Romantik Literaturepoche Merkmale, Autoren & Werke

 

1. Wortbedeutung

Der Begriff „romantisch“ bzw. „Romantik“ hatte mehrere Bedeutungen:

  • im 18. Jh.
    • im Roman vorkommend (Romane wurden in den romanischen Volkssprachen verfasst, nicht im Latein der Gelehrten), wunderbar, phantastisch, abenteuerlich, erfunden
    • wild-schöne Landschaft und die Empfänglichkeit des Menschen dafür
    • im Gegensatz zu „klassisch“: mittelalterlich, neuzeitlich
  • im 19. Jh.
    • Bezeichnung der kunstgeschichtlichen Epoche
    • „Poesie“, „poetisch“

2. Weltanschauung der Romantik

Die Romantik lehnte die Wirklichkeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jh. radikal ab. Sie sah die Gesellschaft geprägt vom Gewinnstreben und vom bloßen Nützlichkeitsdenken des beginnenden industriellen Zeitalters. Den aufblühenden Naturwissenschaften warfen die Romantiker vor, sie würden alles mit dem Verstand erklären, alles auf seine Nützlichkeit, Verwertbarkeit untersuchen und keine Geheimnisse mehr lassen. Der bürgerliche Alltag erschien den Romantikern als grau, ohne Abwechslung, „prosaisch“, beherrscht vom eintönigen bürgerlichen Berufsleben.

Gegenüber der so gesehenen Wirklichkeit feierte die Romantik die mythische Welt der Religion, sah daher im Mittelalter die ideale Zeit der Geschichte, da damals die Menschen im christlichen Glauben geeint gewesen seien. Die Romantik glaubte an die Macht des Ahnens, Schauens, der Intuition, pries das Reich der Phantasie und des Traums, bis hin zu den dunklen Bereichen der Seele. Die Romantiker pflegten die abgeschlossene Welt des intakten Freundeskreises, sie verehrten und sammelten die einfache Kunst des Volkes, da sie am ursprünglichsten sei, sie begeisterten sich für die Schönheit und Wildheit der Natur.

All diese Gegenwelten fassten die Romantiker unter dem Begriff der „Poesie“ zusammen. Sie sei eine unermessliche, unerschöpfliche Kraft, ständig wachsend („progressiv“), die den Urgrund aller Dinge bilde („universal“). In den frühen Zeiten der Menschheitsgeschichte, der Zeit des Mythos, und im Mittelalter habe sie die Welt bestimmt, sei dann aber von der modernen Welt (Reformation, Aufklärung) verdrängt worden und nur noch in der Volksliteratur, der Natur, in einzelnen Momenten des Lebens (Liebe) und in bestimmten Personen (v.a. Frauen, Kindern) zu entdecken. (Beeinflusst waren die Romantiker von den Philosophen Johann Gottlieb Fichte [1762-1814] und Friedrich Wilhelm Schelling [1775-1854], die den Geist bzw. die Natur als grundlegendes Prinzip allen Seins betrachteten.)

3. Rolle der Dichtung und des Dichters

Von dieser allgemeinen Poesie (auch „Naturpoesie“) unterschieden die Romantiker die Poesie im engeren Sinne, die „Kunstpoesie“, wozu auch die Dichtung gehörte. Die Dichtung galt als Teil der allumfassenden Poesie. Sie war also im Unterschied zur Aufklärung kein bloßes Instrument und anders als in der Klassik kein Erziehungsmittel und keine Vorwegnahme der idealen Welt, sondern Teil der idealen Welt selbst. Trotzdem hatte sie eine Aufgabe. Die Dichtung sollte nämlich die verschüttete Welt der Poesie bewusst machen und aufdecken, in der Hoffnung, dass sie einmal wieder zur Herrschaft gelange. Der Dichter geriet dabei in die Rolle des Priesters einer neuen, noch verborgenen Religion.

4. Unterschied zur Klassik

Auch die Klassik hatte die Nachteile der bürgerlichen Ordnung (z.B. die Arbeitsteilung, die Spezialisierung des Menschen), gesehen, aber an ihrem Ideal fest gehalten, der Mensch sei fähig, all seine Kräfte in harmonischer Einheit zum Schönen, Wahren, Guten auszubilden. Die Romantik vermochte diesen Glauben an die Veränderbarkeit des Menschen und der Gesellschaft nicht aufzubringen. Sie stellte eigentlich keine Ideale auf, entwarf kein Bildungsprogramm, mit dessen Hilfe die Ideale verwirklicht werden sollten. Sie stellte der Wirklichkeit eher Gegenwelten gegenüber, in die man flüchten konnte, zusammen mit gleich Gesinnten oder aber alleine, wie es der Dichter Novalis mit Hilfe von Drogen versuchte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Goethe die Romantik ablehnte, obwohl viele Romantiker ihn und sein Werk verehrten.

5. Einschränkungen

Die eher unpräzisen, nicht leicht zu fassenden Vorstellungen der Romantik schlossen wissenschaftliches Denken und Engagement in der Wirklichkeit nicht aus. Auch die Romantik hatte wissenschaftliche Leistungen vorzuweisen, die das Ergebnis exakten Forschens darstellen.Die Gebrüder Grimm z.B. begannen mit der Erforschung der deutschen Sprache und Literatur (Anfang der Germanistik). Auch die Geschichtswissenschaft im heutigen Sinne hatte ihren Ursprung in der Romantik. Einige Romantiker engagierten sich auch politisch. Sie unterstützten das Streben der Deutschen nach einer einheitlichen Nation zur Zeit der Befreiungskriege; andere wurden auch Anhänger der Restauration.

6. Wichtige Autoren und Werke

Die romantischen Dichter und Philosophen taten sich in Universitätstädten zu Freundeskreises zusammen. Mittelpunkt ihrer Kreise waren oft Frauen: Karoline Schlegel, zunächst Ehefrau August Wilhelm Schlegels, danach von Schelling; Elisabeth (genannt Bettina) von Arnim, Ehefrau Achim von Arnims und Schwester dessen Freundes Clemens Brentano; Rahel Levin und Henriette Herz, die in Berlin literarische Salons unterhielten.

Als Hauptgattung der Romantik galt ihren Vertretern selbst der Roman. Sie sahen ihn als diejenige Textsorte an, in der alle Gattungsgrenzen aufgelöst werden konnten, wo theoretische Reflexion, Erzählung, lyrische Stimmungen zusammentreffen konnten, ohne in starre Formen gefasst zu sein.

Für die Nachwelt ist die romantische Lyrik die wichtigste literarische Form. Der musikalische Charakter der Lyrik, ihre Bildlichkeit, die Möglichkeit, Dinge auszudrücken, die anders nicht auszudrücken sind, passt zu der Weltsicht der Romantik.

 

Frühromantik: stark philosophisch, theoretisch orientiert (Jena, Berlin)
  • Friedrich Schlegel (1772-1829)
    • Lucinde (Roman 1799)
  • August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
    • gab zusammen mit seinem Bruder von 1798-1800 die Zeitschrift „Athenaeum“ heraus
  • Novalis (Friedrich von Hardenberg 1772-1801)
    • Hymnen an die Nacht (Gedichte 1797)
    • Heinrich von Ofterdingen (Romanfragment 1802)
  • Ludwig Tieck (1773-1853)
    • Der gestiefelte Kater (Drama 1797)
    • zusammen mit Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773-1798):
      Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797)
    • Theoretische Schriften (1796)

 

Hoch- und Spätromantik (Heidelberg)
  • Clemens Brentano (1778-1842)
    • Gedichte
    • zusammen mit Achim von Arnim (1781-1831) ab 1805 Des Knaben Wunderhorn (Volksliedsammlung)
  • Joseph von Eichendorff (1788-1857)
    • Gedichte
    • Aus dem Leben eines Taugenichts (Novelle 1826)
  • Ernst Theodor Amadeus (E.T.A.) Hoffmann (1776-1822)
    • Das Fräulein von Scuderi (Novelle 1819)
  • Jakob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859)
    • Kinder und Hausmärchen (1812,1815,1822)
    • Deutsches Wörterbuch (ab 1854, nach ihrem Tod fortgesetzt, 1961 abgeschlossen)

 

Heinrich Heine (1797-1856)

Heinrich Heine nimmt eine besondere Position in der Literaturgeschichte ein. Er war einerseits der populärste romantische Lyriker. Seine Gedichte im „Buch der Lieder“ (1827) hatten eine große Wirkung über die Epoche der Romantik hinaus und wurden vielfach zu Volksliedern (z.B. „Die Lorelei“). Auf der anderen Seite distanzierte sich Heine vom Poesiebegriff der Romantiker. Er sah die Welt als zerrissen an, kritisierte die Wirklichkeit wie die übrigen Dichter der Romantik, glaubte aber nicht an den Urgrund der Poesie in allen Dingen. Der Dichter habe die Aufgabe, diesen Riss zu zeigen und nicht vor ihm die Augen zu verschließen. Wer vor ihm in die Gegenwelten flüchte, die Welt als heil und als Ganzes zeige, der lüge.

In vielen Gedichten Heines wird ein Zwiespalt deutlich zwischen der schönen Welt der Romantik, nach der auch Heine sich sehnte, und seiner Einsicht in die Brüchigkeit der Welt und die Falschheit der romantischen Gegenwelten. Dieser Zwiespalt äußert sich als Ironie, mit der Heine romantische Bilder in seinen Gedichten gestaltet. Eine andere Möglichkeit, sich mit dem Riss in der Welt auseinander zu setzen, sah er in politischer Dichtung („Deutschland, ein Wintermärchen“, 1844), in der er in bissig-ironischen Versen die sozialen und politischen Zustände Deutschland im Vormärz (1815-1848) aufs Korn nahm.

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