findet sich nun neben indirekter Rede auch die freie bzw. direkte Rede. Die bisherige Weltsicht war erschüttert. Sie wurde durch die Aufsplittung der bisherigen Erfahrungswelten fragmentiert. Ehemals klare Ansichten mussten durch neue Erkenntnisse überdacht werden. Es kam in der Gesellschaft zu einem Perspektivwechsel, der auch die Literatur nachhaltig beeinflusste.

Auf der sprachlichen Ebene ist zu vermerken, dass es um die Jahrhundertwende zu einer sprachlichen Krise gekommen war. Man diskutierte unter Literaten die Grenzen und Möglichkeiten, durch seine Sprache den Zeitgeist zum Ausdruck zu bringen. Dadurch kam es in der Moderne zu einer ungeahnten stilistischen Vielfalt. Schon dadurch unterscheidet sich die Moderne von den anderen literarischen Epochen. Es gab keinen gemeinsamen Sprachstil mehr. In der Moderne suchte man nach neuen Ausdrucksformen, die den vorherrschenden Zeitgeist adäquat abbildeten.

Stilistische Freiheit wurde zu einem wichtigen Merkmal der modernen Literaturepoche. Man testete als Autor die sprachlichen Grenzen aus und nutzte auch ungewöhnliche sprachliche Stilmittel. Die Autoren pflegten nicht mehr eine gemeinsame Sprachform, sondern entwickelten eigenständige sprachliche Mittel für ihr Anliegen.

Die Literatur der Moderne unterlag keiner Zensur. Sie musste sich nicht mehr dem Stilverständnis der Oberen beugen, außer in der Zeit des Nationalsozialismus. Literatur stand jetzt jedem zur Verfügung. Sie erfreute sich größtmöglicher Freiheit, Vielfalt und Entfaltungsmöglichkeit. Die Autoren übten sich erstmals in Selbstkritik. Bis die Nationalsozialisten vorgaben, was wertvolle Literatur war und was nicht.

Literarische Formen dieser Epoche

Der vorher dominierende Naturalismus wurde nun durch den Ästhetizismus, durch impressionistische Ideen, den typischen Literaturstil des Jugendstils, den Symbolismus und die Neuromantik abgelöst. Individualität und eine subjektive Weltsicht nahmen Raum ein, wo man früher eine vermeintlich realistische Objektivität in den Fokus gestellt hatte.

Die experimentelle Literatur ist eine weitere Literaturform der Moderne. Im Bereich der Poesie entwickelte sich eine Großstadtlyrik als Gegenbild zur romantischen Naturverklärung der Zeit davor. Lyrik und Prosagedichte waren beliebte poetische Formen.

Ansonsten gab es in der modernen Literaturepoche eine große Vielfalt von literarischen Inhalten und Formen zu verzeichnen. Neben Briefromanen entstanden viele Novellen und Erzählungen. Man befasste sich mit literarischen Skizzen oder Studien. Das Kunstmärchen feierte seine Entstehung und setzte sich damit von den jahrhundertelang tradierten Märchen ab. Essays und Einakter für das Theater entstanden. Der Aphorismus wurde als literarische Kurzform eingeführt.

Die Literatur, die unter den Nationalsozialisten gepflegt und anerkannt wurde, verherrlichte das arische Weltbild. Jegliche Literatur, die als nicht-arisch und nicht nationalistischen Ideal untergeordnet angesehen wurde, wurde verboten oder verbrannt. Das galt vor allem für jüdische Autoren. Kritische Literatur und satirische Zeitungsartikel kennzeichneten den Beginn des Nationalsozialismus. In dessen Blütezeit blühten diese Stilformen im Verborgenen.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu den literarischen Formen der Exilliteratur, die zwischen 1933-1945 ihren Aufstieg feierte. Anschließend sprach man von „Trümmerliteratur“. Beide Formen sind dem massiven Einfluss der Nationalsozialisten auf die Literatur geschuldet.

Bekannte Autoren der Moderne

National:

Hermann Hesse

Rainer Maria Rilke

Erich Kästner

Thomas Mann

Franz Kafka

Kurt Tucholsky

Arthur Schnitzler

Berthold Brecht

Siegfried Lenz

Heinrich Böll

Paul Celan

Günther Grass

Friedrich Dürrenmatt

International:

T. S. Elliot

Virginia Woolf

James Joyce

Bekannte Werke dieser Autoren

National:

Rainer Maria Rilkes – Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)

Rainer Maria Rilke – Die Sonette an Orpheus (1922)

Rainer Maria Rilke – Duineser Elegien (1923)

Thomas Mann – Die Buddenbrooks (1901)

Thomas Mann – Der Tod in Venedig (1912)

Franz Kafka – Das Urteil (1912)

Hermann Hesse – Siddharta (1922)

Hermann Hesse – Der Steppenwolf (1927)

Erich Kästner – Herz auf Taille (1928)

Erich Kästner – Emil und die Detektive (1929)

Erick Kästner – Fabian (1931)

Kurt Tucholsky – Schloß Gripsholm (1931)

Berthold Brecht – Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1932)

Berthold Brecht – Der kaukasische Kreidekreis (1949)

Siegfried Lenz – Deutschstunde (1968)

Siegfried Lenz – So zärtlich war Suleyken (1955)

Heinrich Böll – Haus ohne Hüter (1954)

Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns (1963)

Günther Grass – Die Blechtrommel (1959)

Günther Grass – Die Rättin (1986)

Günther Grass – Die Rättin (1986)

Alfred Döblins – Berlin Alexanderplatz (1929)

Robert Musil – Der Mann ohne Eigenschaften (1930–1952)

International:

T. S. Eliot – The Waste Land (1922)

T. S. Elliot – Four Quartets (1944)

Virginia Woolf – Mrs. Dalloway (1925)

James Joyces – Ulysses (1922)

James Joyce – Finnegans Wake (1923–1939)
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